Posted by: JBluemel in Ashanti, Neuzeit Add comments

Zu keinem Zeitpunkt in der vergangenen Geschichte gab es eine länger andauernde Periode der kämpferischen Auseinandersetzung zwischen Afrikanern und Europäern wie zwischen den Ashanti und den Briten. An der damaligen Goldküste in Westafrika, die heutzutage Ghana und Teile von Togo und der Elfenbeinküste umfasst, waren die Ashanti angesiedelt, die sich als das erste westafrikanische Reich gegen den wachsenden Einfluss und die Annektion von Gebieten durch die europäischen Großmächte auf dem afrikanischen Festland zur Wehr setzten.

Von 1726 bis ca. 1900 lieferten sich die Ashanti und die Briten zahlreiche Schlachten, welche sehr unterschiedlich und mit großen Verlusten auf beiden Seiten ausgingen. Es gab nicht nur gewaltsame Auseinandersetzungen und Konflikte, die auf militärischer Ebene ausgetragen wurden, sondern wesentliche Konflikte der Ashanti und der Briten fanden auf den Ebenen der differierenden Wertvorstellungen, der Religion und Kultur statt. Unterschiedliche und gegenläufige ökonomische Interessen und die auf beiden Seiten konsequent geführte Verteidigung des eigenen Status als Großmacht verwickelten die Ashanti und die Briten in schwere und langjährige Konfrontationen, die letztendlich zum Untergang des Ashantireiches führten.

Zu Beginn des 19. Jahrhunderts war das Ashantireich auf die Größe des heutigen Ghana und Teilen der Elfenbeinküste und Togo angewachsen1 und umfasste als der mächtigste Staat Westafrikas mehr als 3 Millionen Menschen.2 Der eigentliche Aufstieg Ashantis zum westafrikanischen Großreich lag in der Zeit von 1680 bis 1750, in der die Ashanti, geleitet von der militärischen Fähigkeit und dem „state building genius3 ihrer Anführer Osei Tutu und Opuku Ware, in mehr als zwanzig großen militärischen Feldzügen allein im 18. Jahrhundert zahlreiche westafrikanische Staaten unterwarfen und ihre Bewohner versklavten. Bis Ende des 17. Jahrhunderts gab es neben Ashanti noch zwei weitere Großreiche an der Goldküste: Akwamu im Südosten und Denkyria im Südwesten. Mithilfe von Musketen, die sie von den Holländern bekamen sowie ihrer Kriegskunst und dem scheinbar unermüdlichen Verlangen ihre Unabhängigkeit von den anderen afrikanischen Staaten zu bewahren, führten die Ashanti 1701 einen entscheidenden Krieg gegen das im Südwesten benachbarte Großreich Denkyria.4 Durch die anschließende Unterwerfung Denkyrias5 Die Ashanti hatten in dem Krieg gegen Denkyria viel Gold erbeutet und zahlreiche Sklaven gemacht, die sie in den Minen beschäftigten. Mit den Europäern handelten sie mit Sklaven und Gold und erhielten im Gegenzug Waffen und andere Güter.6 Die Ashanti nahmen an der Goldküste eine dominante und vorherrschende Stellung ein.7

Der einzige Staat, der seinerzeit dem aufstrebenden Ashantireich größeren Widerstand leisten konnte, war das Königreich Fante, welches zu Beginn des 19. Jahrhunderts aus siebzehn Einzelstaaten bestand. Es gab viele kriegerische Auseinandersetzungen im 18. Jahrhundert zwischen den Ashanti und den Fante. Größter Streitpunkt war, dass die Fante nicht wollten, dass die Händler Ashantis direkten Zugang zu den Forts der Europäer, die im Gebiet der Fante lagen, erhielten. Die Briten versuchten einen direkten Zusammenstoß der beiden Großmächte mit allen Mitteln zu verhindern.  Aus Furcht davor, dass Ashanti sich als alleinige Großmacht an der Goldküste gegen die Fante durchsetzen könnte, unterstützten sie die Fante.8 Allerdings wurden die Fante in dem Krieg 1806/1807 von den Ashanti entscheidend geschlagen. Das nach dem Krieg kurzzeitig friedlich gewordene Verhältnis der Briten zu Ashanti wurde schon 1807 durch das von den Briten verhängte Sklavenverbot beendet. Dies bedeutete für die Staaten an der Goldküste wie auch für die Ashanti eine gewaltige Umstellung der Wirtschaft, in der der Sklavenhandel bis dahin die Haupteinnahmequelle darstellte.

