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		<title>Die Kriegsführung des Deutschen Ordens im Baltikum</title>
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		<pubDate>Wed, 25 Apr 2012 18:08:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p>Zur Zeit des Hochmittelalters herrschte die allgemein verbreitete Denkweise, dass die Herrschaftsbildung und der Erwerb von Besitztümern in einem heidnischen Gebiet durch christliche Herrscher sowie Ritter und Adlige dazu dienten, dort die christliche Mission voranzutreiben und zu schützen und alle Widerstände gegen das Christentum zu beseitigen. So sollte der „weltliche Arm“, das heißt militärische und politische Mittel die Ausbreitung des Christentums vorantreiben. Mit der Bewältigung dieser Aufgaben waren Ritterorden wie der Deutsche Orden betraut, die im Heiligen Land gegründet worden waren.<a title="" href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-1' id='fnref-972-1'>1</a></sup></a></p>
<p>So kam es im Jahre 1147 dazu, dass erstmals erwogen wurde, das ursprüngliche Vorhaben der Kreuzzugsidee, nämlich die Verteidigung des Christentums bzw. die Wiedergewinnung heiliger Stätten in Jerusalem, auf die Gebiete der Heiden in den Gebieten wie Brandenburg, Mecklenburg und Pommern zu übertragen. Bei dieser Adaption der Kreuzzugsidee ging es darum, einen <em>„religiös verdienstlichen Heidenkampf[…]“</em><a title="" href="#_ftn2"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-2' id='fnref-972-2'>2</a></sup></a><em> </em>für die <em>„Wiedererlangung christlicher Besitzrechte oder zum Schutze der Kirche oder der Christen“</em><a title="" href="#_ftn3"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-3' id='fnref-972-3'>3</a></sup></a> gegen die als heidnisch bezeichneten Völker in nordosteuropäischen Gebieten zu führen. Ursprünglich musste ein, im Sinne des von Kirchenvater Augustinus von Hippo ausgerufener, „gerechter Krieg“ „<em>im Namen und auf Anordnung einer legitimen Autorität“</em><a title="" href="#_ftn4"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-4' id='fnref-972-4'>4</a></sup></a> wie z.B. dem Papst oder dem Kaiser ausgerufen werden. Weiterhin musste dem heiligen Krieg ein gerechter Kriegsgrund wie eine Unrechtshandlung des Gegners zugrundeliegen und gute Absichten mussten mit der Ausübung des Krieges verbunden sein.<a title="" href="#_ftn5"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-5' id='fnref-972-5'>5</a></sup></a></p>
<p>Im folgenden Artikel soll der heutige Forschungsstand über das Kriegswesen des Deutschen Ordens in Preußen, Livland vorgestellt werden.</p>
<p><span id="more-972"></span></p>
<p>Ab der Mitte des 12. Jhr. begannen die Kreuzzüge gegen die heidnischen Elbslawen und gegen Ende des 12. Jhr. bzw. am Anfang des 13. Jhr. gegen die heidnischen Völker im Baltikum. Unter ihnen waren neben den Letten, Kuren, Esten auch die Litauer, Prußen und Liven.<a title="" href="#_ftn6"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-6' id='fnref-972-6'>6</a></sup></a> Letztere drei Völker sollten vor allem vom Deutschen Orden, einem geistlichen Ritterorden, christianisiert werden. Sogenannte geistliche Ritterordnen entstanden am Anfang des 12. Jhr. n. Chr. im Zusammenhang mit den Kreuzzügen von europäischen, christlichen Herrschern gegen muslimische Herrscher im Heiligen Land. Diese Ritterorden waren ähnlich einem geistlichen Glaubensorden mit Gelübden der <em>„Keuschheit, Armut und Gehorsam“</em><a title="" href="#_ftn7"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-7' id='fnref-972-7'>7</a></sup></a> organisiert, verbanden dieses jedoch mit einer Art christlichem Rittertum und dem organisierten militärischem Kampf gegen die Gegner der Christen. Als einer der drei größten geistlichen Ritterorden war der Deutsche Orden als ein Feldlazarett (<em>&#8220;Hospital Sankt Mariens des Deutschen Hauses zu Jerusalem&#8221;</em><a title="" href="#_ftn8"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-8' id='fnref-972-8'>8</a></sup></a>)<em> </em>nach dem Dritten Kreuzzug im Zeitraum vom Winter 1189 bis Frühjahr 1190 entstanden. Diese Gruppe von Ordensbrüdern,  die sich aus Bremer und Lübecker Kreuzfahrern zusammen setzte, machte es sich zur Aufgabe, die Kranken und Verletzten während einer Belagerung zu versorgen und sich am Heidenkampf zu beteiligen.<a title="" href="#_ftn9"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-9' id='fnref-972-9'>9</a></sup></a> Obwohl nach der Eroberung Akkons in Syrien die Brüder des neuen Ordens nicht die Befehlsgewalt über alle Spitäler Akkons erhielten, nahmen ihre Besitztümer und ihr Einfluss in und um Akkon zu. Im Laufe der nächsten Jahre erhielten sie weitere Privilegien und waren für die <em>„Versorgung der Pilger, Kranken und Bedürftigen“</em><a title="" href="#_ftn10"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-10' id='fnref-972-10'>10</a></sup></a> zuständig und wurden nach ihrer Erhebung 1198 zu einem Ritterorden auch in den militärischen Kampf gegen die Sarazenen einberufen.<a title="" href="#_ftn11"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-11' id='fnref-972-11'>11</a></sup></a> Schließlich wurde die Erhebung zum Ritterorden am 19. Februar 1199 von Papst Innnozenz III. bestätigt.<a title="" href="#_ftn12"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-12' id='fnref-972-12'>12</a></sup></a></p>
<p><strong>Der heutige Forschungsstand über die Kriegsführung des Deutschen Ordens</strong></p>
<p>Nach der Rückeroberung des Heiligen Landes durch die Sarazenen ab 1291 zogen sich auch die Brüder des Deutschen Ordens endgültig von dort zurück. Dem Deutschen Orden blieben zahlreiche einzelne Besitzungen im Heiligen Römischen Reich und auch außerhalb des Reiches, jedoch besaßen sie kein zusammenhängendes größeres Territorium, über das sie alleine herrschen konnten.<a title="" href="#_ftn13"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-13' id='fnref-972-13'>13</a></sup></a> Zudem mussten sie auf der Balkanhalbinsel die Besitzung Burzenland in Siebenbürgen, die sie für ihre Hilfe in der Schlacht von 1211 gegen die Kumanen vom König von Ungarn erhalten hatten, wegen ihrer Vertreibung von dort bereits um 1225 wieder verlassen.<a title="" href="#_ftn14"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-14' id='fnref-972-14'>14</a></sup></a></p>
<p><strong>Der Deutsche Orden im Baltikum</strong></p>
<p>Schließlich wurde um 1225/1226 der Orden dringend gebeten, Konrad von Masowien zu helfen, seine Grenzen gegen den Einfall der heidnischen Prußen zu verteidigen.<a title="" href="#_ftn15"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-15' id='fnref-972-15'>15</a></sup></a> Außerdem sollte die Christianisierung des Baltikums fortgeführt werden, denn bereits von 1200 bis 1226 hatten polnische Herzöge zahlreiche vergebliche Versuche unternommen, durch Kreuzzüge die heidnischen Prußen zu christianisieren. Der 1216 vom Papst Innozenz III. zum Bischof von Preußen ernannte Christian organisierte viele dieser gewaltsamen Unternehmungen und bemühte sich zugleich, Besitzungen östlich der Weichsel im pommerellischen-prußischen Grenzgebiet zu erlangen.<a title="" href="#_ftn16"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-16' id='fnref-972-16'>16</a></sup></a> Im Kruschwitzer Vertrag übergab Konrad um 1230 dem Deutschen Orden, unter der Leitung des Hochmeisters Hermann von Salza, Gebiete wie das Kulmer Land, das Löbauer Land, alle künftigen eroberten Gebiete im Preußenland sowie die am linken Weichselufer gelegenen Städte Orlow und Nessau, die als die Ausgangspunkte für die ersten Eroberungsfeldzüge fungieren sollten.<em> </em> Kaiser Friedrich II. stattete in der Goldenen Bulle von Rimini, deren Ausstellung entweder auf 1226 oder 1235 datiert wird, den Deutschen Orden mit weiteren Privilegien zur Eroberung des Preußenlandes aus und bestätigte die Schenkungen Konrads.<a title="" href="#_ftn17"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-17' id='fnref-972-17'>17</a></sup></a></p>
<p>So begannen die Ordensbrüder ab 1230/1231 unter der Leitung des Landmeisters Hermann von Balk mit der Eroberung des Preußenlandes <em>„entlang der Weichsel und […] der Ostküste“</em><a title="" href="#_ftn18"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-18' id='fnref-972-18'>18</a></sup></a> und errichteten mit Hilfe der Kreuzfahrer  zahlreiche Städte und Burgbefestigungen, sorgten für die <em>„Ansiedlung christlicher Bevölkerung“</em><a title="" href="#_ftn19"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-19' id='fnref-972-19'>19</a></sup></a><em>, </em>verpflichteten die unterworfenen Prußen zu Dienstleistungen und unternahmen gewaltsame Missionierungsversuche der Prußen. Zudem wurden die Ordensritter bei ihren ersten Kreuzzügen gegen die Prußen durch die Truppen der polnischen Herzöge aus Kujawien, Masowien, Schlesien und dem pommerellischen Herzog Swantopolk unterstützt.<a title="" href="#_ftn20"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-20' id='fnref-972-20'>20</a></sup></a></p>
<p>Bis 1233 war das Kulmerland weitestgehend erobert und man zog in das prußische Pomesanien und errichtete dort Stützpunkte und griff prußische Burgen an. Ab 1237 wurden die Pogesanier unterworfen und die Burg Elbing (Elbląg) errichtet.<a title="" href="#_ftn21"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-21' id='fnref-972-21'>21</a></sup></a> Von 1240 bis 1255 eroberte man auch die Gebiete des Samlands an der Küste. Das Preußenland wurde ab 1243 in die vier Diözesen Pomesanien, Kulmerland, Ermland und Samland aufgeteilt und unterstand dem Schutz des Papstes. Schließlich wurden die Gebiete Preußens bis 1283 vom Deutschen Orden erobert.<a title="" href="#_ftn22"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-22' id='fnref-972-22'>22</a></sup></a></p>
