Posted by: JBluemel in Ashanti, Neuzeit Add comments

Anlehnend an die Ausführungen des Artikels Die Konflikte des Ashantireiches mit der Britischen Kolonialmacht im 19. Jahrhundert sollen im Folgenden in einer Quellenuntersuchung Briefdokumente untersucht werden und überprüft werden inweit die Beschreibungen Edgertons zu dem Verhältnis von des Ashantireiches mit den Briten im 19. Jahrhundert zutreffend sind. Mithilfe dieser Quellen sollen, aufbauend auf der Kenntnis des im vorherigen Artikels erläuterten historischen Kontextes, Schlüsse und Erkenntnisse aus den Konflikten der Ashanti und der Briten gewonnen werden, die helfen sollen, die Thesen Edgertons zu überprüfen und sie bei Bedarf sinnvoll zu verändern und zu ergänzen. Aus den Untersuchungen der Quellen ergeben sich thematische Schwerpunkte aus dem historischen Kontext des 19. Jahrhunderts, die repräsentativ die Konflikte der Briten und Ashanti sowie die Ursachen widerspiegeln sollen.

Robert B. Edgerton beschreibt mit den Attributen „misunderstanding“ und „incomprehension“ das Verhältnis der beiden Großmächte, des Ashantireiches und des britischen Imperiums und führt weiter aus: „ Much of this misunderstanding was the inevitable consequence of the British insistence on their racial and cultural supremacy, but the Asante too could be arrogant and self-righteous. The roots of the conflict lay in the differing cultural heritages and economic interests of the two peoples. Although the most fundamental cause of the conflict was economic, the Asante practices of human sacrifice and slavery also played a part, as did British ignorance about the significance of the Golden Stool. Not only did the two nations misunderstand one another, they consistently underestimated one another’s military strength.”1

Zu Beginn der Quellenuntersuchung ist anzumerken, dass die vorliegenden Quellen im Wesentlichen Briefdokumente darstellen, die aufgrund ihres Umfangs nur auszugsweise zitiert werden können.

Die kriegerischen Auseinandersetzungen der Briten mit den Ashanti ab 1824

 

