Konstantinische Wende als Meilenstein für die Entstehung christlicher Bauten

In Folge des radikalen Wechsels in der Religionspolitik ab 313 n. Chr. durch das Toleranzedikt von Mailand durch Konstantin und Licinius1, der daraus resultierenden Förderung und Privilegierung des Christentums durch den Kaiser Konstantin und seine Söhne (313-361 n. Chr.) sowie der Erhebung des Christentums zur Staatsreligion durch Theodosius (379-395 n. Chr.) erhielt das Christentum einen rechtlich anerkannten Status.2 Von einer „weitgehenden Christianisierung des Imperiums“ konnte aber im 4. Jhr. n. Chr. aufgrund der „Historiographie und Gesetzgebung“3 sowie den Darstellungen der literarischen Quellen4 nicht die Rede sein.5 Brands sieht die Anfänge der „Christianisierung des Lebensumfelds“ im „kulturellen und politischen Leben“6 erst ab dem frühen 5. Jhr. n. Chr.. Deutlich wird diese Entwicklung an der Rolle der Bischöfe, deren Einfluss auf die Kommunalpolitik im Laufe des 4. Jhr. n. Chr. zunahm und die ab dem 5. Jhr. n. Chr. zunehmend mit Aufgaben der städtischen Verwaltung wie z.B. im Bauwesen betreut wurden.7

Erste christliche Akzente im Stadtbild ab dem 4. Jahrhundert

Die ersten christlichen Akzente im römischen Stadtbild wurden ab dem 4. Jhr. n. Chr. durch neu entstehende Kirchenbauten gesetzt8, die ausschließlich für die christlichen Kulte genutzt wurden und eine ganz bestimmte Ausstattung erhielten und die sich, wenn auch geringfügig, in ihrer Bauweise und Architektur von paganen Gebäuden unterschieden.9 Mit dem Begriff „Kirchenbauten“ werden Kirchenbauten intra muros sowie Märtyrerkirchen extra muros bezeichnet. In der konstantinischen Zeit wurde der Begriff „frühchristliche Basilika“ allgemein für christliche Kultbauten und erst ab dem 5. Jhr. n. Chr. explizit für Kirchengebäude verwendet.10

Nutzungs- und Funktionsweisen der christlichen Basilika

Im Wesentlichen wurden die christlichen Basiliken für Versammlungen, die Eucharistiefeier, Taufen und die Ausübung des Märtyrer- und Totenkultes genutzt.11 Obwohl es schwierig ist, einen kennzeichnenden Bautypus der „frühchristlichen Basilika“ zu bestimmen, gibt es gewisse Charakteristika, die bei vielen christlichen Basiliken gleichermaßen auftraten.12 Die christliche Basilika ist ein meist drei bis fünfschiffiger axialer Längsraum, dessen Raumkörper in die Tiefe zum Altar hin mit einer Apsis gebaut ist. Im Eingangsbereich an der Schmalseite verfügen viele Basiliken über ein Peristyl und ein Atrium bzw. eine Narthex. Das Mittelschiff hat meist einen offenen Dachstuhl oder eine Flachdecke und wird durch Pfeiler oder Säulen „mit Bogen oder geraden Balken“13 gebildet. Über den Säulen des Langhauses befinden sich zudem Architrav oder Archivolten. Baugeschichtlich kann die christliche Basilika laut Langlotz von der „Kultbasilika der nichtolympischen Götter, dem Sebasteion-Kaisareion und dem römischen Thronsaaltypus“14 hergeleitet werden. Die Adaption dieser Bautypen in der Konstantinischen Wende und die Errichtung von Basiliken in der erläuterten Bauweise hatten vermutlich einfache pragmatische Gründen und entsprangen dem vorherr-schendem Denken vom Gottkaisertum und dem Kaiserkult.15

Zu den Kirchenbauten, die als erste Anzeichen der Christianisierung der Städte ab dem 4. Jhr. n. Chr. in Erscheinung traten, kamen noch weitere christliche Bauten wie bischöfliche Residenzen, Klöster, Gedenkstätten und Gräber, diakonische Einrichtungen, Pilgerherbergen und Hospitäler hinzu.16 Man darf daher den Prozess der Christianisierung der Stadt nicht auf die Kirchenbauten beschränken.

Blümel, Jonathan (2015): Die Christianisierung der Stadt im frühen Christentum In: JBS History Blog.de. URL: http://jbshistoryblog.de [Zugriff: DD:MM:YYYY]

 

Bibliographie:

  1. Vgl. Vittinghoff 1994. S. 395ff..
  2. Vgl. Krause, J.-U.: Die Spätantike (284-565 n. Chr.), in: Gehrke, H.-J. / Funke, P. (Eds.): Geschichte der Antike. Ein Studienbuch, ²Stuttgart 2006. S. 409-477. Hier S. 462-466.
  3. Siehe Brands in: Brands / Severin 2003. S. 24 ; vgl. Krause in: Gehrke / Funke 2006. S. 466.
  4. Vgl. Brands in: Brands / Severin 2003. S. 9.
  5. Anm.: Mateos Cruz beschreibt das 4. Jhr. n. Chr. als „einen Moment des Übergangs in dem das Nebeneinander von Heidentum und Christentum die eigentliche Konstante im Verlauf der Jahrzehnte darstellt.“ Siehe Mateos Cruz, P.: Die Anfänge der Christianisierung in den Städten Hispaniens, in: Panzram, S. (Ed.): Städte im Wandel. Bauliche Inszenierung und literarische Stilisierung lokaler Eliten auf der Iberischen Halbinsel. Münster 2007. S. 240.
  6. Siehe Brands in: Brands / Severin 2003. S. 24.
  7. Ebenda S. 14.
  8. Vgl. Langlotz 1972. S. 12-13, S. 43 ; Stanzl. 1979. S. 17f.
  9. Vgl. Leipziger, U.: Die römischen Basiliken mit Umgang. Forschungsgeschichtliche Bestandsaufnahme, historische Einordnung und primäre Funktion. Nürnberg, Univ., Diss–Erlangen, 2006. S. 14ff. u. 72.
  10. Vgl. Langlotz 1972. S. 12-13, S. 43 ; Stanzl. 1979. S. 17f.
  11. Vgl. Stanzl 1979. S. 30.
  12. Anm.: Siehe auch die Abbildungen 2 und 5 der christlichen Basiliken von Segóbriga und Tarraco im Anhang.
  13. Siehe Leipziger 2006. S. 71.
  14. Siehe Langlotz 1972. S. 41.
  15. Vgl. Langlotz 1972. S. 41-53.
  16. Vgl. Brands in: Brands / Severin 2003. S. 10-14.
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