Posted by: JBluemel in Mittelalter, Ottonen Add comments

In diesem Artikel sollen die Biographien der beiden Herrscher Otto III. und Heinrich II. vorgestellt werden. Beide Herrscherpersönlichkeiten waren letzte Vertreter der Herrscherdynastie der Ottonen im ostfränkischen Reich, die, als Nachfolger der sächsischen „Liudolfinger“, ab dem 10. Jahrhundert „Könige und Kaiser sächsischer Herkunft“ hervorbrachte, die mit dem Herrschaftsanspruch regierten, dass „Gott selbst sie […] zur Königsherrschaft und zum Kaisertum berufen hatte“1. Das Großreich der Ottonen bildete sich im 10. Jahrhundert durch die Verschmelzung des Königreichs Lothringen mit dem ehemaligen ostfränkischen Reich und ab 961 mit dem italischen Königreich.

Heutzutage kann man anhand von Untersuchungen über die Herrscherdynastie der Ottonen wichtige Erkenntnisse über die Staatenbildung Europas gewinnen. Ein Großreich wie das der Ottonen hat durch seine Organisation und seine damals vorherrschenden Denkweisen durchaus noch Auswirkungen auf das heutige Europa und ist auch aufgrund seiner vortrefflichen Quellenlage ein aufschlussreicher Forschungsgegenstand. Das Besondere und Neuartige an der Dynastie der Ottonen war unter anderem, dass die bis dahin geltende Form der generationenübergreifenden Herrschaftsübernahme – vom Vater zum Sohn – neu bestimmt werden musste.

 Eine Kurzbiographie von Otto III.

Als der erst drei Jahre alte Otto III. 983 zum Mitkönig über das ottonische Reich geweiht werden sollte, hatte die Nachricht vom plötzlichen Tod Ottos II. das Reich zuvor erschüttert.2 Otto III. galt formal als regierungsfähig, aber er wurde, aufgrund von Machtkämpfen, die unter anderem vom nächsten männlichen Verwandten, Heinrich dem Zänker, geführt wurden,3 erst 986 in Quedlinburg bei einer Festkrönung offiziell als Herrscher bestätigt.4 Die Mutter Theophanu und Großmutter Adelheid waren als „kaiserliche Gebieterinnen“5 Vormünder Ottos. Vor allem Theophanu lenkte das politische Geschehen, bis Otto 994 mit vierzehn Jahren regierungsfähig wurde. Otto genoss eine sehr gute Erziehung und wurde von der Mutter und Großmutter sowie von verschiedenen Erziehern und Lehrern, wie zum Beispiel dem Bischof Bernward von Hildesheim, erzogen.6 Otto schloss 996 auf seinem ersten Italienzug ein Bündnis mit den italischen Fürsten, ernannte den ersten deutschen Papstes Gregor V. und wurde selbst zum „Kaiser der Römer“ gekrönt.7 Er konnte durch die erlangten Bevollmächtigungen wie die der Ernennung von Päpsten, aber besonders durch die Gründung von Erzbistümern und durch das Bündnis mit dem polnischen Herzog Boleslaw Chrobry, seine Kirchen- und Ostpolitik vorantreiben. Doch bereits 998 musste Otto auf seinem zweiten Italienzug einen Aufstand bei der römischen Engelsburg in Rom niederschlagen. Bei dieser Gelegenheit gewann er weitere Berater wie Ekkehard von Meißen hinzu.8 Im Jahre 10019 kam es erneut zu zwei Aufständen gegen Otto, in denen sich zunächst die italische Stadt Tivoli und kurze Zeit später Rom gegen Otto und den Papst Sylvester II. auflehnten. 10 Beide Aufstände konnten zunächst beendet werden – in Rom durch eine Rede Ottos. Doch schon nach der Osterzeit 1001 blieben Otto die Tore Roms verschlossen. Anfang 1002 wollte Otto Rom zurückerobern, doch er starb schon Ende Januar 1002.11 Das Vorhaben, das Reich durch die Kaiserherrschaft und den Hauptsitz der Kirche in Rom in Hinblick auf ein wiederhergestelltes römisches Reich zu erneuern, war gescheitert.12

Eine Kurzbiographie von Heinrich II.