Anhand des von Joseph Dupuis erwähnten Reports2 vom 31. Januar 1824 über die Geschehnisse des Krieges zwischen Ashanti und den Briten, lassen sich erste Gründe für die dauerhaften Konflikte zwischen den Briten und den Ashanti erkennen. Die Ausgangssituation war, dass Ashanti von 1809 bis 1824 gegen Rebellen Kriege führte. Die Briten, unter der Leitung von Sir Charles Maccarthy, stellten 1824 gegen die Ashanti eine Armee zusammen, obwohl bis dahin noch keine Armee der Ashanti einen Übergriff auf die Briten gewagt hatte.3 Die Briten hatten die Absicht, den Rebellen im Krieg gegen die Ashanti Hilfstruppen („speedy and effectual aid“) 4 zu senden. Eine zusätzliche Begründung für das Vorhaben der Briten liefert der Autor des Briefs, indem er davon spricht: „The Ashantee have long threatened us with an attack and on the 25th of last month intelligence was brought to Sir C. M’Carthy, that they were approaching the coast.“5 Hierbei muss überprüft werden, ob in den vorherigen Jahren die Ashanti den Briten in irgendeiner Form drohten und welche Gründe es dafür gegeben haben konnte. Ein großes Konfliktpotenzial war im Jahre 1807 das Verbot des Sklavenhandels durch die Briten, da der Sklavenhandel für Jahrhunderte die ökonomische Grundlage der Ashanti gewesen war. Das Verbot des Sklavenhandels schwächte neben dem Armeewesen zudem die Wirtschaft der Ashanti6, die nun ausschließlich auf den Handel von Elfenbein, Kolanüssen und Gold umstellen musste. Die Ashanti konnten ihre landeigenen Minen und Felder ohne Sklaven kaum bewirtschaften.7 Nach der Aussage von Osei Bonsu 1820 und den Ausführungen Wilks stellten die Sklaven für die Binnenwirtschaft des Ashantireichs eine höhere Bedeutung dar als für den Export.8 Zudem mussten die Vasallenstaaten Ashantis, nach Abschaffung des Sklavenhandels, Tributzahlungen in Form von Gold anstatt von Sklaven an Ashanti zahlen, „was in den goldarmen Gebieten zu großen Schwierigkeiten führte und einige Aufstände nach sich zog.“9 Für die Ashanti war jedoch kaum nachvollziehbar, dass die Briten den Sklavenhandel, an dem sie selbst bis 1807 profitierten, unter Verbot stellten.10 In Europa bildete sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts ein Konsens, welcher den Sklavenhandel aus moralischen und aus mangelndem wirtschaftlichem Profit ablehnte. Dies verursachte Unruhen und Konflikte zwischen den Briten und den Ashanti, wie es unter anderem der britische Gouverneur Bowdich in Kumasi erfuhr, der nur unter Anwendung von Waffen größeren Schaden verhindern konnte.11 Der Herrscher Ashantis Osei Bonsu merkte 1820 an: „I cannot make war to catch slaves in the bush, like a thief. My ancestors never did so. But if I fight a king, and kill him when he is insolent, then certainly I must have his gold, and his slaves, and the people are mine too. Do not the white kings act like this?”12 Aus der Quelle wird deutlich, dass der Führer der Ashanti den Anspruch hatte, Sklaven, Gold und Menschen des besiegten Feindes nehmen zu können. Er streitet es aber ab, Kriege nur deshalb zu führen, um Sklaven zu nehmen. Durch den Vergleich der Einheimischen mit den Europäern legitimiert Osei Bonsu das Auftreten der Ashanti als dominierende Großmacht und weist darauf hin, dass die nicht-afrikanischen Mächte dieselben Methoden verwenden: „white men came in great ships, and fought and killed many people, and then they took the gold and the slaves to the white country: and sometimes they fought together. That is all the same as these black countries.“13Außerdem spiegelt die Aussage Bonsus ein gewisses Ehrgefühl der Ashanti wieder und ein klares Abstreiten der Tradition des Sklavenhandels. Besonders letzteres muss kritisch hinterfragt werden und entspricht nicht den historischen Tatsachen, welche eindeutig Ashantis Beteiligung in der Sklavenjagd und im Sklavenhandel ab dem 16. Jahrhundert dokumentieren.14 Letztlich deutet die Aussage Bonsus von 1820 auf ein bis dahin angestautes Konfliktpotential hin, welches bis 1824 zwischen zwei sich gegenseitig ausschließenden Großmächten bestand und sich in der kriegerischen Auseinandersetzung entlud. In dem Gefecht von 1824 zeigte sich, dass die Briten die Ashanti unterschätzten: „but contrary to what is usual, their forces were by report diminished as to their real numbers; the consequence was that Sir Charles divided his forces in four divisions, and marched into the interior.“15 Auch Wilks spricht hier von einem Element der Fehlberechnung16 seitens Maccarthy, das dazu führte, dass die Briten durch Fehlinformation oder falsche Angaben die Anzahl und Stärke der Truppen der Ashanti unterschätzten und von den Ashanti deutlich besiegt wurden. Bereits Sir George Collier sprach 1819 über die militärische Stärke Ashantis: „The great progress among the Ashantee nation in military knowledge and their extraordinary restless disposition and fondness for war makes them a much more formidable enemy than when they attacked the British fort at Annamaboe some years back […].”17Die Ashanti waren in Gefechten meist zahlenmäßig überlegen, obwohl die Briten noch zusätzliche Truppen aus anderen Regionen rekrutieren konnten. Ashanti hatte mutige, disziplinierte und einfallsreiche Kämpfer, die im Gegensatz zu den Europäern relativ immun gegen Malaria waren und die vor allem einen Vorteil bei den Kämpfen direkt im Dschungel hatten. Dort war es für die Briten schwierig, ihre Feinde zu sehen, sich zu formieren und ihre Infanterie- Taktiken anzuwenden. Die Briten konnten hingegen auf offenem Feld, wie 1826 in der Schlacht von Dodowa, besser kämpfen. Dort konnten sie mit Kanonen über lange Distanzen den Gegner in Schach halten, während die Ashanti eher in kurzen Distanzen und nur sehr unpräzise schießen konnten. Zudem waren die Waffen Ashantis von schlechterer Qualität; die dänischen Gewehre der Ashanti brauchten ungefähr eine Minute um nachgeladen zu werden und hatten kein Bajonett, was sich als großer Nachteil erwies.18

