Posted by: JBluemel in Azteken, Azteken, Mittelalter, Neuzeit Add comments

Chinampas – der Wirtschaftsmotor der Méxica

„Es gab auch Haine und sorgsam gepflegte Blumengärten sowie Teiche als Lebensraum für Vögel und zahme Tiere. Diese Wohnsiedlungen wurden wiederum von Chinampas – schwimmenden Gärten und Anbauflächen umgeben.“ 1 Neben den Wohnsiedlungen, wo die eigentliche Stadt begann, waren die chinampas vorzufinden. Chinampas waren künstlich auf dem See angelegte Felder, die laut Clendinnen „miracles of productivity“ waren.2 Es waren Flöße aus Rohrschilf, die im gesamten Uferbereich des Sees und auch in anderen Zonen verwendet wurden. Durch diese Technik der schwimmenden Anbauflächen konnten die Bauern Tenochtitláns ihre Felder gut trockenlegen und ausreichend bewässern, was sich als idealer und vorzüglicher Ort für den Pflanzenanbau herausstellen sollte. Die Wirtschaft der Méxica bestand aus drei wesentlichen Elementen: Den chinampas (Felder im See), der Handel durch die pochteca und dem Steuerwesen.3 Mitten durch die chinampas führte der auf Anweisung des Königs Ahuitzotl erbaute Wasserkanal, der in einen Aquädukt parallel zum südlichen Damm mündete.

Doch nicht nur die Chinampas prägten das Stadtbild sondern auch so viele Kanäle, dass die spanischen Eroberer von einem „zweiten Venedig“ sprachen. Diese Kanäle waren die Haupttransportwege der Stadt. Die Errichtung eines ausgeklügelten Kanalnetzes verschaffte den Méxica einen Zugang zum Wasser und ließ den Handel zum bedeutendsten und überlebenswichtigen Wirtschaftszweig der Stadt werden. Doch auch die Angst vor einer drohenden Überschwemmung und Überflutung der Kanäle war in Tenochtitlán ständig vorhanden.

Von der Insel, auf der Tenochtitlán und Tlatelolco gelegen war, hatte man über fünf große Dämme einen guten Zugang zum Festland. Diese Dämme waren gerade Wälle, über die breite, gepflasterte Straßen in die Stadt führen. Sie waren die Handelswege der Einwohner Tenochtitláns, die sie in viele entlegene Provinzen und zu den entfernten Handelspartnern führten. Diese Verbindung zum Festland hatte entscheidende Auswirkungen auf den alltäglichen Handel in Tenochtitlán, der sich auf verschiedenen Ebenen abspielte: Die täglich abgehaltenen Märkte boten nicht nur dem Produzenten die Möglichkeit, seine Ware zu verkaufen, sondern auch regional arbeitenden Händlern. Der überregionale Warenverkehr lag in den Händen der Fernhändler, die durch ihre Expeditionen einen Warenaustausch weit über die Grenzen des Herrschaftsgebietes der Méxica ermöglichten.

Die Überflutung und das unerwartete Ende Tenochtitláns

Zu einem späteren Zeitpunkt wurde die Metropole tatsächlich von einer befürchteten Überschwemmung heimgesucht und die Felder, Straßen und Plätze von Tenochtitlán wurden überflutet. Der König Ahuítzotl opferte den Göttern zunächst Duftöl, Papier, Wachteln, Federn, Edelsteine, Götterstatuen und blau und grün geschminkte Kinder um die Göttin des fließenden Wassers zu besänftigen. Dann ließ der König alle Dämme abreißen, sodass das Quellwasser seinen gewöhnlichen Verlauf annehmen konnte. Als die Metropole wieder trockengelegt war, wurden beschädigte Gebäude abgerissen und neu aufgebaut. Tenochtitlán wurde 1499 nach seinem Wiederaufbau wieder bevölkert und bewohnbar gemacht.

Wenige Jahre später regierte der achte Herrscher – Moctezuma II. Xocoyotzin das Reich der Mexicá und Tenochtitlán. Er war ab 1508 in einer Doppelfunktion gleichzeitig Herrscher des gesamten Reiches und Hohepriester. Während seiner Amtszeit hatte er eine Vision wie das Reich der Méxica entweder erneuert oder zerstört werden würde. Ab 15194 erhielt er Kunde von weißen Männern, die zu einem unerwarteten Besuch nach Tenochtitlán kamen.

„Als wir alle diese im Wasser erbauten Städte und Dörfer sahen und andere großartige Städte im Trockenem und diese breite und gerade Straße nach Mexiko, waren wir erstaunt […] Diese großartigen Orte, die steinernen Pyramiden und Bauwerke, die sich aus dem Wasser erhoben, schienen wie eine bezaubernde Vision […] Tatsächlich fragten einige unserer Soldaten, ob dies alles ein Traum sei.“5 (Bericht vom spanischen Soldaten Bernal Diaz von 1519)

Der Herrscher Tenochtitláns machte seinen Gästen zunächst Geschenke, obwohl er bemerkte, wie aus den spanischen Gästen unter der Führung von Hernán Cortés mehr und mehr Eroberer und daher auch ernsthafte Feinde wurden. Moctezuma II. wehrte sich gegen die Eroberung der Spanier ab 1521 nicht.6 Der Herrscher der  Metropole schien auf einmal verwirrt und ließ sich von Cortés austricksen, der dann die Herrschaft übernahm.7 Dies hatte weitreichende Folgen: Der „Templo Mayor“ wurde abgerissen und Tempel und Paläste wurden in Wohnhäuser umfunktioniert.8 Die Méxica schienen den Spaniern unterlegen zu sein, bis es 1520 zu einer Revolte und Kriegen gegen die Spanier in Tenochtitlán unter Leitung von Cuauhtemoc kam. Die Spanier besiegten jedoch die Méxica aufgrund ihrer besseren Waffentechniken. Eine imposante Stadt mit einer faszinierenden Bevölkerung glitt somit in ihr tragisches Ende.

„Mit dem Fall Tenochtitláns ging das gesamte Aztekenreich an die Spanier. Der Geist der Azteken blieb jedoch ungebrochen.[…] Sie erinnerten sich an die alten Geschichten der Mexika und an das mächtige Reich, das sie aus dem Sumpfland geschaffen hatten. Die Zerstörung Tenochtitláns war tragisch, beendete jedoch nicht den Glauben der Azteken.“9

 

Empfohlene Zitierweise:Blümel, Jonathan (2009): Tenochtitlán – die Hauptstadt der Azteken (III). In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

 

Bibliographie:

  1. Vgl.  Hunt, Norman Bancroft: Atlas der indianischen Hochkulturen: Olmeken, Tolteken, Maya, Azteken. Wien 2002. S. 150 , Carrasco Pizana, Pedro: The Tenochca Empire of ancient Mexico. The triple alliance of Tenochtitlan, Tetzcoco, and Tlacopan. Norman 1999. S. 93.
  2. Clendinnen, Inga: Aztecs – an interpretation. Cambridge 1991. S. 18.
  3. Vgl. Bancroft 2002. S. 164.
  4. Rademacher, Cay: Maya – Inka – Azteken. Die altamerikanischen Reiche: 2600 v. Chr. bis 1600 n. Chr. (Geo : Epoche). Hamburg 2004. S. 111.
  5. Siehe Bancroft 2002. S. 150.
  6. Vgl. Bancroft 2002. S. 184-185.
  7. Vgl. Bancroft 2002. S. 187.
  8. Vgl. Bancroft 2002. S. 151.
  9. Siehe Bancroft 2002. S. 189.
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