<p>Zusätzlich zu den errungenen herrschaftlichen Befugnissen im Preußenland hatte sich auch in Livland um 1236 eine Perspektive für die Etablierung des Deutschen Ordens ergeben: Nach einer verheerenden Niederlage gegen die Litauer in Schaulen (Šiauliai) wurde der Schwertbrüderorden auf Geheiß des Papstes Gregor IX. vom Deutschen Orden inkorporiert und der Deutsche Orden führte die Missionierung Livlands weiter. Bereits seit 1185 hatten deutsche Kaufleute und Hartwig II, der Erzbischof von Hamburg-Bremen friedliche Versuche unternommen, die Liven zu christianisieren. Als dies scheiterte, ergriff man mit den Kreuzzügen gewaltsame Mittel zur Christianisierung der Bewohner Livlands und gründete 1202 den Schwertbrüderorden, der den Bischof bei seiner Mission unterstützen sollte.<a title="" href="#_ftn23"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-23' id='fnref-972-23'>23</a></sup></a> Die Missionierung Livlands ging einher mit der <em>„systematischen Unterwerfung des Landes“</em><a title="" href="#_ftn24"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-24' id='fnref-972-24'>24</a></sup></a>, was bedeutete, dass Livland zu zwei Dritteln in je zwei bischöfliche Kirchenstaaten unterteilt wurde und das letzte Drittel dem Schwertbrüderorden gehörte. Auch der Deutsche Orden durfte nach der Inkorporation des Schwertbrüderordens nur ein Drittel Livlands eigenständig beherrschen und unterstand <em>„wie zuvor die Schwertbrüder, der Oberhoheit des Bischofs von Riga.“</em><a title="" href="#_ftn25"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-25' id='fnref-972-25'>25</a></sup></a><em> </em>Von 1242 bis 1244 eroberte der Deutsche Orden zudem das benachbarte Kurland und ließ 1245 in Goldingen (Kuldīga) eine Burg errichten. Ein Drittel des Kurlandes unterstand künftig dem Deutschen Orden, zwei Dritteln den Bischöfen, allerdings war der Orden im Kurland nicht, wie in Livland, <em>„der Obödienz des Bischofs unterworfen.“</em><a title="" href="#_ftn26"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-26' id='fnref-972-26'>26</a></sup></a> Die Organisation des Deutschen Ordens gliederte sich vermutlich seit ihren Anfängen in fünf Ämter (Großgebietiger), die dem Hochmeister untergeben waren. Es gab den Großkomtur, der die meisten Besitzungen des Ordens besaß und verwaltete und der Stellvertreter des Hochmeisters war. Weiterhin war der <em>Spittler „der Oberaufseher des Spitalwesens“</em>, der Tressler <em>„verwaltete die Privatschatulle und das persönliche Vermögen des Hochmeisters“</em><a title="" href="#_ftn27"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-27' id='fnref-972-27'>27</a></sup></a><em>.</em> Dem Obersttrappier oblag die Zensorenbefugnis über Kleidung und Erscheinung der Ordensritter und dem Marschall oblag alle Befehlsgewalt über das Militär. Zusätzlich gab es die Landmeister von Preußen und Livland sowie den Deutschmeister, der für die Balleien im Deutschen Reich zuständig war.<a title="" href="#_ftn28"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-28' id='fnref-972-28'>28</a></sup></a></p>
<p>Eine direkte Verbindung der Gebiete des Deutschen Ordens – Livland, Kurland und Preußen &#8211; war über Land nicht gegeben, denn zwischen Preußen und Livland steckte mit dem Land der heidnischen Samaiten, zugehörig zum Großfürstentum Litauen, ein Keil.<a title="" href="#_ftn29"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-29' id='fnref-972-29'>29</a></sup></a> Die jeweiligen politischen Gegebenheiten sowie die geo-strategische Lage des Deutschen Ordens in Livland und Preußen bargen angesichts der zentralen Vorhaben des Deutschen Ordens wie der Oberherrschaft über die heidnischen Gebiete, dem Heidenkampf und der Christianisierung reichlich Konfliktpotenzial: Der Deutsche Orden befand sich einerseits inmitten prußischer Bevölkerung und benachbart zu polnischen Herzögen, andererseits inmitten der Liven und benachbart zu russischen und litauischen Fürsten sowie weiteren heidnischen Völkern. Auch die fortschreitende Expansion und die Machtzunahme des Deutschen Ordens sorgten für weitere Konflikte, die sich wiederholt in kriegerischen Auseinandersetzungen entluden. Folglich war die Eroberung und Besiedlung der Gebiete Preußen und Livland über die Jahre mit erheblichen Widerständen seitens der indigenen Bevölkerung oder der benachbarten Fürstentümer verbunden. Zwei dieser kriegerischen Auseinandersetzungen sollen im Folgenden beispielhaft und  überblicksartig vorgestellt werden, um daran anknüpfend den Forschungsstand über das Kriegswesen des Deutschen Ordens in Preußen und Livland zu ermitteln.</p>
<p><strong>Die Feldzüge des Deutschen Ordens im Baltikum</strong></p>
<p>Grundsätzlich unterscheidet man bei den kriegerischen Auseinandersetzungen des Deutschen Ordens im Baltikum zwischen territorialen Feldzügen und religiös-begründeten Feldzügen. Erstere hatten ihren Ursprung meist in politischen Differenzen und bei letzteren wurde die Ausführung des Feldzuges mit religiösen Zwecken begründet. Diese religiös begründeten Feldzüge können als eine Fortführung der Kreuzzüge verstanden werden. Welche machtpolitischen Ziele und Absichten im Einzelnen mit den Kriegen des Deutschen Ordens im Baltikum verfolgt wurden, steht aber nicht im Vordergrund dieser Untersuchung.</p>
<p>Ein Beispiel für einen territorialen Feldzug des Deutschen Ordens stellt folgende Begebenheit in Livland dar: Um sein eigenes Herrschaftsgebiet in Livland zu erweitern und <em>„die Stellung des Ordenszweigs zu festigen und dessen Unabhängigkeit zu stärken“</em><a title="" href="#_ftn30"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-30' id='fnref-972-30'>30</a></sup></a>, drängte der Deutsche Orden nach der Übernahme herrschaftlicher Befugnisse darauf, weitere Gebiete östlich von Livland wie die Fürstentümer Pleskau und Novgorod einzunehmen. Zwar eroberte der Deutsche Orden im Jahr 1240 die Stadt Pleskau (Pskow), wurde aber von dort wieder zurückgedrängt und erlitt am 5. April 1242 am Peipussee unter dem Landmeister Hermann Dietrich von Grüningen eine Niederlage gegen ein russisches Heer unter dem Großfürsten Alexander Newsky.<a title="" href="#_ftn31"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-31' id='fnref-972-31'>31</a></sup></a></p>
<p>Religiös-begründete Feldzüge des Deutschen Ordens stellten im Baltikum mitunter die jährlichen bzw. im Sommer und Winter stattfindenden „Littauerreisen“ oder „Preußenreisen“ dar, bei denen ab dem Jahr 1302/1304 aus dem Deutschen Reich und aus Westeuropa zahlreiche Kreuzfahrer kamen, um an den Grenzen Livlands gegen vermeintlich heidnische Gegner zu kämpfen. Unter den Gegnern des „Heidenkampfes“ waren auch die Litauer, die ab 1386 offiziell und in den Augen des Bischofs von Riga nicht mehr heidnisch waren, jedoch trotzdem unter dem Vorwurf angegriffen wurden, sie täuschten ihre Bekehrung nur vor. Diese „Reisen“ oder Heerfahrten wurden als Raubzüge geführt; man mag als Beweggründe und Motivation der „Reisenden“ für die Feldzüge zu Recht politische, ethische Gründe und auch das pure Vergnügen am Rittersport anführen; für die Christianisierung der angegriffenen Völker brachten diese Unternehmungen keinen Erfolg. Auch eine päpstliche Bulle von 1402 hielt den Deutschen Orden nicht davon ab, weitere Feldzüge zu führen. Erst 1422 ebbten die Angriffe ab und wurden allmählich eingestellt.<a title="" href="#_ftn32"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-32' id='fnref-972-32'>32</a></sup></a></p>
<p><strong>Die Art der Kriegsführung</strong></p>
<p>Hinsichtlich der Art der Kriegsführung des Deutschen Ordens mit den Strategien und angewendeten Kampftaktiken sowie den in Feldzügen verfolgten Zielsetzungen ist laut aktuellem Forschungsstand folgendes zu konstatieren: Für die Eroberung, Besetzung und Verwaltung der Gebiete des Deutschen Ordens im Baltikum stellten die zahlreichen Siedlungstätigkeiten, aber vor allem die Städtegründungen (die meist als Großburgen befestigt waren) und der Bau oder Ausbau von Burgbefestigungen eine zentrale Rolle dar. Durch die Burgen konnte auch der Zugang zur Weichsel, zum Frischen Haff und zum Nogat und damit auch zu Nachschüben an Truppen und Ressourcen gesichert werden.<a title="" href="#_ftn33"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-33' id='fnref-972-33'>33</a></sup></a> In den Burgen, die bis 1270 als Holz-Erde-Befestigungen konstruiert waren, waren häufig Komtureien enthalten, die, als das administrative und militärische Zentrum des Ordens, mit dem Komtur und zwölf ihm untergebenen Ordensrittern, begleitet von jeweils zwei Knechten sowie weiteren Kreuzfahrern, Waffenträgern oder Söldnern besetzt waren.<a title="" href="#_ftn34"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-34' id='fnref-972-34'>34</a></sup></a> Weitere wichtige Verwaltungs-einheiten des Deutschen Ordens waren zudem die Konvente und Kapitel.<a title="" href="#_ftn35"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-35' id='fnref-972-35'>35</a></sup></a></p>
<p>Bezüglich der Art und Weise, wie Kriege zwischen dem Deutschen Orden und seinen Gegnern geführt wurden und wie sich die Heftigkeit dieser kriegerischen Auseinandersetzungen begründete, ist zunächst festzustellen, dass niemand von seinem Gegner Schonung erwartete und daher brutal und erbarmungslos gekämpft wurde. Außerdem waren die vom Deutschen Orden geführten Kriege in der Regel Heidenkriege bzw. mussten als Kriege gegen Heiden deklariert sein, sodass die Gegner des Deutschen Ordens – eben da sie als heidnisch bezeichnet wurden  &#8211;  keinen Anspruch darauf hatten, <em>„nach den Regeln des Rittertums behandelt zu werden.“</em><a title="" href="#_ftn36"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-36' id='fnref-972-36'>36</a></sup></a><em> </em>Die im Baltikum praktizierte Kriegspolitik des Ordens mit der Kriegsstrategie der „Verbrannten Erde“ ähnelte einem Vernichtungskrieg, der nicht nur die vollständige militärische Unterwerfung der Gegner beinhaltete, sondern auch die Zerstörung der gegnerischen Infrastruktur, einhergehend mit der Plünderung sämtlicher verwertbarer Ressourcen sowie der Geiselnahme von Frauen und Kindern.<a title="" href="#_ftn37"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-37' id='fnref-972-37'>37</a></sup></a> Natürlich kämpften die Ordensbrüder im Baltikum auf eine andere Art und Weise als ihre Ordensbrüder im Heiligen Land, doch waren die Vernichtungskreuzzüge zeitgemäß und populär und im Kontext der frühmittelalterlichen Kreuz- und Feldzüge gängige Praxis.<a title="" href="#_ftn38"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-38' id='fnref-972-38'>38</a></sup></a></p>