Nach dem ersten Gefecht zwischen den Briten und den Ashanti im 19. Jahrhundert und der deutlichen Niederlage der Briten 1824, zeigten sich die Briten sichtlich beeindruckt von der Stärke Ashantis: „It will now be seen that the Ashantees are a people not to be utterly despised. […] if government do not instantly send out two or three thousand troops to put down this power, they must withdraw the British flag from the coast […].”19 Der Autor des Briefes unterstellt schlussendlich den Holländern, dass diese die Ashanti gegen die Briten aufgewiegelt hätten, nur um ihre eigene Stellung zu sichern und ihren Handel zu gewährleisten. Außerdem erinnert sich der Autor an die früheren Absprachen der Briten mit den Ashanti, in denen den Ashanti eine friedliche Gesinnung der Briten zugesichert worden war.20 Der von Dupuis erwähnte Report von 1824 beinhaltet das klare Eingeständnis der Briten, von den Ashanti 1824 besiegt worden zu sein. Desweiteren soll die Quelle die militärische Expedition der Briten gegen die Ashanti rechtfertigen,  indem als Grund eine angeblich vorangegangene Provokation Ashantis angeführt wird.

Missverständnisse und ihre Konsequenzen

Letztendlich weisen die Aussagen des Reports auf die von Edgerton erläuterte Behauptung hin, dass das Verhältnis der beiden Mächte Ashanti und Großbritannien im 19. Jahrhundert maßgeblich von der Annahme der Briten: „the Asante lived for war“21 beeinflusst wurde. Demzufolge zeigten die Briten nicht nur Respekt vor der militärischen Stärke Ashantis, sondern sie unterschätzten sie, aber begannen zu glauben, dass die Ashantis ein rein kriegerisches Volk waren, dass aus „mordlüsternen Bestien“22 bestand und insgesamt als ein „bloodthirsty empire“23 zu sehen war. Edgerton bezeichnet diesen Vorgang als ein Missverständnis von Gouverneur Bowdich und allen darauffolgenden britischen Befehlshabern, welches unmittelbare Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der beiden Großmächte im 19. Jahrhundert haben sollte. Viele überlieferte Beschreibungen der Briten über Ashanti stützen die These Edgertons, insofern als dass das Volk der Ashanti von den Briten als grundsätzlich militant angesehen wird: „The great progress among the Ashantee nation in military knowledge and their extraordinary restless disposition and fondness for war makes them a much more formidable enemy […].”24Ashanti scheint in der britischen Sichtweise auf ein militantes Volk reduziert worden zu sein, das von reiner Machtgier angetrieben, andere Völker unterwarf und ihre Menschen versklavte. Mögliche Auswirkungen dieses Missverständnisses zwischen den Briten und den Ashanti führten dazu, dass es zwischen Ashanti und den Briten im Laufe des 19. Jahrhunderts zu immer mehr Gefechten und gewaltsamen Auseinandersetzungen kam und immer weniger zu diplomatischen Verhandlungen.

