Posted by: JBluemel in Amerika, Nachhaltigkeit, Neuzeit Add comments

Die Gesellschaft steht vor Herausforderungen, die schwerwiegende Auswirkungen nach sich ziehen könnten. Viele Jahre dachte kaum jemand an Umweltschutz und Nachhaltigkeit, obwohl die Natur Jahrhunderte zuvor als zentrales Gut der Ökonomie angesehen wurde. Industrialisierung und Globalisierung veränderten die Denkweisen. Nun müssen wir neue entwickeln, um der Zukunft begegnen zu können.

 Wasser spritzt leicht auf, als der Kapitän der kleinen Flotte vom Ruderboot aus an den Strand springt. Gerade hatte er unter Paddelschlägen die Küste erreicht, während im Hintergrund noch die Segel und Masten der Schiffe zu sehen sind, auf denen die Seefahrer fast ein halbes Jahr verbracht haben. Völlig überwältigt sinkt der Kommandant, noch in der Brandung stehend, auf die Knie und berührt ungläubig den Sand unter ihm.

Letztendlich sollte Kolumbus nie erfahren, dass er nicht Indien, sondern Amerika erreicht hatte. Dennoch begann mit ihm die Rettung Europas.

Abb. 1.: Kolumbus Ankunft in der neuen Welt, Kupferstich (Theodor de Bry, 1594)Abb. 1.: Kolumbus Ankunft in der neuen Welt, Kupferstich (Theodor de Bry, 1594)

In Kolumbus` Heimat waren zu diesem Zeitpunkt die Wälder bereits gerodet. Die einsetzende Erosion spülte den Schlamm in die Flüsse und ließ sie unbenutzbar werden. Das Leben darin erstarb. Holz und Fische waren wohl die wichtigsten Ressourcen des ausgehenden Mittelalters.1 Und sie waren fast bis zur Erschöpfung aufgebraucht. Mit der Eroberung und Besiedlung Amerikas wendete sich aber für Europa das Blatt. Sie entdeckten in der Neuen Welt Tier- und Pflanzenarten, die sie züchten konnten und damit zusätzliche Nahrung mit vielen Nährstoffen erhielten. Neue Ideen und Ansichten halfen den Menschen Europas dabei, ihren Horizont zu erweitern. Das Mittelalter neigte sich dem Ende entgegen, denn anstatt unter der Ausbeutung der Natur zusammenzubrechen, brachen unsere Ahnen in neue Zeiten auf. Die Frage ist: Wird uns heutzutage das Gleiche gelingen? Der britische Historiker und Archäologe Ian Morris sieht uns an einem ähnlichen Wendepunkt angekommen, wie damals zur Zeit der Entdeckung Amerikas:

Entweder schaffen wir eine Transformation, die die industrielle Revolution weit übertreffen und die meisten unserer Probleme lösen wird, oder wir taumeln in eine Katastrophe, wie es noch keine gab. Dann werden die apokalyptischen Reiter wieder losgaloppieren: Klimawandel, Hungersnöte, Seuchen, Migrationsströme, zusammenbrechende staatliche Ordnungen.2

 In die Zukunft blickend prognostiziert Morris, dass die nächsten 40 Jahre die bedeutsamsten der Weltgeschichte seien.3 Doch wie kam es zu dieser Entwicklung ?

Noch Mitte des 18. Jh. prophezeite der englische Ökonom Malthus, dass den britischen Inseln Hungersnöte und Kriege bevorstünden, weil die Bevölkerung immer stärker zunahm und gleichzeitig nicht genug Ressourcen zur Verfügung stünden.4 Damit wird deutlich: viele der ersten Wirtschaftswissenschaftler waren der Ansicht, dass die Grundlage für wirtschaftliches Handeln in der Natur liege. Nicht zuletzt wird ja auch die Schöpfung des Begriffs Nachhaltigkeit dem Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz zugeschrieben. Dieser schlug 1713 vor, dass auf einer bestimmten Fläche nur so viele Bäume gefällt werden sollten, wie nachwachsen konnten.5 Angekommen im Jahr 2011 müssen wir allerdings aktuell  annehmen, dass der Regenwald auf Borneo im kommenden Jahr komplett verschwunden sein wird. Die Begrenzung der Erderwärmung auf höchstens 2° C scheint auch immer unwahrscheinlicher zu werden. Der Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) nimmt an, dass die globale Konzentration an Treibhausgasen für diesen Zweck bis 2050 um 50-85% gegenüber dem Jahr 2000 sinken müsste.6

weiter zu Teil II

 

Abb. 1: Das aufgeführte Bild ist gemeinfrei und unterliegt keinem Urheberrecht.

 

Bibliographie:

  1. Vgl. Dirlmeier, U. ; Fouquet, G. & Fuhrmann, B. (2009): Europa im Spätmittelalter 1215 – 1378. In: Gall, L. ; Hölkeskamp, K. J. & Jakobs, H. (Hrsg.): Oldenbourg Grundriss der Geschichte.  München. S. 9.
  2. Siehe Romain, L. (2011): Angst treibt uns voran. http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-79051550.html (Zugriff: 08.07.2011).
  3. Ebenda.
  4. Vgl. Jörisson, J. ; Kopfmüller, J. ; Brandl, V. ; Paetau, M. (1999): Ein integratives Konzept nachhaltiger Entwicklung. Karlsruhe: Forschungszentrum Karlsruhe GmbH. S. 11ff.
  5. Ebenda S. 12.
  6. Vgl. Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (2002): 4. Sachstandsbericht (AR4) des IPCC (2007) über Klimaänderungen: Synthesebericht. http://www.bmu.de/files/download/application/pdf/syr_kurzzusammenfassung_071117_v5-1.pdf (Zugriff: 08.07.2011). S. 3.
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