In diesem Artikel soll ein kurzer Überblick über die Geschichte des Alten Landes mit seinen wesentlichen und wichtigen Bestandteilen geschaffen werden. Das Alte Land, das heutzutage vor allem für seinen Obstanbau, die idyllischen  Deichwege und alten Häuser bekannt ist,  liegt südlich der Elbe und enthält  die niedersächsischen Gemeinden Lühe, Jork und die Ortschaft Rübke sowie die Hamburger Stadtteile Francop, Neuenfelde und Cranz. Wie alle Elbmarschen ist auch das schlauchförmige Gebiet des Alten Landes naturräumlich auf typische Weise gegliedert. Am Elbufer verläuft parallel „ein schmaler Streifen Hochland“1, auf den in Richtung Landesinnere ein breiterer Streifen Sietland folgt. Das Sietland wird dann von den Naturräumen des Moores und dem Geestrand, der rund um das Alte Land zwischen Neugraben und Stade liegt, umschlossen.2

Das Alte Land wird durch die drei Nebenflüsse Schwinge, Lühe, Este „auf natürliche Weise in drei Bezirke“ gegliedert, „die seit dem Mittelalter als „Meilen“ bezeichnet werden.“3 Die drei Nebenflüsse waren bis zur Errichtung der Sperrwerke an den jeweiligen Mündungen im 20. Jahrhundert den Gezeiten ausgesetzt. Die Erste Meile umfasst das Gebiet, das zwischen den Nebenflüssen Schwinge und Lühe gelegen ist. In dieser Meile sind neben Teilgebieten der Stadt Stade auch die heutigen politischen Gemeinden Hollern-Twielenfleth, Steinkirchen, Grünendeich und Guderhandviertel enthalten. Die Ortschaft Twielenfleth, die am 16. Juli 1059 erstmals in einer Schenkungsurkunde von Adalbert, dem Erzbischof von Bremen-Hamburg erwähnt wurde, wird im weiteren Verlauf der Quellenuntersuchung eine wichtige Rolle spielen.4 Das Gebiet der Zweiten Meile verläuft östlich der Ersten Meile und wird durch die Elbzuflüsse Lühe und Este begrenzt. Am Rand der Zweiten Meile liegt direkt an der Estemündung die Ortschaft Cranz, die im Gegensatz zu den anderen niedersächsischen Gemeinden der Zweiten Meile Mittelnkirchen, Neuenkirchen und Jork, 1937 in die Hansestadt Hamburg eingemeindet wurde. Die Dritte Meile verläuft von der Este bis zur „ehemaligen Landwehr, die Francop von Moorburg trennt.“ Der östliche und nördliche Teil dieser Meile gehört zu Hamburg, während „der westliche Teil dieser Meile am Esteufer […] zur Gemeinde Jork im niedersächsischen Landkreis Stade“ gehört. Die Ortschaft Rübke gehört „zur Gemeinde Neu Wulmstorf im Landkreis Harburg“ und der nördliche und östliche Bereich zur Stadt Hamburg.5

Der Name „Altes Land“ wurde erstmals im Mittelalter ab dem 12. Jahrhundert im Zuge des Kolonisationsprozesses verwendet. Die Kolonisten waren holländische Siedler, die die Kolonisation des Sietlandes in der Ersten Meile, die Entwässerung des feuchten Marschlandes sowie den Bau von Sielen und die Eindeichung durchführten. Vermutlich wurde das bereits bearbeitete Land als „Altes Land“ bezeichnet, wohingegen das noch nicht bearbeitete Land das „Neue Land“ war. Angeworben wurden die holländischen Siedler wahrscheinlich durch die Grafen von Stade und später durch Heinrich den Löwen.6Um das Jahr 1135 begannen die niederländischen Kolonisten, die bereits über wasserbautechnische Kenntnisse aus ihrer Heimat verfügten, vermutlich im Westen in der späteren Ersten Meile beginnend,  die Ortschaften Hollern, Huttfleth sowie Gebiete an der Lühe und weitere Siedlungsbezirke bis nach Francop im Osten einzudeichen und zu kolonisieren. Unklar ist, wie die damaligen Deiche beschaffen waren (Deichtypus, Deichgröße, verwendetes Material für den Deich etc.) und wie sie ausgesehen haben.7 Man weiß nur, dass die Hauptdeiche sich nördlich am Elbufer befanden und „die niedrigeren Deiche an den Nebenflüssen.“ Durch die Hinterdeiche wurde das Alte Land zum Süden, wo die höher gelegene Geest- und Moorlandschaft war, vor Schmelz- und Regenwasser geschützt.8 Bis zum Abschluss der gesamten Kolonisationsphase am Ende des 13. Jahrhunderts kam es noch zur Binnenkolonisation in den Drei Meilen.9 Zu diesem Zeitpunkt konnte alles Land besiedelt werden und der Begriff „Altes Land“ auf die gesamte Marschlandschaft des Alten Landes übertragen werden.10