An dieser Stelle ist es notwendig, zusätzlich zu den Darstellungen der Briten über die Ashanti andere Quellen zu betrachten, um die Überlegungen Edgertons weiter zu überprüfen und die Quellen dahingehend zu untersuchen, ob das Ashantireich neben dem Militärwesen andere ökonomische und politische Strukturen aufweist, die ihr Verhalten und ihre Absichten im 19. Jahrhundert, in den Konflikten mit den Briten, genauer erklären.

Bevor der im Folgenden erläuterte Brief 1891 vom britischen Gouverneur nach Kumasi geschickt wurde, wurde Ashanti nach der Niederlage 1874 gegen die Briten durch den Vertrag von Fomena gezwungen, seine Ansprüche an den Küstenhandel aufzugeben. Ashanti musste einige seiner Vasallenstaaten abgeben und ihr Sklavenhandel wurde für illegal erklärt. Zum Zeitpunkt des Briefes war das Ashantireich durch die Geschicke des Asanthenen Prempeh I wieder erstarkt, nachdem es durch eine lange Phase von Bürgerkriegen geschwächt und durch den Vertrag von Fomena politisch und militärisch handlungsunfähig gemacht wurde.25 1891 bat der britische Gouverneur den Asanthenen Prempeh, das Ashantireich in das britische Schutzprotektorat aufnehmen zu dürfen. Dies lehnte Prempeh ab: „[…] my kingdom of Ashanti will never commit itself to any such policy; Ashanti must remain independent as of old, at the same time to be friendly with all white men.“26und betonte, was das Ashantireich ausmachte: “Ashanti is an independent kingdom and is always friendly with the white men; for the sake of trade we are to bind to each other […]”27 Prempeh deutete auf zwei wesentliche Merkmale des Ashantireiches hin: die Unabhängigkeit Ashantis und der Handel und die damit verbundene Beziehung zu den Europäern. Dabei gestand Prempeh ein, dass es kämpferische Auseinandersetzungen zwischen den Ashanti und den Briten gegeben hatte, aber er sah diese als nicht als Hindernis für eine Handelsverbindung und friedliche Beziehung der beiden Mächte. Der Austausch von Gütern und die Beziehung zu den Europäern scheint bei Ashanti schon Tradition gehabt zu haben. So schreibt Fynn über Osei Tutu, einen der Gründer des Ashantireiches: „He must have been aware not only, that their rise and consolidation were made possible by the large-scale introduction of firearms, but also that both aimed at meeting the new economic demands resulting from European contact.“28 Hauck erläutert Auszüge aus Tutus Leben und beschreibt dabei Tutus frühe Kontakte und Handelsbeziehungen zu den Dänen.29 Auch Boahen sieht als einen Grund des Aufstieges Ashantis zu einem Großreich die Handelsbeziehungen zu den Europäern. Der ab dem 17. Jahrhundert wachsende atlantische Handel brachte die Großmächte aus dem Inland wie Akwamu, Akyem, Denkyria und Ashanti dazu, die kleineren Küstenstaaten, die den Handel mit den Europäern verweigerten, zu vertreiben und den Küstenhandel zu dominieren.30  Crowder sieht das Ashantireich als expandierendes Großreich im 19 Jahrhundert, das die Goldküste kontrollierte und den Küstenhandel fest in der Hand hatte.31

Aus den behandelten Begebenheiten und den historischen Überlieferungen ergeben sich politische Strukturen des Ashantireiches, die weniger das Militärwesen als vielmehr Strukturen wie Ashantis Handel und seine Kontakte zu Europäern betonen. Prempehs Worte von 1891 können auch als Rückbesinnung auf das, was den Ashanti eigentlich wichtig war, verstanden werden: Handel mit den Europäern und friedliche Kontakte zu ihnen. Er wählte den diplomatischen Weg, mit den Briten ab 1888 zu verhandeln, anstatt ihnen in einem weiteren Gefecht zu begegnen, was Boahen so einschätzt: „The unfortunate Prempeh thought that he could break with tradition and use the weapon of diplomacy instead of military confrontation in an age of bitter rivalry. But in view of the experiences of 1874 and the undoubted military superiority enjoyed by the British over Asante, Prempeh’s decision was most realistic, sensible and dignified.”32

