In vino veritas. Welch hohe gesellschaftliche Bedeutung dem Weinkonsum im Römischen Reich beigemessen wurde und welche Wichtigkeit das Weingewerbe und die Weinproduktion in der Wirtschaft des Römischen Reiches besaßen, lässt sich aus heutiger Sicht in der Untersuchung einzelner Regionen aus dem Römischen Reich mit ihren archäologischen Funden und literarischen Hinweisen, anschaulich betrachten.

Schon anhand von wenigen Quellen über das pompejanische Weingewerbe lassen sich wesentliche Einblicke in das wirtschaftliche Geschehen in Pompeji zur Zeit des Römischen Reiches gewinnen:„For around Vesuvius is the Murgentine vine, a very strong species from Sicily, which some call Pompeian, productive only in fertile soil, like the Horconian variety, which is grown only in Campania.“1

Es kann zunächst ein allgemeiner, aber dennoch wertvoller Aspekt des wirtschaftlichen Lebens den Aussagen des Plinius entnommen werden, die übereinstimmend sind mit den Aussagen anderer antiker Autoren2: Die Vesuvgegend war in der Zeit des römischen Reiches grundsätzlich als äußerst fruchtbar zu bezeichnen. Diese Tatsache trifft neben Pompeji auch auf Herkulaneum als eine Nachbarstadt Pompejis zu, wobei man allerdings, mangels Quellenbefund, von keinem florierendem Weingewerbe in und um Herkulaneum ausgehen kann.

Desweiteren kann man der vorliegenden Quelle entnehmen, dass Pompeji für seinen Wein einen gewissen überregionalen Bekanntheitsgrad erlangt hatte. „Horconian“ könnte eine Variante des Namens der pompejanischen Familie Holconii darstellen.3 Die Familien Holconii und Eumachii erzielten hohe Gewinne mit dem Weinanbau und lieferten ihre Ware bis nach Rom. So lag der Anteil kampanischer Weine in Rom bei einem Fünftel des Gesamtimports.4 Der Weinanbau war weit verbreitet im Vesuvgebiet und war ein blühender Wirtschaftszweig des gesamten römischen Reiches. Weinamphoren aus Kampanien galten neben der berühmten Fischsauce garum als Hauptexportprodukte aus der damaligen Vesuvgegend. Diese Tatsachen werden durch zahlreiche Amphorenfunde, Inschriften und durch Weinberge die bei Pompeji durch Ausgrabungen entdeckt wurden, bestätigt.5

Amphorenfunde aus Pompeji

Amphorenfunde aus Pompeji

Ein noch genaueres Bild vom Weingewerbe in der Umgebung Pompejis lässt sich mithilfe des archäologischen Fundes der Villa Boscoreale erstellen. Bei Ausgrabungen wurden weitere villa rusticae im Umkreis gefunden, was darauf schließen lässt, dass sich in unmittelbarer Nähe dieser Landgüter und Höfe ein lukrativer Absatzmarkt befunden haben musste, welcher nur Pompeji sein konnte. Die eher kleine Villa Boscoreale lag zwei Kilometer entfernt von Pompeji, am Fuße des Vesuvs in dem Dorf Boscoreale. Die Villa selbst hatte einen großen Innenhof, eine Weinpresse, ein Reservoir mit einem Fassungsvermögen von zehntausend Litern und ca. einem Hektar Weinanbaufläche.6 Gefundene Überreste von einer technisch und qualitativ hochwertigen Ausrüstung für die Weinproduktion weisen auf ein recht profitables Wirtschaftsunternehmen hin.7 Ein weiterer Hinweis für eine erfolgreich wirtschaftende Villa und für reiche Villenbesitzer liefert der Fund eines in der Villa gefundenen Portmonees, welches ca. 100.000 Sesterzen enthielt.8 Zudem fand man im nördlichen Teil der Villa reichlich Tafelgeschirr in einem Wohnbereich vor, der früher recht gut und komfortabel ausgestattet sein musste.

Nachdem das Weingewerbe aus der Umgebung von Pompeji betrachtet wurde, schließt sich logischerweise die Frage an, ob es auch ein Weingewerbe beziehungsweise Produktionsstätten von Wein  innerhalb Pompejis gegeben haben kann.

In Pompeji gab es, laut der Quellen in Form von Inschriften, einen Eigenbedarf für Wein, der den Import von Weinen aus anderen Regionen notwendig machte. Man kann den Tavernen-Inschriften CIL IV 1679 und CIL IV 12929 entnehmen, dass in Pompeji Wein konsumiert wurde, der aus unterschiedlichen Regionen stammte: “Hedone says, You can drink here for one as, if you give two, you will drink better; if you give four, you will drink Falernian.“ (CIL IV 1679) Einige der in Pompeji gefundenen Weinamphoren stammen aus weiter entfernten Regionen wie Setia, das 40 km entfernt von Rom lag: „Another cup of Setinan (wine).“ (CIL IV 1292). Andere Funde von Weinamphoren stammen laut der Aufschriften aus der umliegenden Gegend von Pompeji. Da bei weiteren Ausgrabungen in Pompeji zwar Weinberge, aber keine nennenswerten Weinproduktionsstätten gefunden wurden, kann man nicht von einer Weinproduktion innerhalb Pompejis sprechen.10 Im Vergleich zur Umgebung Pompejis wurde der Wein innerhalb Pompejis vorwiegend konsumiert, auf Märkten gehandelt und im Hafen verschifft, aber Wein wurde in Pompeji selbst nicht produziert.

Zusammenfassend kann man sagen, dass es im antiken Kampanien in der umliegenden Gegend von Pompeji ein Weingewerbe gab, welches verschiedene Weine von bester Qualität hervorbrachte und an die Handelsmetropole Pompeji angebunden war, in welcher der Wein konsumiert, aber vor allem auf dem Markt oder per Schiff vertrieben wurde.

 

Empfohlene Zitierweise: Blümel, Jonathan (2009): Wein im antiken Kampanien – Wein in Pompeji?. In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

 

Bildquelle: Privat

 


Bibliographie:

 

 

  1. Plin. nat. 14,35 in Cooley, A.E./Cooley, M.G.L. (Eds.): Pompeii : a sourcebook. London 2004. S. 160.
  2. Strabo Geography, 5.4.3, lat./dt., übers. v. Jones, H.L. London 1969.
  3. Vgl. Cooley. S. 160.
  4. Vgl. Dickmann, J-A.: Pompeji : Archäologie und Geschichte. München 2005. S.  80.
  5. Vgl. Cooley 2004. S. 160.
  6. Vgl. Dickmann 2005. S. 79.
  7. Vgl. Höcker, C.: Golf von Neapel und Kampanien – Dreitausend Jahre Kunst und Kultur im Herzen Süditaliens, Köln 1999. S. 188.
  8. Vgl. Catalano, V.: Case, abitanti e culti di Ercolani, Rom 2002. S. 117.
  9. Siehe Cooley 2005. S. 161.
  10. Vgl. Cooley 2005. S. 160-161.
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2 Responses to “Wein im antiken Kampanien – Wein in Pompeji?”

  1. www.forumtraiani.de/ Says:

    Hallo noch einmal Jonathan (sorry für Jacob, einen Artikel über Römerwein habe ich auch einmal geschrieben. Prima weiter so..

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  2. JBluemel Says:

    Hallo, vielen Dank für die Rückmeldung. Es freut mich, wenn Dir das Design und der Artikel gefällt (alles self-made). Dein Projekt werde ich mir auch noch mal genauer anschauen, das klingt wirklich interessant.

    Viele Grüße

    Jonathan

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