Posted by: JBluemel in Neuzeit, Sprachgeschichte Add comments

Englisch – eine globale Sprache; Englisch als Lingua Franca; Englisch – eine internationale Sprache. Diese Begriffe begegnen uns überall: in den Medien, in der Politik, in der Gesellschaft. In welchem Land man auch immer zu Gast ist – wenn man der englischen Sprache einigermaßen mächtig ist, kann man sich mehr oder weniger gut dort verständigen.

Was ist eine `Globale Sprache`?

Das Wort `global` hat seinen Ursprung im lateinischen und bedeutet „auf die ganze Erde bezüglich1 Was aber versteht man unter einer globalen Sprache? Ist diese Bedeutung von `global` in diesem Kontext überhaupt zutreffend?

Es wäre ein Fehler zu behaupten, dass eine Sprache lediglich deshalb als globale Sprache bezeichnet wird, weil eine große Anzahl von Völkern diese als Muttersprache spricht. Dies ist nur einer der notwendigen Aspekte, die die globale Bedeutung einer Sprache ausmachen. Das wird am Beispiel der spanischen Sprache deutlich, die zwar in vielen Ländern als Muttersprache gesprochen wird (u.a. in vielen südamerikanischen Ländern), der jedoch niemand eine globale Bedeutung zuspricht. Im Gegensatz dazu ist bei der englischen Sprache, die als globale Sprache bekannt ist, die Anzahl der Menschen, die Englisch als Fremdsprache lernen, um einiges höher als die der Muttersprachler2. Die Anzahl der Muttersprachler kann also nicht der ausschlaggebende Faktor sein. Eine Sprache wird nur dann eine globale Sprache, wenn sie eine spezifische Rolle entwickelt, die in jedem Land erkannt und bekannt ist3. Welche spezifische Rolle ist dies aber?

Drei klare Aspekte kristallisieren sich heraus, die notwendig sind, damit eine Sprache eine globale Sprache sein kann:

Erstens wird sie normalerweise in mehreren Ländern als Muttersprache gesprochen.

Zweitens wird sie in verschiedenen Ländern oder zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen, die unterschiedliche Sprachen sprechen, als offizielle Sprache oder als Mittelssprache benutzt.

Drittens sollte ihr eine Priorität in vielen Ländern beim Erlernen von Fremdsprachen zukommen. Englisch ist tatsächlich die am weitesten verbreitete, als erstes erlernte Fremdsprache der Welt4.

Jedoch ist einschränkend zu Crystal zu sagen, dass nicht nur die häufige Erlernung einer Sprache als erste Fremdsprache deren Bedeutung aufzeigt. Dies ist ein wenig missverständlich formuliert. Ein persönliches Erlebnis zeigte mir einen ganz anderen Bedeutungshorizont der Fremdsprachenerlernung auf: Ich habe längere Zeit in Thailand verbracht. Es war sehr beeindruckend, dass dort in den Dorfschulen – weitab jeglicher internationaler Einflüsse und jeglichen Tourismus – Englisch nach Chinesisch als zweite Fremdsprache gelehrt wurde. Hier sagt Englisch als zweite Fremdsprache meiner Meinung nach viel mehr über die globale Bedeutung aus als in Ländern, die sehr viel internationaler sind, in denen Englisch als erste Fremdsprache gelehrt wird, wie z. B. Deutschland.

Wie aber kann eine Sprache sich zu einer globalen Sprache entwickeln? Woran liegt es, dass gerade diese Sprache zu einer globalen/ internationalen Sprache wurde?

Es wurden schon diverse Thesen aufgestellt: beispielsweise, dass eine Sprache zu einer globalen Sprache werde auf Grund ihrer einfachen Struktur, weil sie einfach zu lernen sei oder eben auch durch die große Anzahl der Muttersprachler in der Welt.

Latein, die bedeutendste internationale Sprache des Mittelalters in Europa, belehrt uns da eines besseren: Latein ist schwierig zu erlernen, hat eine komplizierte Struktur und keine besonders große Anzahl von Muttersprachlern. Auch Griechisch und Arabisch konnten sich zeitweilig zu den globalen Sprachen zählen. Auf sie trifft jedoch etwas ganz anderes zu: „A language becomes an international language for one chief reason: the political power of its people – especially their military power“5. Nach Crystal ist die politische und militärische Macht der ausschlaggebende Faktor, wieso sich eine Sprache gegenüber anderen in der Welt durchsetzt. Am Beispiel des Englischen wird diese These später noch genau erläutert und verdeutlicht.

Wozu brauchen wir eine `Globale Sprache`?6

Mit dem Ausdruck `Globale Sprache` assoziiert man sehr schnell `Globalisierung`. Früher, bevor die Globalisierung so weit fortgeschritten war, sprach man nicht von `Globaler Sprache`. Es gab Sprachen von großer internationaler Bedeutung, wie z.B. Griechisch, eine wissenschaftliche Sprache, oder Latein, die Sprache der Religion im Mittelalter. Es wurden auch damals schon Mittelssprachen zwischen verschiedenen ethnischen Gruppen eines Landes gebraucht, aus denen dann meist eine Pidgin Sprache wurde.

