Posted by: JBluemel in Kirchengeschichte, Mittelalter Add comments
Der nächste Artikel behandelt eine Vorstellung eines ganz besonderen Denkmals im Hamburger Stadtraum.  Es geht um die Ansgar-Statue vor dem St. Mariendom in Hamburg-St. Georg. Anhand der Beschreibung dieses Kunstobjektes im öffentlichen Raum sollen wesentliche Informationen über den Künstler, die Hintergründe dieses Denkmals sowie ein kurzer Abriss einer personengeschichtlichen Beschreibung der auf dem Denkmal abgebildeten Person – nämlich dem Ansgar von Bremen, geliefert werden.

Der St. Mariendom in Hamburg-St. Georg

Wenn man heutzutage in die Danziger Straße im Hamburger Stadtteil St. Georg geht, stößt man auf den imposanten Mariendom, der als Kathedralkirche des Erzbistums Hamburg der römisch-katholischen Kirche, die einzige Kirche in Hamburg mit zwei Türmen ist. Das ursprünglich als römisch-katholische Pfarrkirche gegründete Kirchengebäude wurde in den Jahren 1889 bis 1893 errichtet, aber litt, wie sehr viele Hamburger Bauten, unter den Bombardements des Zweiten Weltkrieges. Der ursprüngliche neoromanische Baustil wurde bei den von 2007 bis 2008 andauernden Modernisierungs- und Sanierungsmaßnahmen beibehalten. Durch die Ergänzung von weiteren Sakristeibauten und weiteren  Umgestaltungen und Neuausstattungen (Technische Anlagen) des Innenraumes erstrahlt der Mariendom seit wenigen Jahren in neuem Glanz. Als Neuer Mariendom wurde die einstige Pfarrkirche am 23. November 2008 wieder eröffnet. Das Ergebnis dieser umfangreichen Umgestaltung und Modernisierung des Doms kann man selbst betrachten – schon wenn man den Dom von Außen sieht und natürlich wenn man ihn betritt. Auffällig beim Betreten des Kirchengebäudes sind die hellen freundlichen Farben des lichtdurchfluteten Innenraumes.

Der Domplatz

Auch der weiträumige Domplatz, der vor dem Dom angelegt ist, soll im Zuge weiterer Baumaßnahmen umgestaltet werden. Hierfür wurde der bekannte Schweizer Architekt Mario Botta gewonnen, dessen Aufgabe es ist durch die Umsetzung seiner Pläne und Entwürfe aus dem Domplatz „einen einladenden Platz weltoffener Ausstrahlung und gastfreundlicher Anziehungskraft zu gestalten“[1]. Noch scheinen die Umgestaltungsarbeiten des Domplatzes aber nicht abgeschlossen.[2] Der Domplatz wirkt in diesen Tagen sehr übersichtlich, aufgeräumt und einladend. Er bringt ein wenig Abwechslung in die eng aneinander gereihten Häuserreihen im Stadtviertel und wirkt wie ein Ruhepol, der nur ein Steinwurf von der betriebsamen und lebendigen Straße Lange Reihe entfernt ist.

Das Ansgar-Denkmal

Der Domplatz hat aber noch ein weiteres interessantes Detail zu bieten. Etwas zugeschneit, aber dennoch gut aus der Entfernung zu erkennen, steht eine Statue bzw. ein Denkmal auf der rechten Seite des Domplatzes. Das Kunstwerk wird Ansgar-Denkmal genannt und wurde im Jahr 2000 vor dem Katholikentag hier aufgestellt. Hierzu liefert der Internetauftritt des Erzbischöflichen Generalvikariats Hamburg weitere Informationen: „Das Werk des Mainzer Künstlers Karl-Heinz Oswald ist ein Geschenk des Bistums Mainz an das Erzbistum Hamburg.“ [3] Der deutsche Bildhauer Karl-Heinz Oswald (geboren 1958 in Worms) ist vor allem durch seine Eisen-Plastiken bekannt und hat auch mit dem Ansgar-Denkmal ein weiteres Kunstwerk aus Eisen geschaffen. Oswald entwarf auch für die Mainzer und Stuttgarter Dome weitere Kunstwerke wie Plastiken und Statuen.[4]
Das Denkmal auf dem Domplatz des Mariendoms wirkt nicht unauffällig, aber es bietet auch keine Attraktion an sich, sondern bedient sich der Kunst der Schlichtheit und Einfachheit. Ähnlich wird es auch auf dem Internetauftritt des Erzbischöflichen Generalvikariats Hamburg ausgedrückt: „Oswald hat bei der Gestaltung auf alles Triumphale und Verklärende verzichtet. Sein Ansgar in Mönchskutte ist das “Bild eines Glaubenden”, eines “ganz normalen Menschen”. Das Material Eisen unterstreicht das Bodenständige dieser Figur.“[5] Auffällig an dem Denkmal ist ebenso, dass Ansgar mit der rechten Hand ein großes Kreuz festhält, was darauf schließen lässt, dass der Bildhauer Oswald Ansgars besonderen Bezug zum Glauben und Christentum auch in diesem Werk betonen möchte. So lässt sich dieses Detail zumindest interpretieren. Man weiß schließlich, dass das Leben des Ansgar maßgeblich vom Glauben an Jesus Christus und von der Mitarbeit und Beteiligung in der Kirche bestimmt war.