<p>Bei den Feldzügen gegen die Prußen, aber auch auf den „Littauerreisen“ agierten die Truppen des Deutschen Ordens und der Kreuzfahrer in der Regel so, dass sie die Prußen bei ihren Wohnsitzen angriffen, ihre wirtschaftlichen Ressourcen wie z. B. Felder niederbrannten oder plünderten. Sie nahmen Frauen und Kinder zu Gefangenen, töteten alle waffenfähigen Männer, zerstörten Burgen und Dörfer, sodass ihren Gegnern nichts zur Wiederherstellung und Regeneration übrigblieb. Zudem sandte man häufig Kundschafter aus, bevor man einen Feldzug unternahm.<a title="" href="#_ftn39"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-39' id='fnref-972-39'>39</a></sup></a> Obwohl die Ritter des Deutschen Ordens sicherlich zu Beginn der Eroberung Preußens über die dortigen geographischen Gegebenheiten keine so guten Kenntnisse wie die Prußen besaßen, erwuchs ihnen im Kampf dadurch meist kein größerer Nachteil, da sie von ihrer Organisation, der Kampftaktik, ihrer Kampfausrüstung mit gepanzerten Reitern und Armbrust sowie ihrer Kampfstärke, deutlich im Vorteil waren.<a title="" href="#_ftn40"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-40' id='fnref-972-40'>40</a></sup></a></p>
<p>Die Kriege mussten jedoch aufgrund der geographischen Gegebenheiten anders als in mediterranen Ländern geführt werden, denn im Preußenland und Livland waren Truppenbewegungen oftmals durch dichte Wälder, Moore, Kälte und Schnee behindert. Hier waren die leicht bewaffneten baltischen Völker im Vorteil, die zudem die bessere Kenntnis über die geographischen Gegebenheiten besaßen. Für die Durchführung von Winterfeldzügen war man darauf angewiesen, dass Seen und Flüsse zugefroren waren.<a title="" href="#_ftn41"><sup class='footnote'><a href='#fn-972-41' id='fnref-972-41'>41</a></sup></a></p>
<p>Um ein detaillreicheres Bild von der Art der Kriegsführung des Deutschen Ordens im Baltikum zu erhalten, ist es lohnenswert die Beschreibungen der Chroniken des Deutschen Ordens wie z. B. die des Peter von Dusburgs oder die der Älteren Hochmeisterchronik näher zu untersuchen. Viele der in diesem Artikel aufgeführten Beschreibungen der Kriegsführung finden sich auch in den Darstellungen wieder, doch manches Detail tritt in den Beschreibungen der Chronik auch deutlicher heraus. Auch muss immer wieder der Versuch unternommen werden die Darstellungen der Chroniken auf ihre jeweilige Authenzität zu überprüfen. Mit Sicherheit werden in der nächsten Zeit diese Versuche die weitere Forschungsdebatte über die Kriegsführung des Deutschen Ordens bestimmen.</p>
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<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong> Blümel, Jonathan (2012): Die Kriegsführung des Deutschen Ordens im Baltikum. In: JBSHistoryBlog.de. URL: <a href="http://jbshistoryblog.de">http://jbshistoryblog.de</a> [Zugriff: DD:MM:YYYY]</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong><br />
</strong></p>
<p><strong>Bibliographie:</strong></p>
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<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-972-1'>Vgl. Boockmann, Hartmut: der Deutsche Orden. Zwölf Kapitel aus seiner Geschichte. München 1981. S. 73ff. ; Labuda, Gerard: Teil 2. Entstehung und Entwicklung des Deutschordensstaates in Preussen, in: Biskup, Marian / Labuda, Gerard: Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen. Wirtschaft – Gesellschaft – Staat – Ideologie. Osnabrück 2000. S. 115. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-2'>Siehe Boockmann 1981. S. 74. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-3'>Siehe Riley-Smith, Jonathan, s.v. Kreuzzug, in TRE 20. S. 1. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-4'>Siehe Riley-Smith, Jonathan, s.v. Kreuzzug, in LMA 5, S. 1508. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-5'>Vgl. Riley-Smith, Jonathan, s.v. Kreuzzug, in LMA 5, S. 1508. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-6'>Vgl. Labuda, Gerard: Teil 1: Das ursprüngliche Preussen, in Preussen, in: Biskup, Marian / Labuda, Gerard: Die Geschichte des Deutschen Ordens in Preußen. Wirtschaft – Gesellschaft – Staat – Ideologie. Osnabrück 2000. S. 110. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-7'>Siehe Sarnowsky, Jürgen: Der Deutsche Orden. München 2007. S. 8 u. 19. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-8'>Siehe Sarnowsky 2007. S. 9. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-9'>Vgl. Schreiber, Hermann: Der Deutsche Orden unter den Kreuzrittern. Hamburg 2008. S. 62 ; Labuda in Labuda/Biskup 2000. S. 118. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-10'>Siehe Militzer, Klaus: Die Geschichte des deutschen Ordens. Stuttgart 2005. S. 14. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-10'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-11'>Vgl. Sarnowsky 2007. S.15. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-11'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-12'>Vgl. Militzer 2005. S. 12-14 ; Sarnowsky 2007. S. 15 ; Boockmann 1981. S. 32. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-12'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-13'>Vgl. Boockmann 1981. S. 38 ; Labuda in Biskup/Labuda 2000. S. 122-132. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-13'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-14'>Vgl. Sarnowsky 2007. S. 28 -31 ; Schreiber 2008. S. 72-81 ; Boockmann 1981. S. 38 ; Labuda in Biskup/Labuda 2000. S. 132-138. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-14'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-15'>Vgl. Boockmann 1981. S. 69. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-15'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-16'>Vgl. Sarnowsky 2007. S. 32-33 ; Boockmann 1981. S. 71ff. ; Labuda in: Labuda/Biskup 2000. S. 102-107. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-16'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-17'>Vgl. Sarnowsky 2007. S. 35-36 ; Militzer, Klaus: Die Geschichte des deutschen Ordens. Stuttgart 2005. S. 63-64 ; Boockmann 1981. S. 81-87. Anm.: Vermutlich stand der Kaiser 1226 in Verhandlungen mit dem Deutschen Orden und Konrad von Masowien sowie Reichsfürsten. Die Ausstellung einer Goldbulle um 1226 bleibt aber umstritten. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-17'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-18'>Siehe Sarnowsky 2007. S. 34. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-18'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-19'>Siehe Sarnowsky 2007. S. 34. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-19'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-20'>Vgl. Labuda in Biskup/Labuda 2000. S. 163. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-20'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-21'>Vgl. Militzer 2005. S. 66 ; Schreiber 2008. S. 114. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-21'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-22'>Vgl. Sarnowsky 2007. S.39 ; Labuda in: Biskup/Labuda. S. 150 ; Boockmann 1981. S. 94-96. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-22'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-23'>Vgl. Sarnowsky 2007. S. 34. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-23'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-24'>Siehe Labuda in Labuda/Biskup 2000. S. 110. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-24'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-25'>Siehe Labuda in Biskup/Labuda 2000. S. 155. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-25'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-26'>Siehe Militzer 2005. S. 79. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-26'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-27'>Siehe Schreiber S. 63-64. ; Biskup in Labuda/Biskup 2000. S. 301. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-27'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-28'>Vgl. Biskup in Labuda/Biskup 2000.  S. 300. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-28'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-29'>Vgl. Boockmann 1981. S. 94. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-29'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-30'>Siehe Militzer 2005. S. 79. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-30'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-31'>Vgl. Sarnowsky 2007. S. 39 ; Labuda in Biskup/Labuda 2000. S. 155. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-31'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-32'>Vgl. Paravicini, Werner, s.v. Preußenreise, in: LMA VII. S. 197 ; Boockmann, Hartmut: s.v. Preußenreise, in LMA III. S. 774 ; Militzer 2005. S. 117 ; Hruschka, Constantin: Kriegsführung und Geschichtsschreibung im Spätmittelalter : eine Untersuchung zur Chronistik der Konzilszeit. Köln 2001. S. 98-99 ; Boockmann 1981. S. 160 ; Ziegler, Uwe: Kreuz und Schwert. Köln 2003. 144-148. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-32'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-33'>Vgl. Militzer 2005. S. 65-66 u. S. 74 ; Labuda in Biskup/Labuda 2000. S. 163. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-33'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-34'>Vgl. Labuda in Biskup/Labuda 2000. S. 180-185 ; Militzer 2005. S. 71 u. 105-106. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-34'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-35'>Vgl. Biskup in Labuda/Biskup 2000.  S. 300. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-35'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-36'>Siehe Boockmann 1981. S. 168. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-36'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-37'>Vgl. Hruschka 2001. S. 108. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-37'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-38'>Vgl. Forey, Alan: The military orders: from the twelfth to the early fourteenth centuries. Basingstoke 1992. S. 48 ; Hruschka 2001. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-38'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-39'>Vgl. Militzer 2005. S. 117 ; Labuda in Labuda/Biskup 2000. S. 185. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-39'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-40'>Vgl. Labuda in Labuda/Biskup 2000. S. 185 ; Militzer 2005. S. 66. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-40'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-972-41'>Vgl. Forey 1992. S. 49. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-972-41'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Wilde Flusslandschaft oder wertvolle Kulturlandschaft? Über die Begradigung des Oberrheins (IV)</title>
		<link>http://jbshistoryblog.de/2012/03/wilde-flusslandschaft-oder-wertvolle-kulturlandschaft-uber-die-begradigung-des-oberrheins-iv/</link>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 16:19:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben am Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Auenwälder am Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[David Blackbourn]]></category>