Natürlich spielte das Kriegswesen Ashantis nicht nur im 19. Jahrhundert eine große Rolle sondern auch in der gesamten Geschichte Ashantis. Es diente Ashanti dazu, seine Dominanz an der Goldküste über andere konkurrierende Mächten zu etablieren: “It was the superior military techniques and the bravery of their army that enabled the Asante to crush all these rebellions and to preserve the empire intact.“33 Der Krieg hatte das Ashantireich groß und stark gemacht und viele der Asanthenen strebten danach, Ehre, Reichtum und Macht zu erlangen.34 Nur Frieden konnte jedoch das Bestehen des Ashantireichs sichern und den Handel gewährleisten, für den das Ashantireich mit seiner guten Infrastruktur und seinem ausgebauten Straßennetz ausgelegt war.35 Ernsthafte Schwierigkeiten, diesen Frieden zu erhalten, hatten die Ashanti ab dem Vertrag von Fomena 1874, der die Ashanti schwächte und in eine Zeit von Bürgerkriegen, unter anderem gegen rebellierende Staaten wie Dwaben, führte.36 Diese internen Auseinandersetzungen gefährdeten auch den Handel der Protektorate, wie der britische Gouverneur Griffith 1894 erkannte: „We should recognise the fact that it is only composed of a bundle of states, kept together by no common interest, but which, by their internal wars and intrigues, menace the interests and security of the trade of the protected territories.“37Zusammenfassend kann man sagen, dass das Ashantireich, neben den Bürgerkriegen, durch die zahlreichen kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Briten im 19. Jahrhundert aufgerieben wurde und durch die Niederlage von 1874 und den Vertrag von Fomena entscheidend geschwächt wurde. Die über Jahre andauernden Konflikte der beiden Großmächte, in denen es im Wesentlichen um wirtschaftliche Dominanz und Landbesitz ging, weisen darauf hin, dass in dieser Angelegenheit zwei Großmächte aufeinandertrafen, die den imperialistischen Anspruch stellten, ihr eigenes Gebiet auf Kosten anderer zu erweitern, um die eigene Wirtschaft, Machtposition und Dominanz zu stärken. Die Gründe für die Kriege 1873/4 und 1863/4 beschreibt Crowder als: „a dispute over sovereignity.“38 Schlussendlich besiegten die Briten das Ashantireich aufgrund ihrer militärischen Überlegenheit, technischen Ausrüstung und ihren kriegstaktischen Fähigkeiten endgültig. Prempeh hatte keine Möglichkeit mehr, mit den Briten zu verhandeln und wurde aus Kumasi und dem Ashantireich vertrieben.