Auch heute gibt es diese Mittelssprachen in einem Land auch noch und sind meist als die offizielle Landessprache bekannt. Jedoch ist im Zuge der sich ausweitenden Globalisierung eine Sprache zur internationalen Verständigung mehr als notwendig geworden und Englisch hat sich schließlich dazu entwickelt. Heutzutage gibt es immer mehr internationale Organisationen und weltweite Zusammenarbeit, wie z.B. UNESCO, UNO, World Bank, etc, wo mit einer `gemeinsamen` Sprache eine Verständigungsbasis geschaffen werden musste7.

Ein anderes Beispiel wäre der steigende Tourismus. Ohne eine internationale Sprache wäre die Kommunikation nahezu unmöglich, da in den Urlaubsländern so viele verschiedene Nationen und Kulturen aufeinander treffen.  Die Tourismusbranche wäre ein sehr schwieriges Pflaster voller Missverständnisse ohne eine internationale Sprache.

Natürlich birgt die Entwicklung einer globalen Sprache auch Gefahren: Die Muttersprachler dieser Sprache haben klare Vorteile im Ausdruck, andere Sprachen werden weniger gelernt oder verschwinden mit der Zeit ganz. Sogar der Ausdruck „killer language“8 taucht auf. Am Beispiel Deutschlands ist dies gut erkennbar: Englisch ist eine Pflichtsprache in der Schule und wird von den meisten Schülern bis zu ihrem Schulabschluss gelernt. Andere Sprachen wie Französisch, Spanisch oder Latein sind meist von sekundärer Bedeutung.

Englisch als `Globale Sprache`

Englisch als internationale Sprache, Globales Englisch, Neues Englisch, neue Varianten des Englischen – dies sind viele Ausdrücke, die erst in den letzten Jahren aufgekommen sind9: Blackwell].

Die Englische Sprache ist heutzutage die am weitesten verbreitete Sprache der Welt und wird von vielen Menschen unterschiedlicher Kultur und Herkunft gesprochen. Es gibt viele verschiedene Varianten und Dialekte des Englischen, sowie Pidgin und Kreolsprachen. Jedes `Englisch` hat seinen eigenen Namen, wie z.B. British English, American English, Singapore English, Indian English, etc.10. Obwohl sich alle Dialekte und Varianten `Englisch` nennen, sind sie sehr unterschiedlich und hängen meist mit ihrer Kultur zusammen. Ein Beispiel:

„…the unique character of Australian English, consistent with        the unique aspects of Australian culture, illustrates the closeness of the links       that exist between the language spoken by a community and its distinctive way   of living and thinking (i.e. its culture). At the same time, the fact, that           Australian English shares a great deal with British English –  more so than it       does for example with Singapore English – reflects the common cultural             heritage of Britain and Australia”.11

Der Charakter der jeweiligen Variante des Englischen weist also nicht nur auf die Kultur der Völkergemeinschaft oder des Landes hin sondern auch auf ihre Geschichte und ihren Zusammenhang mit anderen Ländern.

Die englischsprachige Welt kann man grob in drei Gruppen unterteilen: Den inneren Kreis, den äußeren Kreis und den expandierenden/ ausgeweiteten Kreis. Der innere Kreis umfasst die Länder, in denen Englisch als Muttersprache bzw. Erstsprache gesprochen wird. Der äußere Kreis beschreibt die Länder, in denen Englisch als offizielle Sprache verwendet wird und/oder als Hilfssprache zwischen verschiedensprachigen ethnischen Gruppen benutzt wird. Häufig haben diese Länder einen kolonialen Hintergrund. Der expandierende Kreis beinhaltet die Länder, in denen Englisch unterrichtet und als wichtig anerkannt wird, die jedoch keinen kolonialen Hintergrund haben oder Englisch als offizielle Sprache benutzen.

Warum ist gerade Englisch eine globale Sprache geworden?

Viele nehmen an, es läge an der scheinbar simplen Grammatik, dem einfachen Wortschatz o.ä. Jedoch erweisen sich  beide Annahmen als falsch. Zum einen ist weder der Wortschatz noch die Grammatik des Englischen einfach zu erlernen. Die Grammatik ist nicht so simpel, wie sie scheint, denn es gibt sehr viele Ausnahmen und Unregelmäßigkeiten. Das Vokabular ist sehr breit gefächert und variiert dazu noch je nach Aussprache und Dialekt12. Zum anderen hatte dieser Faktor noch nie etwas damit zu tun, wie eine Sprache eine globale Bedeutung entwickelt.

Zwei primäre Faktoren führten dazu, dass Englisch eine globale Bedeutung gewann13:

Der erste, auch „geographisch-historischer Hintergrund“ genannt, beschreibt die Bewegung des Englischen über viele Jahrhunderte um die ganze Welt, wozu die Besiedlung Amerikas, Kanadas, Australiens, Neuseelands durch die Briten, der Sklavenhandel und die Zeit Großbritanniens als Kolonialmacht gehört. Durch diese geographische Expansion der Englischen ausgehend von Großbritannien und später auch der Einflüsse der dann schon englischsprachigen Länder verbreitete sich die englische Sprache in der ganzen Welt.