		<category><![CDATA[Deichbau]]></category>
		<category><![CDATA[Denaturierung des Rheins]]></category>
		<category><![CDATA[Folgen der Rheinkorrektur]]></category>
		<category><![CDATA[Grand Canal d’ Alsace]]></category>
		<category><![CDATA[Hochwasser am Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Integriertes Rheinprogramm]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Gottfried Tulla]]></category>
		<category><![CDATA[Max Honsell]]></category>
		<category><![CDATA[Oberrhein]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinbegradigung]]></category>
		<category><![CDATA[Rheinkorrektur]]></category>
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		<category><![CDATA[Verschmutzung des Rheins]]></category>
		<category><![CDATA[Wirtschaft am Rhein]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Oberrhein des 20. und 21. Jahrhunderts Das heutige Oberrheingebiet Für die Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts bedeutete die Korrektion dennoch ein Segen.1 Aus der Sicht Alexa Geisthövels löste sie aber langfristig gravierende Umweltschäden aus.2 In Beiträgen der Landesanstalt für Naturschutz Baden- Württemberg wird die drastische Umgestaltung der Landschaftsstruktur und Naturhaushalt seit Tulla ersichtlich.3 Aus der [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Der Oberrhein des 20. und 21. Jahrhunderts</h2>
<h3>Das heutige Oberrheingebiet</h3>
<p>Für die Zeitgenossen des 19. Jahrhunderts bedeutete die Korrektion dennoch ein Segen.<a href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-1' id='fnref-951-1'>1</a></sup> </a>Aus der Sicht Alexa Geisthövels löste sie aber langfristig gravierende Umweltschäden aus.<a title="" href="#_ftn2"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-2' id='fnref-951-2'>2</a></sup></a> In Beiträgen der Landesanstalt für Naturschutz Baden- Württemberg wird die drastische Umgestaltung der Landschaftsstruktur und Naturhaushalt seit Tulla ersichtlich.<a title="" href="#_ftn3"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-3' id='fnref-951-3'>3</a></sup></a> Aus der früheren Wildstromlandschaft ist durch die starke Absenkung des Grundwasserspiegels die <em>„Steppe am Oberrhein“</em> geworden.<a title="" href="#_ftn4"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-4' id='fnref-951-4'>4</a></sup></a> <em>„Großflächig und dauerhaft breiteten sich Trockenstandorte aus.“</em><a title="" href="#_ftn5"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-5' id='fnref-951-5'>5</a></sup></a> Stehende Gewässer trockneten aus.<a href="#_ftn6"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-6' id='fnref-951-6'>6</a></sup> </a>85% der feuchten Oberrheinauen verschwanden.<a title="" href="#_ftn7"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-7' id='fnref-951-7'>7</a></sup></a> Schon im 19. Jahrhundert wurden große Flächen trocken gelegt und einer landwirtschaftlichen Nutzung zugeführt.<a title="" href="#_ftn8"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-8' id='fnref-951-8'>8</a></sup></a> Mit dem Verlust an Auenwald, Sümpfen und Feuchtwiesen reduzierte sich auch die Anzahl der Pflanzen- und Tierarten, deren Platz oftmals von „<em>eingeschleppten Arten“</em> übernommen wurde.<a title="" href="#_ftn9"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-9' id='fnref-951-9'>9</a></sup></a><span id="more-951"></span></p>
<p>Eine weitere Denaturierung der Rheinufer erfolgte durch den Bau der Rheintalautobahn, von Kiesgruben und einer Kreismülldeponie.<a title="" href="#_ftn10"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-10' id='fnref-951-10'>10</a></sup></a> Große Industriekomplexe sowie ein Kernkraftwerk auf elsässischer Seite vervollständigen das Bild des modernen südlichen Oberrheins.<a title="" href="#_ftn11"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-11' id='fnref-951-11'>11</a></sup></a> Im ehemaligen Überflutungsraum liegen heute etliche Gemeinden, Industrie- und Verkehrsanlagen oder Abraumhalden.<a title="" href="#_ftn12"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-12' id='fnref-951-12'>12</a></sup></a> Bei Basel und mit seinen Chemiekonzernen beginnt die Verschmutzung des Rheins, die sich mit den elsässischen Industriekomplexen, einschließlich Chemischer Großindustrie und Müllverbrennungsanlagen bei Straßburg/Kehl, fortsetzt.<a href="#_ftn13"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-13' id='fnref-951-13'>13</a></sup></a></p>
<p>Charakteristisch für das deutsche Ufer sind seine großen Wein-, Mais- und Weizenanbauflächen.<a title="" href="#_ftn14"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-14' id='fnref-951-14'>14</a></sup></a> Blackbourn schildert die heutige Oberrheinebene als <em>„blühender Garten“</em> mit reich kultivierten Feldern. <a title="" href="#_ftn15"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-15' id='fnref-951-15'>15</a></sup></a> Er sieht aber auch, dass Düngemittel als Abfallsprodukt des <em>„blühenden Gartens“</em> den Fluss zusätzlich verunreinigten.<a title="" href="#_ftn16"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-16' id='fnref-951-16'>16</a></sup></a> Die winzigen Überreste der alten Auenwälder hingegen verzaubern ihn.<a title="" href="#_ftn17"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-17' id='fnref-951-17'>17</a></sup></a></p>
<h3>Weitere Eingriffe im späten  20. Jahrhundert</h3>
<p>Die kultivierte Agrarlandschaft der südlichen Oberrheinebene bewegt viele deutsche Autoren zu einem wehmütigen Rückblick in die Zeit vor den Korrektionen des 19. Jahrhunderts.<a href="#_ftn18"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-18' id='fnref-951-18'>18</a></sup></a> Das Gemälde Peter Birmanns gehört hierbei zum Standard jeder Oberrheinauen Beschreibung.<a title="" href="#_ftn19"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-19' id='fnref-951-19'>19</a></sup></a></p>
<p>Es waren aber die Eingriffe des 20. Jahrhunderts, die dem Oberrhein erst endgültig seinen Wildstromcharakter nahmen und einen enormen Verlust an Auenfläche zur Folge hatten.<a title="" href="#_ftn20"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-20' id='fnref-951-20'>20</a></sup></a></p>
<p>Tullas Nachfolger erreichten, dass bis Ende des 20. Jahrhunderts die Nebenarme des alten Rheins fast vollständig gesperrt waren, so dass kein Wasser in den Rhein mehr einfließen konnte.<a title="" href="#_ftn21"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-21' id='fnref-951-21'>21</a></sup></a> Zudem bauten sie die Deiche kontinuierlich aus.<a title="" href="#_ftn22"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-22' id='fnref-951-22'>22</a></sup></a> Vor allem bei der Rheinregulierung nach den Plänen Honsells wurde der Strom noch einmal eingeengt um durch eine erhöhte Fließgeschwindigkeit und Tiefenerosion eine größere Fahrtiefe zu erhalten.<a title="" href="#_ftn23"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-23' id='fnref-951-23'>23</a></sup></a> Durch so genannte Querbauten suchte man eine bestimmte Mindestbreite und –tiefe des Fahrwassers sicherzustellen.<a href="#_ftn24"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-24' id='fnref-951-24'>24</a></sup></a></p>
<p>Die natürlichen Kräfte des Ökosystems hätten aber trotz der Eingriffe durch Tullas Korrektion und Honsells Niederwasserregulierung ein bedingt ökologisches Gleichgewicht wiederherstellen können, <em>„was der Landschaft aber in den letzten 60 Jahren angetan worden ist, stellt das Vorhergegangene in den Schatten und hat die natürliche Landschaft zerstört.“</em><a title="" href="#_ftn25"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-25' id='fnref-951-25'>25</a></sup></a></p>
<p>Der Bau und Ausbau des „<em>Grand Canal d’ Alsace</em>“ als geschlossenen Rheinseitenkanal erfolgte zwischen 1928 und 1955.<a title="" href="#_ftn26"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-26' id='fnref-951-26'>26</a></sup></a> Um Elektrizität zu gewinnen, wird das Wasser aus dem Rhein in diese <em>„Betonrinne“</em> geleitet und Flusskraftwerken zugeführt.<a title="" href="#_ftn27"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-27' id='fnref-951-27'>27</a></sup></a> „Der „<em>Canal d’Alsace</em>“ hat dem Rhein das Wesen genommen. Aus dem reißenden Strom ist ein müder Fluss geworden.“<a title="" href="#_ftn28"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-28' id='fnref-951-28'>28</a></sup></a> <em>„Die Schalthebel der Wehre entscheiden, ob der Rhein ein Fluss, ein Bach oder ein Rinnsal ist.“</em><a title="" href="#_ftn29"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-29' id='fnref-951-29'>29</a></sup></a> Das ökologische Ergebnis aller Ausbaumaßnahmen ist die heutige Trockenaue.<a title="" href="#_ftn30"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-30' id='fnref-951-30'>30</a></sup></a> Das ökonomische Ergebnis ist die sehr teure Nachschüttung von Kies, die so genannte <em>„Geschiebezugabe“</em>, um die schon kurz nach Tullas Tod überschrittene optimale Tiefenmarke der Sohlenerosion zu stoppen, die die Fundamente der Ufer- und Strombauwerke, die Häfen sowie Land- und Forstwirtschaft gefährden.<a title="" href="#_ftn31"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-31' id='fnref-951-31'>31</a></sup></a></p>
<p>Weitere Bauten von Kraftwerksstaustufen nach dem Zweiten Weltkrieg im seitlich betonierten Kanal und im alten Rheinbett beschleunigten die Austrocknung des Oberrheingebiets.<a title="" href="#_ftn32"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-32' id='fnref-951-32'>32</a></sup></a> All diese <em>„Nach- Tulla- Arbeiten“</em> erhöhten aber die Gefahr eines Katastrophenhochwassers am Mittel- und Niederrheingebiet um ein Vielfaches, da der Fluss am Oberrhein bei Hochwasser nicht mehr ausufern kann und das Wasser in seiner schmalen, geraden <em>„Rinne“</em> eine enorme Beschleunigung erfährt, dessen Auswirkungen die Städte flussabwärts, vor allem Mannheim und Köln, vermehrt zu spüren bekommen.<a title="" href="#_ftn33"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-33' id='fnref-951-33'>33</a></sup></a></p>
<h3><strong>Aussicht und Fazit</strong></h3>