Ignoranz als eine weitere Ursache der Konflikte

Ein letztes Beispiel der Konflikte zwischen den Briten und den Ashanti ist die Begebenheit, als es 1900 nach der Rede des britischen Gouverneurs Frederic Hodgson über den „Goldenen Stuhl“ zu vier Gefechten zwischen den Briten und den Ashanti kam. Der „Goldene Stuhl“ war das Machtsymbol des Asanthenen, des Herrschers der Ashanti und war die Seele und das wichtigste Symbol der Ashanti.39 Hodgson beleidigte die Ashantis aufs Tiefste, indem er danach verlangte auf dem „Goldenen Stuhl“ sitzen zu dürfen: „Why am I not sitting on the Golden Stool at this moment? I am the reprensentative of the paramount power; why have you relegated me to this chair? Why did you not take the opportunity of my coming to Kumasi to bring the Golden Stool, and give it to me to sit upon?”40 Diese Beleidigung vom britischen Gouverneur mündete in vier Kriege, die die Briten letztendlich für sich entschieden, um danach das Ashantireich zur Kronkolonie zu erklären.41 Mit der Kenntnis des historischen Kontextes und der Bedeutung des „Goldenen Stuhls“ für die Ashanti, dokumentiert die Quelle eindrücklich, dass nicht nur Missverständnisse zwischen den Briten und den Ashanti zu Problemen führten, sondern dass auch Ignoranz eine wesentliche Ursache für die Konflikte zwischen den beiden Großmächten war. Zweifellos kannten die Briten die immense Wichtigkeit des „Goldenen Stuhls“ für die Ashanti; sie wussten genau, wofür dieses Symbol stand, aber „entweihten“ es bewusst und zogen dafür den Zorn der Ashanti auf sich.

Fazit

Abschließend lässt sich feststellen, dass die Beschreibungen und Darstellungen Edgertons über die Konflikte und Auseinandersetzungen des Ashantireiches mit der britischen Kolonialmacht im 19. Jahrhundert weitestgehend zutreffend sind und noch durch genauere Kenntnis des historischen Kontextes weiter ausdifferenziert und untersucht werden können. Durch das Verbot des Sklavenhandels 1807 griffen die Briten erstmals in das wirtschaftliche Geschehen der Ashanti und somit in das Herzstück der Ashanti ein. Dies brachte grundlegende Veränderungen mit sich und zeigte den Ashanti, dass ab dem 19. Jahrhundert die europäischen Großmächte mehr und mehr den Handel, die Wirtschaft und das politische Geschehen in ganz Afrika bestimmen wollten. In dem Konflikt der Ashanti und der Briten trafen zwei Großmächte mit großer militärischer Stärke, einem unterschiedlichen kulturellen und religiösen Hintergrund und dem beiderseitigen imperialistischen Anspruch, seine Gebiete zu erweitern, aufeinander. Die von Edgerton genannten Attribute wie Missverständnis oder Unverständnis, die die Beziehung der beiden beschreiben, zeigen sich unter anderem darin, dass geringe Kenntnisse über die militärische Stärke des anderen vorlagen: beide Mächte unterschätzten die militärische Stärke des anderen. Es herrschte Ignoranz und Rücksichtslosigkeit der Briten z.B. in Bezug auf den Goldenen Stuhl, aber auch die Ashanti fühlten sich durch das Verbot des Sklavenhandels provoziert und konnten den moralischen und ethischen Wandel der Briten in Bezug auf die Sklaverei weder akzeptieren noch wirtschaftlich verkraften. Beide Großmächte verharrten auf ihren Positionen als Großmächte mit imperialistischen Motiven und hatten gegenläufige ökonomische Interessen, die sie nicht in Verhandlungen zur Sprache brachten, sondern auf kriegerischer Ebene zu bewältigen versuchten. Erschwerend kam hinzu, dass die Ashanti von den Briten als ein reines Kriegsvolk angesehen wurden, das nur Kriege führte um des Krieges willen. Man kann nach der Untersuchung der Quellen entgegenhalten, dass Ashanti kein reines Kriegsvolk war, aber es bei den Ashanti durchaus Zusammenhänge zwischen dem Kriegswesen, der imperialistischen Ideologie und dem Sklavenhandel gab.42 Die Ashanti schienen von jeher darauf bedacht zu sein, Handel mit den Europäern zu betreiben und in erster Linie friedliche Kontakte mit ihnen zu pflegen. Allerdings hatte das Ashantireich mehr und mehr das Problem der Uneinheit; die wachsende Anzahl an kriegerischen Auseinandersetzungen mit den Briten, machte Ashanti auch empfänglicher für Bürgerkriege und interne Machtkämpfe, die Ashanti zusätzlich schwächte. Von den zahlreichen Kriegen konnte sich das Ashantireich nicht mehr erholen und die Versuche des Asanthenen Prempeh diplomatisch mit den Briten eine Lösung für die Konflikte zu finden und in friedliche Handelsbeziehungen einzutreten, scheiterten.