 Nach dem Tod Ottos III. kam es zu langwierigen Streitigkeiten in der Herrschaftsnachfolge, weil Otto einerseits keine männlichen Nachkommen hinterlassen hatte und es andererseits auch keine festen Regelungen für die Herrschaftsnachfolge gab.13 Der mit Otto verwandte Anwärter, Heinrich IV. von Bayern, erhob wie Ekkehard von Meißen und Herzog Hermann II. von Schwaben den Anspruch auf die Thronfolge. Heinrich jedoch wollte unverzüglich Thronfolger werden und forderte die Reichsinsignien vom Erzbischof Heribert, welcher den Trauerzug des toten Ottos in Aachen anführte. Doch der Besitz der Reichsinsignien reichte für die Anerkennung von Heinrichs Königtum nicht aus. Heinrich musste mit einem „Königsumritt“[14 Vgl. Knefelkamp 2003. S. 122.] sein Königtum festigen, indem er „alle politisch relevanten Gebiete des Reiches“ besuchte, „um an wichtigen Plätzen die Huldigungen der Großen entgegenzunehmen“14 So wurde Heinrich zunächst in Werla aufgrund seiner Verwandtschaft mit Otto III. von den Schwestern Ottos zum König ernannt, während andernorts Heinrichs Rivale Ekkehard von Meißen getötet wurde. In Mainz wurde Heinrich am 7. Juni 100215 vom Erzbischof Wiligis zum König gekrönt, während Hermann von Schwaben zeitnah vom Erzbischof Heribert in Aachen zum König ernannt wurde. Beide Rivalen bekriegten sich in zahlreichen Fehden.16 Um seinen Machtanspruch durchzusetzen, ließ sich Heinrich unter anderem von Vertretern der Sachsen am 24. Juli in Merseburg zum König krönen. Abschließend besiegelte Heinrich in Aachen am 8. September sein Königtum mit seiner Inthronisation,17 woraufhin sich Hermann dem neuen König unterwarf und auf seine Ansprüche verzichtete. Noch im selben Jahr ließ sich Heinrich auf seinem Italienfeldzug in Pavia zum König krönen und beseitigte damit den bisherigen italischen König.18 Allerdings war Heinrichs Anwesenheit an verschiedenen Orten seines Reiches notwendig, denn er musste viele Aufstände im Reich niederringen.19 Langwierige Konflikte hatte er vor allem bis 1018 mit dem polnischen Herzog Boleslaw Chrobry.20 Trotz alledem verwendete Heinrich, der seine Erziehung an der Hildesheimer Domschule genossen hatte, viel Zeit und Mühe auf die Kirchenpolitik, indem er das Bistum Merseburg wiedererrichtete und 1007 in Bamberg, trotz einiger Widerstände, ein neues Bistum gründete.21 Heinrich unterstützte „die Klöster vielfach durch Schenkungen und dem Verleih von Immunität und Königsschutz“22 und setzte selbst Reichsbischöfe ein. Er wurde am 14. Februar 1014 in Rom vom Papst Benedikt VIII. zum Kaiser gekrönt23 und verstarb im Jahre 1024 nach längerer Krankheit.24

 

Empfohlene Zitierweise: Blümel, Jonathan (2010): Kurzbiographien: Otto III. und Heinrich II.. In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

 


Bibliographie:

  1. Vgl. Keller, Hagen: Die Ottonen (Beck’sche Reihe). München 2008. S. 16-17.
  2. Vgl. Keller. S. 65./ Althoff, Gerd: Die Ottonen. Königsherrschaft ohne Staat (Kohlhammer Urban Taschenbücher Band 437). Stuttgart u.a. 2005. S. 153.
  3. Vgl. Althoff- Stuttgart 2005. S. 154.
  4. Vgl. Knefelkamp, Ulrich: Das Mittelalter – Geschichte im Überblick. Paderborn 2003. S. 115.
  5. Siehe Keller 2008. S. 65f.
  6. Vgl. Althoff 2005. S. 162.
  7. Vgl. Althoff 2005. S. 176./Knefelkamp 2008. S. 117.
  8. Vgl. Knefelkamp 2003. S. 116f.
  9. Vgl. Keller 2008. S. 83.
  10. Vgl. Althoff 2005. S. 195f.
  11. Vgl. Keller 2008. S. 84.
  12. Vgl. Keller 2008. S. 74.
  13. Vgl. Körntgen, Ludger: Ottonen und Salier. Darmstadt 2008. S. 46.
  14. Siehe Keller 2008. S. 93f.
  15. Körntgen 2008. S. 47f.
  16. Vgl. Althoff 2005. S. 204f/Keller 2008. S. 91.
  17. Vgl. Althoff 2005. S. 205/Keller 2008. S. 92.
  18. Vgl. Knefelkamp 2003. S. 123.
  19. Vgl. Knefelkamp 2003. S. 124.
  20. Vgl. Althoff 2005. S. 223f.
  21. Vgl. Althoff 2005. S. 214./Körngten 2008. S. 51.
  22. Siehe Körntgen 2008. S. 52.
  23. Vgl. Körntgen 2008. S. 54.
  24. Vgl. Körntgen 2008. S. 55.
VN:F [1.9.22_1171]
Rating: 0.0/5 (0 votes cast)
Pin It

Leave a Reply