<p>Um dem Hochwasser am Mittel- und Niederrhein beizukommen, legte das Land Baden- Württemberg im Jahr 1988 sein „Integriertes Rheinprogramm“ (IRP) vor.<a title="" href="#_ftn34"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-34' id='fnref-951-34'>34</a></sup></a> In diesem Programm wurden zwei Ziele festgelegt: 1. Die Widerherstellung des Hochwasserschutzes und 2. Die Erhaltung und Renaturierung der Auenlandschaft am Oberrhein.<a title="" href="#_ftn35"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-35' id='fnref-951-35'>35</a></sup></a> Im Jahr 1997 beschlossen die verschiedenen Landesanstalten eine Tieferlegung von Vorlandflächen auf einem ca. 90 Meter breiten Streifen um Hochwasserrückhaltebecken (so genannte Polder) zu gewinnen, und eine Auenrenaturierung voranzutreiben.<a title="" href="#_ftn36"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-36' id='fnref-951-36'>36</a></sup></a></p>
<p>Bei allem Enthusiasmus vieler Autoren für eine Renaturierung der feuchten Auen darf man nicht vergessen, dass nennenswerte Flächenanteile von Trockenstandorten in der Wildstromaue auch schon in der „Vor-Tulla-Zeit“ vorhanden waren und der Artenbestand in der Trockenaue trotz der Ausbaumaßnahmen weitestgehend ursprünglich geblieben ist.<a title="" href="#_ftn37"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-37' id='fnref-951-37'>37</a></sup></a> Viele Schriftsteller schwärmen in ihren Darstellungen bevorzugt von den feuchten Auenbereichen vor den großen Ausbaumaßnahmen, übersehen dabei aber häufig den überragenden Wert der Flora und Fauna der trockengefallenen Rheinauen am südlichen Oberrhein, einem der wärmsten Gebiete Deutschlands.<a title="" href="#_ftn38"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-38' id='fnref-951-38'>38</a></sup></a> Die Beiträge der Landesanstalt für Umweltschutz sprechen von einem in Deutschland einmaligen Landschaftraumsraum, <em>„der auf großer Fläche höchst seltene und wertvolle Biotypen […] und eine Fülle bemerkenswerterte Tier- und Pflanzenarten“</em> aufweist.<a title="" href="#_ftn39"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-39' id='fnref-951-39'>39</a></sup></a></p>
<p>Wertvolle Trockenbiotope sollten aus Sicht heutiger Umweltschützer nicht einfach durch Auenbiotope ersetzt werden.<a title="" href="#_ftn40"><sup class='footnote'><a href='#fn-951-40' id='fnref-951-40'>40</a></sup></a> Der Schutz und die Entwicklung nicht beanspruchter Trockenauenbereiche und die Generation von Feuchtauenbiotopen müssen gleichzeitig gefördert werden.<a title="" href="#_ftn41">[41.</a><a title="" href="#_ftn40">Vgl. Meineke. S. 487.</a><a title="" href="#_ftn41">]</a></p>
<p>Tullas Oberrheinkorrektion kann nicht allein mit heutigen Maßstäben bewertet werden. Sein Traum war eine verbesserte Lebensbedingung der Oberrheinanwohner. Zwar haben schon einige Zeitgenossen vor den kommenden negativen Auswirkungen gewarnt, für die Menschen des 19. Jahrhunderts aber war sein Großprojekt ein Segen in schwierigen Zeiten. Unter den damaligen Bedingungen war eine umfassende Lösung „alternativlos“, ansonsten hätte man die Rheinauen als Siedlungsgebiet aufgeben müssen.</p>
<p>Tullas Großprojekt half außerdem mit den neuen badischen Staat entlang seiner Hauptschlagader zu integrieren. Welch ökologische Spätfolgen seine „Rectification“ mit sich brachte, konnte er zum einen noch nicht vollständig vorhersehen, zum anderen waren es erst die Ausbaumaßnahmen seiner Nachfolger und die Bauarbeiten des 20. Jahrhunderts, die den Oberrhein in einen Kanal und somit in eine Bedrohung für die stromabwärts gelegenen Städte verwandelte. Für die „Versteppung“ des Oberrheingebiets zeichnet sich Tulla ebenso nicht allein verantwortlich.</p>
<p>Die Kultivierung und industrielle Erschließung des Oberrheinraumes ist zudem nicht per se ein negatives Faktum. Sie ermöglichen nicht nur eine gute Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten, sondern schufen auch eine Vielzahl an Arbeitsplätzen. Mit der „Zivilisation“ begann zwar auch die Verschmutzung des Oberrheingebiets, aber auch die Erschließung des Verkehrswegs Fluss. Am Anfang war Tullas Idee, aber erst die weitreichenden folgenden Ausbaumaßnahmen ermöglichten die Schiffbarkeit und die Industrialisierung des Rheins mit all seinen negativen und positiven Folgen. Mit dem Ende alter Lebenswelten beginnt aber auch immer etwas Neues. Tullas Traum stand also am Anfang eines langen Prozesses der Kultivierung des Gebietes und der Kanalisierung des Rheins. Mit Tulla änderten sich Denkhorizonte. Seine „Nachfolger“ im Wasserbau setzten da an, wo Tulla aufgehört hatte. Was vorher unmöglich erschien, war denkbar geworden. Dies ist sein Verdienst aber auch die Hauptkritik an seinem Schaffen.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong>Dembek, Christoph (2012): Wilde Flusslandschaft oder wertvolle Kulturlandschaft? Über die Begradigung des Oberrheins (IV). In: JBSHistoryBlog.de. URL: <a href="http://jbshistoryblog.de">http://jbshistoryblog.de</a> [Zugriff: DD:MM:YYYY]</p>
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<p><strong><br />
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<p><strong>Bibliographie:</strong></p>
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<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-951-1'>Vgl. Geisthövel, Alexa: Restauration und Vormärz 1815-1847. Seminarbuch Geschichte, Paderborn 2008. S. 102-103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-2'>Ebenda. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-3'>Vgl. Baum, Frank/ Meineke, Jörg- Uwe/ Neumann Christoph/ Schmid- Egger, Christian: Das „Trockenaueprojekt“. Vorgeschichte und Zielsetzung, in: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg, Ubstadt-Weiher 2000, S. 11. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-4'>Siehe Baum, Frank/ Meineke, Jörg- Uwe/ Neumann Christoph/ Schmid- Egger, Christian: Das „Trockenaueprojekt“. Vorgeschichte und Zielsetzung, in: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg, Ubstadt-Weiher 2000, S. 11. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-5'>Siehe Vgl. Baum, Frank/ Meineke, Jörg- Uwe/ Neumann Christoph/ Schmid- Egger, Christian: Das „Trockenaueprojekt“. Vorgeschichte und Zielsetzung, in: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg, Ubstadt-Weiher 2000, S. 11. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-6'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 143. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-7'>Ebd. S. 139. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-8'>Ebd. S. 139. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-9'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 139-140 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-10'>Vgl. Baum: Das „Trockenaueprojekt“, S. 11. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-10'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-11'>Vgl. Baum: Das „Trockenaueprojekt“, S. 11. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-11'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-12'>Vgl. Huppmann, Othmar/ Pfarr, Ulrike/ Staber, Herbert-Michael: Die Planung eines Hochwasserrückhalteraumes am südliche Oberrhein zwischen Basel und Breisach- Hochwasserschutz und Naturschutz Hand in Hand, in: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg, Ubstadt-Weiher 2000, S. 37. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-12'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-13'>Vgl. Tümmers, Horst Johannes: Der Rhein. Ein europäischer Fluss und seine Geschichte, München 1994. S. 158-171. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-13'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-14'>Ebd. S. 171-184. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-14'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-15'>Siehe. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 129. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-15'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-16'>Ebd. S. 141. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-16'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-17'>Ebd. S. 139-140. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-17'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-18'>Vgl. Coch, Thomas: Einführung in den Naturraum. Zur Frage primärer Trockenstandorte in der Wildstromaue des südlichen Oberrheingebietes, in: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg, Ubstadt-Weiher 2000. S. 25  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-18'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-19'>Ebenda S. 26. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-19'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-20'>Ebenda S. 25. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-20'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-21'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 144-145. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-21'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-22'>Ebd. S. 145. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-22'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-23'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 149. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-23'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-24'>Schwabe, Erich: Mensch und Oberrhein. Besiedlungsgeschichte, in: Die Auen am Oberrhein. Ausmaß und Perspektiven des Landschaftswandels am südlichen und mittleren Oberrhein seit 1800, hrsg. von Werner A. Galluser und Andre Schenker, Basel/ Boston/Berlin 1992. S. 53. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-24'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-25'>Siehe Tümmers: Der Rhein, S. 149. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-25'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-26'>Vgl. Coch: Einführung in den Naturraum, S. 24. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-26'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-27'>Vgl. Coch: Einführung in den Naturraum, S. 25. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-27'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-28'>Siehe  Coch: Einführung in den Naturraum, S. 25. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-28'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-29'>Siehe Coch: Einführung in den Naturraum, S. 25. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-29'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-30'>Vgl. Huppmann: Die Planung eines Hochwasserrückhalteraumes am südliche Oberrhein, S. 37. