Posted by: JBluemel in Antike, Christentum Add comments

Ob nun durch gesellschaftlichen Druck erzeugt oder durch politisch Maßnahmen  angeordnet – die Christenverfolgungen im Römischen Reich fanden in vielen schriftlichen Überlieferung Erwähnung. Drei ausgewählte Texte sollen im Folgenden vorgestellt und erläutert werden. Zunächst ein kurzer inhaltlicher Überblick:

In seinem Brief ep. 10,96-97 (Übers. H. Kasten) bittet Plinius C. Secundus C. (d. J.), den Kaiser Trajan um Ratschläge in Bezug auf  die Verurteilung von Christen im Römischen Reich: Christen, die ihrem Glauben vor dem Gericht absagen, sollen begnadigt werden. Der Kaiser Trajan bestätigt seine Verfahrensweise und befürwortet das Vorgehen des Plinius.

In dem Text ann. 15,44, 2-5 (Übers. E. Heller), verfasst von C. Tacitus, geht es um einen in Rom ausgebrochenen Brand, für den Kaiser Nero den Christen die Schuld gibt. Das ist der Grund, dass Nero Christen verhaften und töten lässt.

G. T. Suetonius beschreibt in dem Auszug aus der Kaiservite Nero 16,2 (Übers. H. Martinet) gesetzliche Erlasse des Kaisers Nero, die nicht nur das römische Kulturangebot begrenzen, sondern auch Christen der Verfolgung und der Hinrichtung aussetzen.

Chronologisch gesehen stammt die früheste der drei Quellen Plin.ep. 10,96-97 aus dem Jahre 113. n. Chr. und umfasst einen Brief (lat. Epistula) von Plinius Caecilius Secundus C. (der Jüngere), damals Statthalter von Bythinien, an den Kaiser Trajan. Plinius (61-113 n. Chr.) war in seiner beruflichen Laufbahn nicht nur Historiker und Enzyklopädist sondern auch römischer Ritter, Reiteroffizier, Verwaltungsbeamter und Rhetor.1 In seinen so genannten „Christenbriefen“2, den epistulae, erwähnt Plinius Berichte über die damaligen Gerichtsprozesse gegen Christen. Es spiegelt sich in der Quelle Unsicherheit des Plinius im Umgang mit Christen wieder sowie viel Unverständnis ihrem Glauben gegenüber. Er bewertet ihren Glauben als „Wahn“3 . Damit wird dem Leser ein typischer Einblick geliefert, wie im Römischen Reich zur Zeit des Trajan kulturelle/religiöse römische Traditionen und die Wertevorstellungen der römischen Nobilität auf die religiöse Glaubensbewegung der Christen stießen und wie dieser Zusammenstoß viele Konflikte mit sich brachte. Die Römer waren sicherlich darauf bedacht ihre römische Kultur mit allen Teilbereichen wie den römischen Götterkulten, ihrem Menschenbild usw. zu erhalten und diese wenn möglich auch gegen neu aufkommende Lehren wie die der Christen zu verteidigen.
Plinius stand im schriftlichen Briefkontakt mit dem röm. Politiker Publius Cornelius Tacitus (55-120 n. Chr.). Tacitus fungierte als Senator, Praetor, Konsul und Prokonsul. Er verfasste das Werk „Agricola“ sowie die historiographischen Werke „Historiae“ und „Annales“ (entstanden 110-120 n. Chr.). Die letzten beiden Werke beschreiben die Zeit vom Regierungsantritt des Tiberius 14 n. Chr. bis zum Tod Neros im Jahre 68 n. Chr.  Bezeichnend an Tacitus Darstellungen von römischen Führungspersönlichkeiten wie Tiberius ist, dass er „Personen und Handlungen hohen moralischen Maßstäben“4 unterwirft. Er untersucht deren Charakter mithilfe der Motivation ihrer Entscheidungen und ihrer Handlungen. Handelte ein Herrscher aus Furcht, Herrschsucht, Grausamkeit etc., sagt dies nach Tacitus vieles über die moralische Qualität der jeweiligen Person aus. Tacitus bewertet in der ann. 15,44,2-5 das Handeln Neros recht düster mit Grausamkeit, Gräuel und Hass 5. Nero wird vorgeworfen selbst den Brand in Rom geplant zu haben, daher habe er die Christen, so Tacitus, der Brandstiftung beschuldigt und sie verfolgen lassen. „Für Tac. bestehen die historischen Ursachen in moralischen Zuständen“6 – das heißt, dass sich die Christenverfolgung unter Nero nach Tacitus auf Neros schlechten Charakter und auf seine hasserfüllte Einstellung gegenüber dem Menschen zurückführen lässt, nicht aber auf den Konflikt zwischen röm. Kultur und christlicher Glaubensbewegung wie bei Plinius.
Ein guter Freund des Plinius war Gaius T. Suetonius (70-140 n. Chr.), der Redner und Anwalt unter Kaiser Trajan und Kanzleichef unter Kaiser Hadrian war, der hohen politischen Einfluss und Zugang zu allen Schriften des römischen Reiches besaß. Sueton benutzte für seine Schriften im Wesentlichen dieselben Quellen wie Tacitus. Er schrieb die „Kaiserviten von Caesar – Domitian“ sowie weitere Werke, Biographien und Enzyklopädien über Zoologie, Botanik und Kosmologie7. Er bemühte sich in seinen Schriften wie auch in der Vite „Nero“, geschrieben um 120 n. Chr., um Exaktheit von Formulierungen. Sueton listete in seiner Vite „Nero“ die Gesetzgebung des Kaiser Neros auf, in der Nero nach alten römischen Gesetzen streng bestrafend und unterdrückend8 agierte, aber auch neue Vorschriften erließ. Sueton verfolgte im Gegensatz zu Plinius und Tacitus eher geschichtsphilosophische Ziele. Das heißt, dass Sueton darauf hinweisen wollte, dass das Amt des Kaisers, wie bei Kaiser Nero9, für die eigenen Zwecke missbraucht und instrumentalisiert werden kann.  Speziell die „Kaiserviten“ des Suet.n enthielten für damalige Verhältnisse sehr untypische Abhandlungen über die Laster und Skandale der jeweiligen Kaiser. So kam es auch zu der Bezeichnung von Suetons Schriften als Unterhaltungs- und Skandalliteratur, die dem Leser, so war vermutlich Suetons Intention der Geschichtsschreibung, ein möglichst objektives Bild der Herrscher mit ihren Licht- und Schattenseiten vermitteln sollte. In Bezug auf andere gesellschaftliche Themen verurteilte Sueton aber selbst die Christen als eine dem Aberglauben anhängende Gruppe und ordnete sich scheinbar der damaligen Meinung der meisten Römer unter, welche das Christentum und ihre Anhänger verpönten und als neue jüdische Sekte diffamierten. Auch Plinius schließt sich diesem Meinungsbild an, wenn er in seinen Annalen einige Beispiele typischer Vorurteile gegenüber Christen nennt und seine ablehnende Haltung gegenüber Christen darstellt. Tacitus hingegen betont welch unmenschliche und grausame Einstellungen die Römer gegenüber Christen hätten, die sich in den zahlreichen Hinrichtungen der Christen im römischen Reich widerspiegeln. Ergänzend zu Sueton diente, nach Tacitus, die Christenverfolgung nicht dem öffentlichen Interesse sondern würde einzig und allein der Grausamkeit eines einzelnen – nämlich des Kaiser Nero geopfert.10 Man könnte auch hier von einem Missbrauch des Kaiseramtes sprechen, worin brutale Hinrichtungen von Christen legitimiert werden, nur um die hasserfüllten und menschenverachtenden Gelüste eines Herrschers wie Nero zu befriedigen. Plinius,der zu Tacitus als auch zu Sueton im schriftlichen Briefkontakt stand, würde Tacitus sein völliges Unverständnis dem christlichen Glauben gegenüber bekunden.

