Geschichte bringt uns Wissen, aber keine Werte: Geschichte liefert Hintergründe und aufschlussreiche Einblicke in vergangene Kulturen, Geschehnisse und Zeiten. Bloßes Wissen allein reicht jedoch nicht. Aus der Geschichte mit ihren Erfolgen und Misserfolgen zu lernen und daraus die richtigen Schlüsse zu ziehen, stellt eine hohe Herausforderung an uns Menschen, die wir besonders in heutigen Zeiten wahrnehmen sollten. So stimmt (leider) häufig der Ausspruch: “Die Geschichte ist unsere Lehrerin und wir sind ihre dummen Schüler.”

Geschichte wiederholt sich andauernd, ohne dass wir es bemerken: “Kann man von irgend etwas sagen: »Siehe, das ist neu«? Längst schon war es in unbekannten Zeiten, die vor uns gewesen sind! Man gedenkt eben an das Frühere nicht mehr, und auch an das Spätere, das noch kommen soll, wird man nicht mehr gedenken bei denen, die noch später kommen werden.” (Salomo, Prediger 1,10)

Geschichte entsteht in der Gegenwart: Die Kenntnis und Auswertung der Geschichte kann uns helfen, unsere Vorhaben in der Gegenwart verantwortungsbewusster auszurichten: „Geschichte ist nicht nur eine Sache der Vergangenheit, sondern ein Dialog zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Man kann auch sagen: Geschichte entsteht in der Gegenwart.“[1] (Peter Štih)

Geschichte besteht aus essentiell wichtigen Strategien und Dynamiken: Die in der Vergangenheit getroffenen Entscheidungen wie z.B. in Politik, Gesellschaft oder in der eigenen Familie beinflussen (begünstigen oder beeinträchtigen) unser Hier und Jetzt und unsere Zukunft.[2]

Geschichte zu erforschen, bietet uns die Möglichkeit den Charakter unseres “Hier und Jetzt” mit unseren zeitgenössischen Problemen, Fragen und Anliegen besser zu erfassen: “Die Fragestellungen, mit denen wir an die Vergangenheit herangehen, verrraten […] mindestens so viel über uns heute wie darüber, wie es früher […] gewesen sein könnte.” [3]

Geschichte wird von Zeit zu Zeit unterschiedlich betrachtet: In heutiger Zeit betrachten wir aufgrund vieler Faktoren (Prägung, Sozialisation, Gesellschaftsformen, Religion, Politik etc.) beispielsweise die Zeit des Römischen Reiches ganz anders als es die Menschen im Mittelalter getan haben. Daher kann niemals die spezielle Sichtweise von “Geschichts-Betrachtern” aus vergangener Zeit ausgeklammert werden, wenn wir historische Geschehnisse in unserer Zeit untersuchen wollen.

Geschichte ist Konstruktion und verlangt Empathie: Jemand der die Geschichte betrachtet, kann nicht feststellen, „wie die Vergangenheit tatsächlich war, sondern er entwickelt eine Vorstellung, wie sie gewesen sein könnte.“[4] Gute Historiker bemühen sich möglichst genau anhand von Quellen als Beweismittel die tatsächlichen Geschehnisse zu erfassen und zu rekonstruieren, aber stoßen natürlich an gewisse Grenzen, die es unmöglich machen, Vergangenes hundertprozentig zu rekonstruieren. Dazu kommt, dass unser gegenwärtiger Blick (als Betrachter der Geschichter) auf die Geschichte durch die Gegenwart und unsere Prägung und Sozialisation geformt ist. Geschichte zu rekonsturieren verlangt die Fähigkeit sich in die Denk- und Verhaltensweise anderer Menschen aus anderen Kulturen, anderen Epochen hineinzuversetzen und sie kritisch im Lichte der Beweisführung der Quellenkritik zu betrachten.

Geschichte ist Erzählung: Das Darstellen von Zusammenhängen, die Interpretation von vergangenen Geschehnissen und das Überprüfen von Quellen auf ihren Wahrheitsgehalt stellen meist ungeahnte Herausforderungen an den Historiker, der sich keine fiktiven Sachverhalte ausdenken darf, sondern um Authentizität und um Wahrheit bemüht sein sollte.

Geschichte ist Unterhaltung: Die Faszination von Geschichte und ihren Überlieferungen von fremden Kulturen, ruhmreichen Helden und großen Königreichen versetzt seit Beginn der Zeit alle Menschen in Staunen und Neugier. Die Auseinandersetzung mit Geschichte übt auf den Menschen einen besonderen Reiz aus, denn sie befriedigt in gewisser Art die menschliche Neugierde und das Interesse an Fremdartigem und Unbekanntem.


[1] Kugler, Martin: Geschichtsforschung: Der lange Atem von Mythen, URL: http://diepresse.com/home/science/563911/index.do?_vl_backlink=/home/science/index.do [Zugriff: 01.06.2010]

[2] Jeremy, David: “Business History and Strategy.” Handbook of Strategy and Management. 2001. SAGE Publications. 15 Apr. 2010. <http://www.sage-ereference.com/hdbk_strategymgmt/Article_n19.html>. S. 4. [Zugriff: 10.07.2012]

[3] Priester, Sascha: “Wir sind unser Geld wert!”, in: P.M. History, 2/2009. S. 84.

[4] Jordan, Stefan; Landwehr, Joachim (Hrsg.): Theorien und Methoden der Geschichtswissenschaft – Orientierung Geschichte. [UTB: Bachelor Bibliothek] Paderborn u.a. 2009. S. 42

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