Schlussendlich kann man sagen, dass die Beschreibungen Edgertons von der Beziehung der Briten und Ashanti, die von Missverständnis und Unverständnis geprägt war, durchaus zutreffend sind. Dramatische Konsequenzen, wie die Kriege des 19. Jahrhunderts und der Untergang des Ashantireiches ab 1900, waren die Folge davon.

 

Empfohlene Zitierweise: Blümel, Jonathan (2009): Die kriegerischen Auseinandersetzungen der Briten mit den Ashanti um 1824. In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

 


Bibliographie:

  1. Siehe Edgerton, Robert B.: The Fall of the Asante Empire – The Hundred-Year War For Africa’s Gold Coast, New York 1995. S. vi Preface.
  2. Vgl. Dupuis, Joseph: Journal of a residence in Ashantee, London 1824. S. 217-219.
  3. Vgl. Dupuis 1824. S. 217.
  4. Vgl. Dupuis 1824. S. 217.
  5. Vgl. Dupuis 1824. S. 217.
  6. Wilks, Ivor: Asante in the nineteenth century, London 1975. S. 679-681.
  7. Edgerton 1995. S. 25.
  8. Vgl. Wilks 1975. S. 176.
  9. Hauck, Gerhard: Gesellschaft und Staat in Afrika, Frankfurt a. M.  2001. S. 92.
  10. Vgl. Hauck 2001. S. 91ff.
  11. Vgl. Edgerton 1995. S. 25.
  12. Siehe Wilks 1975. S. 679.
  13. Siehe Wilks 1975. S. 679.
  14. Vgl. Hauck 2001. S. 84ff.
  15. Siehe Dupuis 1824. S. 218-219.
  16. Vgl. Wilks 1975. S. 174.
  17. Siehe Dupuis 1824. S. 25.
  18. Vgl. Edgerton 1995. S. 66-70.
  19. Siehe Dupuis 1824. S. 218.
  20. Siehe Dupuis 1824. S. 219.
  21. Siehe Edgerton 1995. S. 36.
  22. Siehe Hauck 2001. S. 91.
  23. Siehe Crowder, Michael: West Africa under colonial rule, London 1968 . S. 144.
  24. Siehe Dupuis 1824. S. 25.
  25. Vgl. Boahen: General History of West Africa, VII Africa under colonial domination 1880-1935, London 1985. S. 132.
  26. Siehe Wilks 1975. S. 121.
  27. Siehe Wilks 1975. S. 121.
  28. Siehe Fynn, John Kofi: Asante and its neighbours 1700-1807, London 1971. S. 30.
  29. Vgl. Hauck 2001. S. 90.
  30. Vgl. Boahen: Topics in West African History, London 1966 S. 71ff.
  31. Vgl. Crowder 1968. S. 144.
  32. Siehe Boahen 1966. S. 134.
  33. Siehe Webster, James B. / Boahen, A. Adu: The Revolutionary Years. West Africa since 1800. London 1984. S. 123.
  34. Vgl. Edgerton 1995. S. 36.
  35. Vgl. Edgerton 1995. S. 38.
  36. Vgl. Boahen: General History of West Africa, VII Africa under colonial domination 1880-1935, London 1985. S. 132.
  37. Siehe Wilks 1975. S. 121.
  38. Siehe Crowder 1968. S. 146.
  39. Vgl. Ward, William Ernest Frank: A history of the gold coast, London 1948. S. 304.
  40. SieheWard, William Ernest Frank: A history of the gold coast, London 1948. S. 304.
  41. Vgl. Crowder 1968. S. 149.
  42. Vgl. Wilks 1975. S. 679.
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