Posted by: JBluemel in Azteken, Azteken, Mittelalter, Neuzeit Add comments

Dort, wo sich heutzutage die große Stadt Mexico City (zu Deutsch: Mexiko-Stadt) befindet, existierte schon vor vielen Jahrhunderten eine imposante Weltmetropole: Tenochtitlán, die Hauptstadt der indianischen Hochkultur der sogenannten Azteken. Dieser Artikel soll einen übersichtlichen und kompakten Einblick in den Mythos der sagenumwobenen Stadt dieser damaligen Hochkultur in Mittelamerika geben und darüber hinaus einen Anreiz für den Leser bieten, sich eingehender mit der Geschichte der Stadt sowie mit ihren damaligen Bewohnern – den Méxica – auseinanderzusetzen.

Für die indianische Hochkultur wird in der heutigen Zeit fälschlicherweise der Begriff „Azteken“ verwendet und sie ist in der Regel nur unter diesem Namen bekannt. Allerdings wurde dieser Begriff erst später entwickelt und im Nachhinein auf die Hochkultur angewendet. Der Name Azteken entstammt laut einer Sage der Begebenheit, dass einst Menschen aus der südlich von Tenochtitlán gelegenen Stadt Atzlàn (Axatlan) genannt „der Ort des Reihers“1 in das Tal Mexikos kamen und sich dort niederließen. Allerdings geht man nach dem heutigen Forschungsstand davon aus, dass keine ethnische Gruppe im 16. Jahrhundert sich selbst Azteken nannte.2 Vielmehr nannten sich die damaligen Bewohner des heutigen Mexikos schlicht und einfach: Méxica.3 Dieser ursprüngliche Name – und nicht Azteken oder weitere Namen wie Tenocha, Culhua Mexica4 oder Mexika-Chichimeken5 – soll für das Volk, das in seiner Blütezeit das gesamte heutige Mexiko beherrschte, in den weiteren Ausführungen dieses Artikels verwendet werden.

Der Gründungsmythos

Die Hochkultur der Méxica bestand, nach heutigem Forschungsstand, vom 14. bis ins 16. Jahrhundert und wurde durch die Eroberung der spanischen Konquistadoren unter Hernán Cortés ab 1521 dem Untergang geweiht. Bei weiteren Recherchen über die Méxica stößt man auf einige recht interessante Sagen zu dem Gründungsmythos der Méxica und zur Gründung ihrer Hauptstadt. Laut einer Sage kamen die Méxica im 13. Jahrhundert in das Tal Mexikos, sprachen seit jeher die Sprache Nahuatl und verbündeten sich mit den Städten Texcoco und Tlacopan. Nach einer anderen Sage haben die Méxica einen Feind erschlagen, „sein Herz herausgerissen und in den Texcoco-See geschleudert“6, wo dann eine Insel entstanden sein soll. Es ist sicherlich hilfreich zu wissen, wann Tenochtitlán und das Reich der Méxica ungefähr gegründet wurde; aber wie es gegründet wurde und unter welchen Umständen, lässt sich aus heutiger Sicht nur schwer erforschen und nachvollziehen. Bis heute erhaltene mystische Sagen weisen auf die damaligen Bemühungen der Menschen im Tal Mexikos hin, die zu einem späteren Zeitpunkt sicherlich versuchten,die Gründungsgeschichte der Méxica zu rekonstruieren, zu erklären und damit ihren Kindern und Nachfahren begreiflich zu machen. Bei der ungefähren Datierung der Gründungsgeschichte von Tenochtitlán und dem Reich der Méxica ist es hilfreich, die mystischen Sagen von den herkömmlichen Überlieferungen zu trennen.

Wovon man heutzutage ausgehen kann, ist, dass im Jahre 1325 Tenochtitlán als „Ort der Kaktusfrucht“ auf dem Texcocosee, genauer gesagt, am Westufer des Texcocosees als erste Besiedlung der Méxica gegründet wurde.7 Die Stadt wurde an einer vortrefflichen Stelle angelegt. Die nächste Wasserquelle war bei den Berghängen und nahe der Stadt Coyoacán in acht Kilometern Entfernung gelegen. Dies bescherte den Méxica stets viel Regen und auf ihren chinampas reiche Ernten.8 Allerdings schwankte die Wassermenge, die aus der Wasserquelle entsprang, stark, sodass das Risiko einer Überschwemmung die ansonsten vorzügliche Lage erheblich bedrohte.

 

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Empfohlene Zitierweise:Blümel, Jonathan (2009): Tenochtitlán – die Hauptstadt der Azteken (I). In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

 


Bibliographie:

  1. Siehe  Rademacher, Cay: Maya – Inka – Azteken. Die altamerikanischen Reiche: 2600 v. Chr. bis 1600 n. Chr. (Geo : Epoche). Hamburg 2004. S. 98.
  2. Carrasco Pizana, Pedro: The Tenochca Empire of ancient Mexico. The triple alliance of Tenochtitlan, Tetzcoco, and Tlacopan. Norman 1999. S. 4.
  3. Hunt, Norman Bancroft: Atlas der indianischen Hochkulturen: Olmeken, Tolteken, Maya, Azteken. Wien 2002. S. 144.
  4. Clendinnen, Inga: Aztecs – an interpretation. Cambridge 1991. S. 8.
  5. Vgl. Bancroft. S. 142.
  6. Siehe Rademacher. S. 98.
  7. Vgl. Bancroft. S. 142. und Prem, Hanns J.: Die Azteken. Geschichte – Kultur – Religion. München 2006. S. 76.
  8. Vgl. Clendinnen. S. 31.
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