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-30'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-31'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 148 u. S. 154-155. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-31'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-32'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 156. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-32'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-33'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 156. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-33'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-34'>Vgl. Huppmann: Die Planung eines Hochwasserrückhalteraumes, S. 35. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-34'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-35'>Vgl. Huppmann: Die Planung eines Hochwasserrückhalteraumes, S. 35. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-35'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-36'>Ebd, S. 40-45. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-36'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-37'>Vgl. Meineke, Jörg-Uwe/ Ostermann, Alexander/ Jehle, Peter: Naturschutz in der Trockenaue. Erhalten und Gestalten, in: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg, Ubstadt-Weiher 2000, S. 483. Vgl. Coch: Einführung in den Naturraum, S. 15. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-37'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-38'>Vgl. Coch: Einführung in den Naturraum, S. 15-18. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-38'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-39'>Siehe Baum: Das „Trockenaueprojekt“, S. 11. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-39'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-951-40'>Vgl. Meineke. S. 487. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-951-40'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fjbshistoryblog.de%2F2012%2F03%2Fwilde-flusslandschaft-oder-wertvolle-kulturlandschaft-uber-die-begradigung-des-oberrheins-iv%2F&amp;title=Wilde%20Flusslandschaft%20oder%20wertvolle%20Kulturlandschaft%3F%20%C3%9Cber%20die%20Begradigung%20des%20Oberrheins%20%28IV%29" id="wpa2a_4"><img src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Wilde Flusslandschaft oder wertvolle Kulturlandschaft? Über die Begradigung des Oberrheins (III)</title>
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		<pubDate>Tue, 20 Mar 2012 16:17:40 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben am Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Schiffahrt]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Dampfschiffahrt am Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Fährschiffahrt am Rhein]]></category>
		<category><![CDATA[Folgen der Rheinkorrektur]]></category>
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		<category><![CDATA[Markgrafschaft Baden]]></category>
		<category><![CDATA[Max Honsell]]></category>
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		<description><![CDATA[Die Begradigung des Oberrheins und ihre Auswirkungen im 19. Jahrhundert Napoleon und die integrative Macht der Oberrheinkorrektion In den letzten Jahren des Heiligen Römischen Reiches wurde die Möglichkeit einer umfassenden Lösung des Überschwemmungsproblems am Oberrhein zwar erörtert, scheiterte aber an den unterschiedlichen Interessen der vielen unabhängigen Fürstentümer, Bistümer und Reichsritterschaften am südwestlichen Rand des Reiches.1 [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h2>Die Begradigung des Oberrheins und ihre Auswirkungen im 19. Jahrhundert</h2>
<h3>Napoleon und die integrative Macht der Oberrheinkorrektion</h3>
<p>In den letzten Jahren des Heiligen Römischen Reiches wurde die Möglichkeit einer umfassenden Lösung des Überschwemmungsproblems am Oberrhein zwar erörtert, scheiterte aber an den unterschiedlichen Interessen der vielen unabhängigen Fürstentümer, Bistümer und Reichsritterschaften am südwestlichen Rand des Reiches.<a href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-1' id='fnref-947-1'>1</a></sup></a> Erst das Ende des alten Reiches und das Verschwinden der zahlreichen territorialen Gerichtshoheiten entlang des Oberrheins , herbeigeführt durch die Armeen Napoleons, schufen die Grundlagen für eine Gesamtlösung.<a href="#_ftn2"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-2' id='fnref-947-2'>2</a></sup></a> Die kleine Markgrafschaft Baden war einer der großen Gewinner dieser napoleonischen Umwälzungen.<a href="#_ftn3"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-3' id='fnref-947-3'>3</a></sup></a> Tullas Heimatland und Arbeitgeber eignete sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts zahlreiche Territorien rechts des Hoch- und Oberrheins an.<a title="" href="#_ftn4"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-4' id='fnref-947-4'>4</a></sup></a> Die Fläche Badens wuchs um das Vierfache und nahm nun die gesamte Flussstrecke von Konstanz bis Mannheim ein.<a title="" href="#_ftn5"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-5' id='fnref-947-5'>5</a></sup></a> Der neue Staat war ein Geschöpf Napoleons, dessen Armeen das linksrheinische Gebiet annektierten.<a title="" href="#_ftn6"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-6' id='fnref-947-6'>6</a></sup></a><span id="more-947"></span></p>
<p>Für Tulla und die Befürworter der Korrektion bedeutete die territoriale Neuordnung deshalb ein günstiger Zeitpunkt zur Verwirklichung ihres Bauvorhabens, da außenpolitische Verträge nur noch zwischen Frankreich und Baden abgeschlossen werden mussten.<a title="" href="#_ftn7"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-7' id='fnref-947-7'>7</a></sup></a></p>
<p>Sie erkannten aber auch die gesellschaftspolitischen Möglichkeiten, welche Arbeiten an der nun badischen Lebensader bargen. <a title="" href="#_ftn8"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-8' id='fnref-947-8'>8</a></sup></a> Aus dem vormals kleinen Baden war zwar ein deutscher Mittelstaat geworden, doch fehlte es seiner um das Fünffache gewachsenen Bevölkerung noch an einer gemeinsamen badischen Identität.<a title="" href="#_ftn9"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-9' id='fnref-947-9'>9</a></sup></a> Dieses heterogene Kunstgebilde musste erst noch zusammenwachsen.<a title="" href="#_ftn10"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-10' id='fnref-947-10'>10</a></sup></a> Der Regierung in Karlsruhe konnte deshalb an integrativen Maßnahmen nur gelegen sein um ihre neuen Untertanen in ihrem nun entstandenen einheitlichen Territorialstaat zu integrieren.<a title="" href="#_ftn11"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-11' id='fnref-947-11'>11</a></sup></a></p>
<p>Im Verlauf der Rektifikation des Rheins zeigte sich, <em>„dass die verschiedenen Beamtenapparate zusammengefasst und zentralisiert, Informationen über die neu gewonnenen Territorien gesammelt, neue Karten gezeichnet, Rechts- und Steuersysteme sowie Maß- und Gewichtseinheiten vereinheitlicht wurden.“</em><a title="" href="#_ftn12"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-12' id='fnref-947-12'>12</a></sup></a> Zudem warf die Flussregulierung verschiedenste finanzielle und verwaltungstechnische Fragen auf, die den gesamten neuen Staatsapparat mobilisierte.<a title="" href="#_ftn13"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-13' id='fnref-947-13'>13</a></sup></a> Die aktive Beteiligung unterschiedlichster Ministerien, Direktionen und Kammern an diesem Unternehmen förderte zusätzlich den Prozess der Staatsbildung.<a title="" href="#_ftn14"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-14' id='fnref-947-14'>14</a></sup></a></p>
<p>Zudem beendete die Korrektion bisherige Zwistigkeiten unter den links- und rechtsrheinischen Gemeinden. Bisher änderte der Rhein seinen Lauf fast jedes Jahr, nun bestanden sichere und stabile Verhältnisse in Gemarkungsfragen und bei Hochwassersicherungsmaßnahmen. <a title="" href="#_ftn15"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-15' id='fnref-947-15'>15</a></sup></a> Frankreich und Baden einte zudem der Wunsch nach einem unveränderlichen und somit korrigierten Flussverlauf um ihre Grenze zu konsolidieren.<a title="" href="#_ftn16"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-16' id='fnref-947-16'>16</a></sup></a><em> </em>Aus Sicht eines Straßburgers begünstigten die „staatenlosen“ Rheininseln und ihre Bewohner auch <em>„Störungen aller Art“</em>, welche Tulla durch seine Rektifikation <em>„löste“</em>.<a title="" href="#_ftn17"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-17' id='fnref-947-17'>17</a></sup></a></p>
<p>Der Zusammenbruch des Napoleonischen Reiches 1814 machte aber bisherige Vereinbarungen gegenstandslos, da Frankreich abgesehen vom Elsass vom linken Rheinufer zurückgedrängt wurde.<a title="" href="#_ftn18"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-18' id='fnref-947-18'>18</a></sup></a> Verhandlungen mussten jetzt mit Bayern stattfinden, dem jetzt die Pfalz auf dem linken Rheinufer gehörte.<a title="" href="#_ftn19"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-19' id='fnref-947-19'>19</a></sup></a> 1817 und 1825 kam es zum Abschluss von Verträgen, in denen zusammen zwanzig Durchstiche an der badisch-bayrischen Rheingrenze vereinbart wurden.<a title="" href="#_ftn20"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-20' id='fnref-947-20'>20</a></sup></a> Es folgten weitere Abkommen zwischen den Oberrheinstaaten Baden, Hessen und Bayern.<a title="" href="#_ftn21"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-21' id='fnref-947-21'>21</a></sup></a> Erst 1840 kam es zu einem Grenzvertrag zwischen Baden und Frankreich, der unter anderem die Begradigung des Rheins zwischen Baden und dem Elsass vorsah.<a title="" href="#_ftn22"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-22' id='fnref-947-22'>22</a></sup></a> Tullas Traum des „rectificirten“ Rheins erfüllte sich zwar erst Jahrzehnte nach seinem Tod, in den Jahren als Bismarck sein neues Reich schmiedete, doch das Ergebnis spricht für seine gewaltige Dimension: Insgesamt wurde der Rhein zwischen Basel und Worms um fast ein Viertel seiner Länge, von 345 auf 273 Kilometer gekürzt; über 2200 Inseln und Halbinseln mit einer Fläche von über 1000 km² wurden abgetragen und 240 km Hauptdeiche errichtet.<a title="" href="#_ftn23"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-23' id='fnref-947-23'>23</a></sup></a> <em>„Es war das größte Bauvorhaben, das jemals in Deutschland in Angriff genommen wurde.“</em><a title="" href="#_ftn24"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-24' id='fnref-947-24'>24</a></sup></a></p>