Abschließend gesehen, ergibt sich aus den drei Quellen kein einheitlicher Konsens, sondern drei sich in manchen Punkten widersprechende Meinungen, aber auch sich gegenseitig ergänzende Aspekte über die Darstellung der Christenverfolgung im Römischen Reich.

 

Empfohlene Zitierweise: Blümel, Jonathan (2010): Drei Zeitzeugenberichte über die Christenverfolgungen im Römischen Reich. In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

 


Bibliographie:

  1. Krasser, H.. s.v. Plin. in: DNP 9 (2000),  S. 1141-1144.
  2. Krasser, H.. s.v. Plin. in: DNP 9 (2000),  S. 1141-1144.
  3. Plinius der Jüngere: Briefe. Übers. H. Kasten, München1968. S. 643.
  4. Siehe Flaig, E.  s.v. Tac. in: DNP 11 (2002),  1209-1214.
  5. P. Cornelius Tacitus: Annalen. Übers. E.  Heller. Düsseldorf und Zürich³ 1997. S. 750.
  6. Kühnert, F. s.v. Tac.  in: Lexikon der Antike (1977) , 555f.
  7. Leuschner, H.: „Der Mensch in der Geschichte, Götter, Denker und Caesaren. Die Grosse Zeit der Antiken    Welt,“ Ed. Bafetti, A. , München (1999),  256.
  8. G. Suetonius T: De vita caesarum. Hrsg. und Übers. H. Martinet, Düsseldorf² 2000. S. 633, 669.
  9. Sallmann, K.. s.v. Suet. in: DNP 11 (2002) , 1085/1086.
  10. P. Cornelius Tacitus: Annalen. Übers. E.  Heller. Düsseldorf und Zürich³ 1997.
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