Die Britischen Händler sahen das Ashantireich als: „ bloodthirsty empire which menaced their own existence“9 und die Ashanti als „mordlüsterne Bestien.“10 Andere Chiefs der benachbarten westafrikanischen Kleinstaaten teilten diese Sichtweise und erhofften sich durch die Bestrebungen der britischen Agenten Unabhängigkeit vom Ashantireich zu erlangen. Die Briten wollten zunächst Ashanti nicht erobern, fürchteten aber durch die Dominanz Ashantis um ihre Position an der Goldküste und ihren schwindenden Einfluss. Viele der Küstenstaaten wurden in das britische Schutzprotektorat aufgenommen und eine offene kriegerische Auseinandersetzung mit Ashanti wurde von den Briten vermieden. Auch Ashantis Handel mit Sklaven und sein Zugang zur Küste wurden durch die Briten nicht unterbunden.11 Von 1809 bis 1823 schlugen die Ashanti in zahlreichen Gefechten Revolten von rebellischen Aufständischen nieder. Bei einem Krieg 1824 gegen die rebellierenden Wassa und Denkyria kamen die Briten den Rebellen zur Hilfe und wurden dabei von den Ashanti geschlagen und ihr Anführer Maccarthy wurde getötet.12 Dies leitete nach langer kampfloser Zeit eine andauernde kriegerische Auseinandersetzung zwischen den Briten und den Ashanti ein. Es gab außer den Briten keine Großmacht mehr an der Goldküste, welche Ashanti Widerstand leisten konnte.13 1826 gab es einen Krieg in Dodowa zwischen den Briten und Ashanti, den Ashanti verlor. Anschließend herrschte wieder für 30 Jahre Frieden zwischen den Briten und Ashanti. Im Zeitraum von 1850 bis 1863 wurden kriegerische Auseinandersetzungen wiederholt knapp umgangen. 1863 griffen die Ashanti ein britisches Regiment an, der Krieg wurde aber 1864 ergebnislos beendet. Ausgelöst durch die Verschleppung  von europäischen Missionaren nach Kumasi, führten die Briten im Jahre 1869 unter General Wolseley einen dreifachen Angriff gegen Ashanti, schlugen Ashanti und plünderten Kumasi.14 Es gab zudem einen Streit um die Souveränität des ehemaligen holländischen Forts Elmina, das zum britischen Protektorat hinzugefügt wurde, das aber von den Ashanti als ihr Eigentum angesehen wurdess. 1874 musste Ashanti durch den Vertrag von Fomena seine Ansprüche an den Küstenhandel aufgeben, der Sklavenhandel wurde für illegal erklärt und Ashanti musste einige seiner Vassallenstaate bis an den Fluss Pra abtreten. Durch den Sieg der Briten 1874 wurde Ashanti als militärische Macht niedergerungen und das Imperium zerstört.15 Kleinere Mitlieder der Ashanti Union wie Dwaben sagten sich von Ashanti los und forderten Ashanti in Bürgerkriegen von 1883 bis 1888 heraus, was Ashanti zusätzlich schwächte.