<h3>Landgewinnung und Kultivierung</h3>
<p><em> </em>Im 19. Jahrhundert machten sich die positiven Auswirkungen der Korrektion recht schnell bemerkbar.<a href="#_ftn25"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-25' id='fnref-947-25'>25</a></sup></a> Durch die Tiefenerosion und das schnellere Abfließen des Wassers hörten Überschwemmungen und Versumpfungen im Oberrheingebiet auf.<a href="#_ftn26"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-26' id='fnref-947-26'>26</a></sup></a> Die Niederungen wurden zuverlässig entwässert und das Grundwasser sank in eine für die Landwirtschaft günstige Lage.<a href="#_ftn27"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-27' id='fnref-947-27'>27</a></sup> </a>In diesen Jahren konnten gute Ernten erzielt werden.<a href="#_ftn28"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-28' id='fnref-947-28'>28</a></sup></a> Die Entwässerung der Oberrheinauen sorgte verknüpft mit einer besseren medizinischen Versorgung auch dafür, dass die Häufigkeit der Malariafälle zurückging und das in den Rheinorten endemische Wechselfieber, Ruhr und Typhus verschwanden.<a title="" href="#_ftn29"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-29' id='fnref-947-29'>29</a></sup></a> <em>„Die Besiedelung bisher als feucht- und gesundheitsschädlich gemiedener Flächen war möglich geworden.“</em><a href="#_ftn30"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-30' id='fnref-947-30'>30</a></sup></a> <em>„Die Verwirklichung von Tullas Plan brachte (also) neue Sicherheit und neues Land.“</em> <a title="" href="#_ftn31"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-31' id='fnref-947-31'>31</a></sup></a>  Der intensiven Besiedelung folgten mittelbar der Ackerbau sowie der Anbau von Feldfrüchten.<a title="" href="#_ftn32"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-32' id='fnref-947-32'>32</a></sup></a> Die Rückeroberung und Kultivierung der Rheinauen war umso wichtiger als steigende Bevölkerungszahlen und Landhunger, vor allem in der Pfalz, zu großen Auswanderungswellen in die USA oder nach Ungarn und Preußen führten.<a title="" href="#_ftn33"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-33' id='fnref-947-33'>33</a></sup></a> Die Kosten der Rheinkorrektion beliefen sich bis 1884 allein auf badischer Seite auf rund 30 Millionen Mark.<a href="#_ftn34"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-34' id='fnref-947-34'>34</a></sup></a> Der Wertzuwachs des rechtrheinisch gewonnenen Kulturlandes bezifferte Max Honsell, der Nachfolger Tullas als Leiter der Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus, jedoch auf 40 Millionen Mark. <a href="#_ftn35"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-35' id='fnref-947-35'>35</a></sup> </a>Die Sicherung und Neugewinnung landwirtschaftlicher Nutzflächen, worauf die Korrektion vorrangig zielte, war demnach zufrieden stellend erreicht.<a href="#_ftn36"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-36' id='fnref-947-36'>36</a></sup></a> Den Zeitgenossen half sie jedenfalls verbessert zu leben und zu überleben.<a title="" href="#_ftn37"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-37' id='fnref-947-37'>37</a></sup></a> Die Einwohner einer rechtsrheinischen Gemeinde lobpreisten Tulla in einer Zeremonie überschwänglich, dass er „ <em>dem Rhein einen Panzer […] angelegt [habe], dass er nicht mehr- wie schon lange Zeit- nicht nur unser Allmend-Land, sondern so gar manchem Bürger sein sauer erworbenes Guth hinweg rafte</em>.“<a title="" href="#_ftn38"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-38' id='fnref-947-38'>38</a></sup></a><em><br />
</em></p>
<h3>Industrialisierung und Schifffahrt</h3>
<p>In der „Vor- Tulla- Zeit“ litt die Schifffahrt am südlichen Oberrhein an Uferabbrüchen, die das Anlegen und die Benutzung von Treidelpfäden oft vereitelten.<a title="" href="#_ftn39"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-39' id='fnref-947-39'>39</a></sup></a> Ständige Richtungsänderungen des Flusses erschwerten die zu dieser Zeit übliche Segelschifffahrt.<a title="" href="#_ftn40"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-40' id='fnref-947-40'>40</a></sup></a></p>
<p>Rheinabwärts von Basel entlang der badisch- französischen Grenze konnten zudem nur wenige Schiffe, rheinaufwärts aber gar keine fahren.<a title="" href="#_ftn41"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-41' id='fnref-947-41'>41</a></sup></a> Die Schifffbarkeit des südlichen Oberrheins war also Anfang des 19. Jahrhunderts sehr beschränkt.<a title="" href="#_ftn42"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-42' id='fnref-947-42'>42</a></sup></a> Am Oberrhein benötigte man des seichten Wassers wegen Segelschiffe mit besonders flachen Böden.<a title="" href="#_ftn43"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-43' id='fnref-947-43'>43</a></sup></a> Die Strecke Mainz- Straßburg auf dem nördlichen Oberrhein verschlang aufgrund der vielen Rheinschlingen dennoch zwanzig bis dreißig Tage.<a title="" href="#_ftn44"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-44' id='fnref-947-44'>44</a></sup></a></p>
<p>Tulla ging es zwar nicht vorrangig um die Schifffahrt, sondern um den Hochwasserschutz und um eine verbesserte Lebensgrundlage der Rheinanwohner.<a title="" href="#_ftn45"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-45' id='fnref-947-45'>45</a></sup></a> Sein Projekt erschwerte sogar zunächst die Segelschifffahrt, da die Boote bei Niedrigwasser nicht in Ufernähe gezogen werden konnten, weil der Rhein die Fläche zwischen den Ufern nicht ausfüllte.<a title="" href="#_ftn46"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-46' id='fnref-947-46'>46</a></sup></a> Eine gesicherte Fahrrinne und eine einheitliche Wassertiefe waren zudem noch nicht vorhanden. <a title="" href="#_ftn47"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-47' id='fnref-947-47'>47</a></sup></a></p>
<p>Die Arbeiten nach Tullas Plänen schufen aber erst die Voraussetzungen für den Ausbau des Oberrheins, die so genannte Rheinregulierung zwischen 1907 und 1936.<a title="" href="#_ftn48"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-48' id='fnref-947-48'>48</a></sup></a> Die Schiffbarmachung der Hauptrinne ermöglichte nun die ganzjährige Schifffahrt von Basel bis Mannheim, das bisher der südliche Endpunkt der Rheinschifffahrt war, da die Fahrrinne südlich von Mannheim der Kiesablagerungen und Untiefen wegen bisher schlecht passierbar war. <a title="" href="#_ftn49"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-49' id='fnref-947-49'>49</a></sup></a> Sie beschleunigte dadurch die Erschließung der Uferlandschaften, den Bau von Häfen und die Förderung von Handel und Industrie.<a title="" href="#_ftn50"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-50' id='fnref-947-50'>50</a></sup></a>Die Neuhäfen Breisach und Basel konnten 1930 beziehungsweise 1936 in Betrieb gehen. <a title="" href="#_ftn51"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-51' id='fnref-947-51'>51</a></sup></a>  Tullas Werk muss auch direkt die Dampfschifffahrt erleichtert haben, da sie seit 1824 stellenweise für den Oberrhein eingeplant wurde.<a title="" href="#_ftn52"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-52' id='fnref-947-52'>52</a></sup></a> Korrektion und Regulierung erleichterten also den Einzug der Dampfschifffahrt auf dem Oberrhein, da sie den Fluss in eine schnelle und tiefere Wasserstraße verwandelten.<a title="" href="#_ftn53"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-53' id='fnref-947-53'>53</a></sup></a></p>
<h3>Neue Lebenswelten am Oberrhein</h3>
<p>Schleppdampfer ersetzten das als kostspielig, langsam und unterbrechungsanfällig geltende Schleppen der Schiffe mittels Pferde.<a title="" href="#_ftn54"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-54' id='fnref-947-54'>54</a></sup></a> Vielen Händlern und Gewerbetreibenden waren Pferde und Taue schlicht zu teuer geworden.<a title="" href="#_ftn55"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-55' id='fnref-947-55'>55</a></sup></a> Der Beginn der Dampfschifffahrt bedeutete einerseits das Ende der Segelschifffahrt und des Treidelns samt ihren Berufszweigen, förderte aber zugleich neue Arbeitsplätze auf den Dampfbooten, auf denen man nun technische Spezialisten wie Mechaniker benötigte.<a title="" href="#_ftn56"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-56' id='fnref-947-56'>56</a></sup></a>  Auch viele andere alte Lebenswelten am Oberrhein gingen verloren.<a title="" href="#_ftn57"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-57' id='fnref-947-57'>57</a></sup></a> Mit dem Ende der alten Flusslandschaft verschwand auch das Fördern des Rheingolds und mit ihm der Berufszweig des Goldwäschers.<a title="" href="#_ftn58"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-58' id='fnref-947-58'>58</a></sup></a> Die Kanalisierung des Rheins ermöglichte den Bau von Brücken und großen städtischen Mühlen, die die Fährschifffahrt und Schiffsmühlen verdrängten.<a title="" href="#_ftn59"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-59' id='fnref-947-59'>59</a></sup></a> Mit den alten Tier- und Pflanzenarten verschwanden auch ältere Nutzungsformen des Schwemmlandes wie das Schilfrohrschneiden und das Vogelstellen<a title="" href="#_ftn60"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-60' id='fnref-947-60'>60</a></sup></a>  Wiesen- und Felderwirtschaft verdrängt diese Erwerbsformen.<a title="" href="#_ftn61"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-61' id='fnref-947-61'>61</a></sup></a> Die Ausbaumaßnahmen und die einsetzende Industrialisierung bereiteten dem Fischreichtum am Oberrhein ein schleichendes Ende, so dass die ursprünglich erwerbsrelevante Rheinfischerei, vor allem die Lachsfischerei, verloren ging.<a title="" href="#_ftn62"><sup class='footnote'><a href='#fn-947-62' id='fnref-947-62'>62</a></sup></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<div><a href="http://jbshistoryblog.de/2012/03/wilde-flusslandschaft-oder-wertvolle-kulturlandschaft-uber-die-begradigung-des-oberrheins-iv/">weiter gehts zu Teil IV</a><br />