Die Infotafel

Festzuhalten bleibt weiterhin der interessante Aspekt, dass dieses Denkmal oberflächlich betrachtet doch recht schlicht und unauffällig wirkt. Von seiner Größe aber und seinem Standort ist es aber nicht zu übersehen, obwohl es auf einem recht weiträumigen Platz steht und im Hintergrund das imposante Domgebäude alle Blicke auf sich zieht. Bevor man den Domplatz betritt, sucht man mit den Augen fast automatisch den Platz  nach einem „Eye-Catcher“ – etwas Besonderem was ins Auge fällt, ab. Hierbei wird man nicht viel finden. Das Denkmal wirkt wie ein Symbol oder ein Akzent der bei der Platzgestaltung ganz bewusst gesetzt wurde. Der Standort des Denkmals auf dem Domplatz wirkt wohl überlegt. Trotzdem wirkt aus der Sicht von vorbeigehenden Passanten dieses Denkmal sicherlich unscheinbar und unbedeutend. Wohingegen die Betrachter des Platzes, die ein wenig mehr Zeit bei der Betrachtung des gesamten Komplexes verwenden, dieses Denkmal und seine Bedeutung für diesen Platz genauer erfassen werden. Denn, wie viel Bedeutung diesem Geschenk des Bildhauers beigemessen wurde und welche fundamental wichtige Rolle die auf dem Denkmal abgebildete Person für die Katholische Kirche und in der Hamburger Kirchengeschichte hat, kann anhand weniger Blicke auf eine Infotafel, die am Eingang des Domes angebracht ist, erfasst werden. Man bekommt auf der Tafel folgende Informationen: Der Mariendom wurde von 1890-1893 nach dem Entwurf des Architekten Arno Güldenpfennig erbaut. Ansgar gründete 831 das Erzbistum von Hamburg. Das Bistum Hamburg wurde dann erst nach 1100 Jahren wieder neu gegründet. Folglich ist die Geschichte Ansgars eng mit der Hamburger Kirchengeschichte sowie mit der des Erzbistums Hamburgs verbunden.

Ansgar von Bremen

Der 801 n. Chr. im heutigen Nordfrankreich geborene Ansgar (oder auch Anskar/Anschar genannt) war ein Mönch im Benediktiner-Orden bei Corbie in der Nähe von Amiens. Sein Leben wurde durch seinen späteren Nachfolger Rimbert in der Vita sancti Ansgari aufgeschrieben. Anskar wurde schon mit fünf Jahren, kurz nach dem Tod seiner Mutter, „von seinem Vater zur Ausbildung in die Schule“[6] des Klosters von Corbie an der Somme, das dem damaligen Abt Adalhard unterstand, geschickt. 823 wurde Anskar mit anderen mit anderen Mönchen in das in 822 neugegründete Kloster nova Corbeia nach Corvey, das in der Nähe von Höxter an der Weser lag, überwiesen. Er wurde dort Lehrer der Klosterschule, aber predigte auch vor dem Volk. In seinen weiteren Lebensjahren erhielt Ansgar weitere Kontakte außerhalb des klösterlichen Kontextes. Er unterhielt unter anderem Kontakte zum Kaiser Ludwig dem Frommen sowie nach Skandinavien zum schwedischen König Björn på Håga und dem dänischen König Harald und konnte dort missionarisch tätig sein. Man richtete schließlich ein neues Bistums in Hamburg ein um die langfristige Betreuung der Gläubigen im Norden und in den nordelbischen Gebieten dauerhaft zu gewährleisten. Bereits 831 wurde Ansgar „erster Erzbischof des neu errichteten Erzbistums in Hamburg“.[7] Dort errichtete er in der Hammaburg – der vermutliche Vorläufer der späteren Stadt Hamburg – eine hölzerne Domkirche, genannt Marienkirche. Er gründete weiterhin mit Hilfe von Ludwig dem Frommen eine Schule und ein Kloster. Vom Papst Gregor IV wurde Ansgar in Rom 832 zum päpstlichen Legaten bzw. zum Missionsbischof des Nordens ernannt. Er kümmerte sich speziell um die Christen in den nordelbischen und dänischen Gebieten.[8] 845 wurde die Hammaburg von einem Wikinger-Überfall durch eine Wikingerhorde unter der Führung von Horik König von Dänemark heimgesucht und Ansgars Kathedrale zerstört.[9] Im selben Jahr wurde das Gebiet wiedermals von Wikingern überfallen. Diesmal wurden unter der Führung von Erik König von Jütland nahezu alle christlichen Kirchen zerstört. Die Hammaburg und das neugegründete Erzbistum musste daher aufgegeben werden. Ansgar konnte knapp dem ersten Überfall entkommen und konnte ab 849 als Erzbischof von Bremen die Gunst des Eriks König von Jütland gewinnen und erhielt seine Erlaubnis missionarisch in Dänemark aktiv zu werden.[10]