Der zweite Faktor, auch „sozio-kultureller Hintergrund“ genannt, beschreibt die politische und wirtschaftliche Macht Großbritanniens und später auch Nordamerikas. Großbritannien wurde als die Weltmacht des Handels und der Industrie zu Beginn des 19. Jahrhunderts bezeichnet. Kurz darauf entwickelten sich die USA zu einer ähnlichen Großmacht, durch Öl, Manufaktur, Zeitung, etc.

“If the metaphor `money talks` has any meaning at all, those were the days when it was shouting loudly – and the language in which it was shouting was chiefly English”14.

Englisch wurde als Sprache dadurch immer mehr in der Wirtschaft und der Politik populär. Viele Organisationen benutzten Englisch als offizielle Sprache und auch in der Presse wurde vieles auf Englisch geschrieben.

Die Entwicklung des Englischen als globale Sprache begann also vor mehreren Jahrhunderten und entwickelt sich selbst heute noch immer weiter, was die Wichtigkeit, sie zu lehren und zu lernen natürlich verstärkt. Nicht nur Englisch als Sprache sollte gelehrt und gelernt werden, sondern auch ihre globale und internationale Bedeutung ist von großer Wichtigkeit.

Englisch wird auch häufig als „Lingua franca“ bezeichnet. Dieser Ausdruck kommt aus dem lateinischen und ist die „Bezeichnung für eine Sprache, die dann verwendet wird, wenn die Kommunikationspartner unterschiedliche S1 [=Muttersprachen/Erstsprachen] haben. […] Englisch ist heute die am weitesten verbreitete Lingua franca“15. Es ist also wichtig, sich der vielen Variationen der Muttersprachler bewusst zu sein, die Bedeutung des Englischen als eine Mittelssprache innerhalb eines Landes zu kennen und die Funktion des Englischen als Lingua franca für sich zu erkennen und zu nutzen.

Der englischen Sprache steht in der Welt eine große Bedeutung zu. Sie ist eine globale Sprache, das heißt, sie wird nicht nur von einer Vielzahl als Erstsprache gesprochen, sondern von einer noch größeren Anzahl als offizielle Sprache innerhalb ihres Landes genutzt. Noch mehr Menschen jedoch erlernen diese Sprache und benutzen sie als Lingua franca.

Eine Sprache muss als das gelehrt werden, was sie ist. Demnach muss das Englische als Lingua franca, als globale Sprache, als internationale Sprache gelehrt werden. Kulturelles Bewusstsein muss geschaffen und politische Bedeutung aufgezeigt werden.

Es geht jedoch nicht darum, dass die Lerner jede Variation des Englischen beherrschen müssen sondern es wird empfohlen, dem Lehrmodell des Standard Englisch zu folgen. Die Lerner sollen aber die Englische Sprache in ihrem Kontext kennen lernen, ihre verschiedenen kulturellen Hintergründe und die verschiedenen Möglichkeiten der Pragmatik.

 

Empfohlene Zitierweise: Blümel, Katharina (2009): Englisch – eine globale Sprache. In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

 


Bibliographie:

  1. Wiss. Rat der Dudenredaktion (24. Ausgabe, 2006): Duden- die deutsche Rechtschreibung (das umfassende Standardwerk) auf der Grundlage der neuen amtlichen Rechtschreibregeln. Mannheim (u.a.): Dudenverlag.
  2. Pauels, Wolfgang (2006): Whose English is it anyway? Englisch als lingua franca unterrichten. DfU Englisch 83, Sept. 2006, 2-5.
  3. Crystal, David (Reprint, 2000): English as a Global Language. Cambridge Univ. Press. S. 2.
  4. Vgl. Crystal 2000. S. 3.
  5. Siehe Crystal 2000. S. 7.
  6. Vgl. Crystal 2000. S. 9.
  7. Vgl. Crystal 2000. S. 9.
  8. Siehe Decke- Cornill, Helene (2002): We would have to invent the language we are supposed to teach: The issue of English as lingua franca in language teaching in Germany. In: Language, Culture and Curriculum vol. 15: 3 (2002). S. 1.
  9. Vgl. Bolton, Kingsley (2006): World Englishes Today. In: Kachru, Braj B. (Hrsg.)(2006): The handbook of World Englishes. Malden Mass [u.a.
  10. Vgl. Wierzbicka, Anna (2006): English: Meaning and Culture. NY: Oxford Univ. Press. S. 3-6.
  11. Siehe Wierzbicka 2006. S. 6.
  12. Vgl. Crystal, David (2002): The English Language. London (u.a.): Penguin Books. S. 21-24.
  13. Vgl. Crystal 2000.
  14. Siehe Crystal 2000. S. 71-72.
  15. Siehe Glück, Helmut (Hrsg.)(2005): Metzler Lexikon Sprache. Stuttgart, Weimar: Verlag J.B. Metzler. S. 283.
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