Vor der Besiedelung bzw. Kolonisation und planmäßigen Bedeichung des Alten Landes im 12. Jahrhundert waren in den ersten Jahrhunderten nach Christus sächsische Siedler im Altländer Hochland ansässig, die sich dort nicht vor hohen Wasserständen schützen mussten. Frühere Formen der Eindeichung und die Existenz von „künstlichen hügelförmigen Erhebungen im Gelände“11 bzw. von Wurten sind folglich im Frühen Mittelalter bis zur Zeit der Hollern-Kolonisation nicht nachweisbar. Die sächsischen Siedler könnten lediglich „einzelne Ackerstücke durch Dämme geschützt, keinesfalls jedoch großflächige Ringsiedlungen errichtet haben.“12 Zu einem späteren Zeitpunkt haben sich die sächsischen Siedler aus dem Hochland und der Geest vermutlich an der Erhaltung der von den holländischen Kolonisten errichteten Deiche beteiligt.13

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Empfohlene Zitierweise:

Blümel, Jonathan (2011): Die Geschichte des Alten Landes bis zum 17. Jahrhundert (Teil I). In: JBSHistoryBlog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]



Bibliographie:

  1. Siehe Ehrhardt, Michael: „Ein guldten Bandt des Landes“ – Zur Geschichte der Deiche im Alten Land. Stade 2003. S. 14.
  2. Anm. Der Unterschied vom Hoch- und Sietland: Siehe Ehrhardt, Michael: „Ein guldten Bandt des Landes“ – Zur Geschichte der Deiche im Alten Land. Stade 2003.  S. 13: „Das Hochland ist durch sandigen und kalkhaltigen Boden gekennzeichnet, während das Sietland tonige Böden enthält, die schneller absacken als die Sedimente des Hochlandes.”
  3. Ebenda S. 11.
  4. Vgl. Röper, Carl: Bilder und Nachrichten aus dem Alten Land und seiner Umgebung. Band 1. (Schriftenreihe des Vereins zur Förderung und Erhaltung Altländer Kultur Jork, Band 4). Jork 1988. S. 195f.
  5. Siehe Ehrhardt 2003. S. 11.
  6. Vgl. Ehrhardt, Michael in: Dannenberg, Hans-Eckhard; Fischer, Norbert; Kopitzsch, Franklin (Hrsg.): Land am Fluss – Beiträge zur Regionalgeschichte der Niederelbe. Stade 2006. S. 117.
  7. Vgl. Ehrhardt. 2003. S. 39.
  8. Siehe Ehrhardt. 2006. S. 115.
  9. Vgl. Ehrhardt. 2003. S. 34-36.
  10. Ebenda S. 14. und weitere Ausführungen in: Hofmeister, Adolf E. in: Jahrbuch des Altländer Archivs – Beiträge zur Ortsgeschichte. Jork 2007. S. 7-25.
  11. Siehe Erhardt. 2003. S. 28.
  12. Ebenda S. 31.
  13. Vgl. Ehrhardt. 2006. S. 117.
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