Ansgar gründete im späteren Verlauf seines Lebens weitere Klöster, er ließ Kirchen errichten und missionierte im Norden und gewann dabei sogar Könige für das Christentum. Er wurde später wegen seiner missionarischen Tätigkeit „Apostel des Nordens“ und „Apostel Skandinaviens“ genannt. Man erklärte ihn schließlich zum Patron der historischen Bistümer und Hamburg und Bremen und des heutigen Erzbistums Hamburg.

Ansgar von Bremen

Keine Frage, dass Ansgar eine interessante Persönlichkeit war. Das Denkmal am heutigen Mariendom in Hamburg-St. Georg erinnert an diesen Benediktinermönch, der das Kreuz umfasst und zu seinen Lebzeiten seinen Glauben in vielen verschiedenen Ländern bezeugt hat. Denkmäler transportieren also nicht nur Darstellungen von interessanten Persönlichkeiten, sondern sie erzählen auch Geschichten. Geschichten von Menschen, die Erfahrungen gemacht haben, die uns in unserer heutigen Zeit sicherlich nutzen können. Bei der Betrachtung von Denkmälern lohnt sich also nicht nur die reine Betrachtung des Denkmales, sondern auch das Erfragen der Hintergründe und der Geschichte dieser auf dem Denkmal dargestellten Person.

Empfohlene Zitierweise:

Blümel, Jonathan (2011): Ein Ausflug in die Kirchengeschichte. In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

Der Urheber für die aufgeführten Bilder ist Jonathan Blümel.


Bibliographie:

[1] Siehe http://www.mariendomhamburg.de/fix/doc/Konzept_Mariendom_Sept07.pdf [Zugriff: 31.12.2010]

[2] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Neuer_Mariendom_(Hamburg) [Zugriff: 31.12.2010]

[3] Siehe http://www.mariendomhamburg.de/rundum/stansgar/index.html [Zugriff: 31.12.2010]

[4] Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Karlheinz_Oswald [Zugriff: 31.12.2010]

[5] Siehe  http://www.mariendomhamburg.de/rundum/stansgar/index.html

[6] Vgl. Krüger, Karl Heinrich in: Bracker, Jörgen: Mit Ansgar beginnt Hamburg. (Hrsg.) (Publikationen der Katholischen Akademie Hamburg ; 2). Hamburg 1986. S. 39.

[7] Siehe http://www.mariendomhamburg.de/kunst/geschichte/ansgar/index.html [Zugriff: 31.12.2010]

[8] Vgl. Krüger, Karl Heinrich in: Bracker, Jörgen: Mit Ansgar beginnt Hamburg. (Hrsg.) (Publikationen der Katholischen Akademie Hamburg ; 2). Hamburg 1986. S. 41

[9] Vgl. Nelson, Janet N.; in: Sawyer, Peter: Die Wikinger – Geschichte und Kultur eines Seefahrervolkes. Hamburg 2008.

[10] Vgl. http://www.fordham.edu/halsall/basis/anskar.html [Zugriff: 31.12.2010]

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