Ab 1888 gelang es dem neuen Asanthenen Prempeh, innerhalb von drei Jahren die Mitgliedsstaaten des Ashantireiches wiederzuvereinen und Dwaben wieder hinzuzugewinnen. Prempeh wandte sich an London und bat um Verhandlungen und um die Errichtung eines Syndikats, bei dem er Teile seiner Macht abgäbe, aber das Ashantireich erhalten bliebe. Zudem wollte er eine Allianz mit dem von den Franzosen besetzten Gebiet des Herrschers Samori im Westen von Ashanti eingehen.16 Die Briten hingegen wollten das Ashantireich komplett in ihr Protektorat aufnehmen, weil sie befürchteten, dass Ashanti wieder erstarken könnte oder von den Franzosen oder Deutschen übernommen werden würde. Dies lehnte Prempeh ab, er zettelte eine Invasion der Nkoransa, Mo, Abease an und unterlag 1892. Die Briten wollten eine Niederlassung in Kumasi erwirken und dafür Gelder an Prempeh und die anderen Leiter des Ashantireiches zahlen. Als Prempeh auch dies ablehnte, stellten die Briten 1894 ein letztes Ultimatum an Ashanti mit der Forderung, ein Britisches Protektorat zu werden und Entschädigung für den Krieg von 1874 zu zahlen. Prempeh lehnte wiederum ab und daraufhin wurde 1896 Kumasi angegriffen, Prempeh selbst verschleppt und Ashanti sowie die kleineren Staaten wurden unter die Kontrolle der Briten gebracht.17 1900 kam es noch zu einem kleinen Aufbäumen Ashantis von Yaa Asanteewa bei der Übergabe vom „Goldenen Stuhl“, dem Machtsymbol der Ashanti. In vier militärischen Expeditionen wurden die Aufständischen niedergeschlagen, ihnen ging am Ende die Munition aus und Ashanti wurde zur Kronkolonie der Briten erklärt.

 

Empfohlene Zitierweise: Blümel, Jonathan (2009): Die Konflikte des Ashantireiches mit der Britischen Kolonialmacht im 19. Jahrhundert. In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

 


Bibliographie:

  1. Vgl. Webster, James B. / Boahen, A. Adu: The Revolutionary Years. West Africa since 1800. London 1984. S. 121/122.
  2. Vgl. Edgerton, Robert B.: The Fall of the Asante Empire – The Hundred-Year War For Africa’s Gold Coast, New York 1995. S. 1.
  3. Siehe Webster. London 1984. S. 122.
  4. Vgl. Edgerton. New York 1995. S. 3-5.
  5.  Anm.: Denkyria verfolgte laut Boahen in: Boahen, A. Adu: Topics in West African History, London 1966. S. 71 eine Schreckensherrschaft und unterdrückte die Staaten an der Goldküste. erhielt Ashanti ab 1701 Zugang zur Goldküste und zum Handel mit den Europäern, wie zum Beispiel durch die Eroberung des  holländischen Forts Elmina.[6. Vgl. Hauck, Gerhard: Gesellschaft und Staat in Afrika, Frankfurt a. M.  2001. S. 91.
  6. Vgl.  Boahen, A. Adu: Topics in West African History, London 1966. S. 72.
  7. Vgl. Edgerton 1995. S. 13.
  8. Vgl. Webster 1984. S. 125. und Hauck 2001. S. 91.
  9. Siehe Crowder, Michael: West Africa under colonial rule, London 1968 . S. 144.
  10. Siehe Hauck 2001. S. 91.
  11. Vgl. Crowder 1968. S. 144.
  12. Vgl. Webster 1984. S. 127.
  13. Vgl. Wilks, Ivor: Asante in the nineteenth century, London 1975. S. 310.
  14. Vgl. Edgerton 1995. S. 101.
  15. Vgl. Crowder 1968. S. 146.
  16. Vgl. Crowder 1968. S. 149.
  17. Vgl. Boahen: General History in West Africa, VII Africa under colonial domination 1880-1935, London 1985. S. 132.
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