<br clear="all" /><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong>Dembek, Christoph (2012): Wilde Flusslandschaft oder wertvolle Kulturlandschaft? Über die Begradigung des Oberrheins (III). In: JBSHistoryBlog.de. URL: <a href="http://jbshistoryblog.de">http://jbshistoryblog.de</a>[Zugriff: DD:MM:YYYY]<strong>Nachweis:</strong><strong>Bibliographie:</strong></div>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-947-1'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 117. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-2'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 116-117. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-3'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 116 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-4'>Vgl. Hug, Wolfgang: Geschichte Badens, Stuttgart 1992, S. 196- 199. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-5'>Vgl. Hug: Geschichte Badens, S. 196- 199. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-6'>Vgl. Hug: Geschichte Badens, S. 196- 199. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-7'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 117. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-8'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 117. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-9'>Vgl. Hug: Geschichte Badens, S. 199. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-10'>Vgl. Hug: Geschichte Badens, S. 199. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-10'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-11'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 117. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-11'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-12'>Siehe Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 117. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-12'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-13'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 118. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-13'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-14'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 118. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-14'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-15'>Ebd. S. 119-120. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-15'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-16'>Ebd. S. 119. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-16'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-17'>Ebd. S. 120. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-17'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-18'>Ebd. S. 120. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-18'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-19'>Ebd. S. 120. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-19'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-20'>Ebd. S. 121. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-20'>&#8617;</a></span></li>
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<li id='fn-947-25'>Tümmers, Horst Johannes: Der Rhein. Ein europäischer Fluss und seine Geschichte, München 1994. S. 147. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-25'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-26'>Tümmers, Horst Johannes: Der Rhein. Ein europäischer Fluss und seine Geschichte, München 1994. S. 147. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-26'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-27'>Tümmers, Horst Johannes: Der Rhein. Ein europäischer Fluss und seine Geschichte, München 1994. S. 147. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-27'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-28'>Tümmers, Horst Johannes: Der Rhein. Ein europäischer Fluss und seine Geschichte, München 1994. S. 148. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-28'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-29'>Ebd. S. 148. u. S. 184-186. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-29'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-30'>Siehe Tümmers, Horst Johannes: Der Rhein. Ein europäischer Fluss und seine Geschichte, München 1994. S. 148. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-30'>&#8617;</a></span></li>
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<li id='fn-947-35'>Hertweck, Georg: Die Geschichte des Rheinufers von den Anfängen bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs, in: Rheinhafen Karlsruhe hrsg. von Ernst Bräuche (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 22), Karlsruhe 2001, S. 33. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-35'>&#8617;</a></span></li>
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<li id='fn-947-41'>Vgl. Strauch, Dieter: Die Entwicklung des Rheinschifffahrtsrechts zwischen 1815 und 1868, in: Der Rhein als Verkehrsweg. Politik, Recht und Wirtschaft seit dem 18. Jahrhundert (Schriftenreihe der Niederrheinakademie Bd. 79), hrsg. von Clemens von Looz- Corswarem und Georg Mölich, Bottrop 2007, S. 67. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-41'>&#8617;</a></span></li>
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<li id='fn-947-52'>Vgl. Weber- Brosamer, Bernhard: „Die Weltordnung will weder Stillstand noch Rückschritt“. Zur Einführung der Dampfschifffahrt auf dem Rhein, in: Der Rhein als Verkehrsweg. Politik, Recht und Wirtschaft seit dem 18. Jahrhundert (Schriftenreihe der Niederrheinakademie Bd. 79), hrsg. von Clemens von Looz- Corswarem und Georg Mölich, Bottrop 2007, S. 95. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-52'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-53'>Vgl. Borscheid, Peter: Das Tempo-Virus. Eine Kulturgeschichte der Beschleunigung, Frankfurt a. M. 2004, S. 134. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-53'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-54'>Vgl. Borscheid: Das Tempo-Virus, S. 134. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-54'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-55'>Vgl. Borscheid: Das Tempo-Virus, S. 134. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-55'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-56'>Vgl. Weber- Brosamer: „Die Weltordnung will weder Stillstand noch Rückschritt“, S. 99. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-56'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-57'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 130. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-57'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-58'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 143. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-58'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-59'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 130. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-59'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-60'>Ebd. S. 131. u. S. 137-138. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-60'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-61'>Ebd. S. 131. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-61'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-947-62'>Ebd. S. 132-135. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-947-62'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fjbshistoryblog.de%2F2012%2F03%2Fwilde-flusslandschaft-oder-wertvolle-kulturlandschaft-uber-die-begradigung-des-oberrheins-iii%2F&amp;title=Wilde%20Flusslandschaft%20oder%20wertvolle%20Kulturlandschaft%3F%20%C3%9Cber%20die%20Begradigung%20des%20Oberrheins%20%28III%29" id="wpa2a_6"><img src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>Wilde Flusslandschaft oder wertvolle Kulturlandschaft? Über die Begradigung des Oberrheins (II)</title>
		<link>http://jbshistoryblog.de/2012/02/wilde-flusslandschaft-oder-wertvolle-kulturlandschaft-uber-die-begradigung-des-oberrheins-ii/</link>
		<comments>http://jbshistoryblog.de/2012/02/wilde-flusslandschaft-oder-wertvolle-kulturlandschaft-uber-die-begradigung-des-oberrheins-ii/#comments</comments>
		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 19:07:42 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben am Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Begradigung]]></category>
		<category><![CDATA[David Blackbourn]]></category>
		<category><![CDATA[Deichbau]]></category>
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		<category><![CDATA[Geschichte des Rheins]]></category>
		<category><![CDATA[Hochwasser]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Gottfried Tulla]]></category>
		<category><![CDATA[Johann Wolfgang von Goethe]]></category>
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		<category><![CDATA[Wasserbau]]></category>

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		<description><![CDATA[Die Stunde Johann Gottfried Tullas Viele Siedlungen zu beiden Seiten des Oberrheins waren jedoch zu Nahe am Wasser gebaut.1 Ihre große Vertrautheit mit den Gewohnheiten des Stromes und ihre Kenntnisse im Wasserbau schützten die Rheinanwohner mit Beginn der Frühen Neuzeit nicht mehr vor dessen Naturgewalten.2 Im 16., 17., und 18. Jahrhundert kam es zum Untergang [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<h3>Die Stunde Johann Gottfried Tullas</h3>
<p>Viele Siedlungen zu beiden Seiten des Oberrheins waren jedoch zu Nahe am Wasser gebaut.<a href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-1' id='fnref-916-1'>1</a></sup></a> Ihre große Vertrautheit mit den Gewohnheiten des Stromes und ihre Kenntnisse im Wasserbau schützten die Rheinanwohner mit Beginn der Frühen Neuzeit nicht mehr vor dessen Naturgewalten.<a href="#_ftn2"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-2' id='fnref-916-2'>2</a></sup> </a>Im 16., 17., und 18. Jahrhundert kam es zum Untergang von ganzen Ansiedlungen durch unverhältnismäßig heftige Überschwemmungen am Oberrhein.<a href="#_ftn3"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-3' id='fnref-916-3'>3</a></sup> </a><span id="more-916"></span>Vor allem in der Mäanderzone zwischen Karlsruhe und Speyer bedrohte das viele Wasser zunehmend das menschliche Leben am Fluss.<a href="#_ftn4"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-4' id='fnref-916-4'>4</a></sup></a> Aber auch weiter stromaufwärts mussten einige Dörfer und sogar Handelsstädte, wie Neuenburg am Ende des 15. und Rheinau im 16. Jahrhundert, aufgegeben werden.<a href="#_ftn5"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-5' id='fnref-916-5'>5</a></sup></a> Zudem waren große Flächen fruchtbaren Bodens versumpft, der Verkehr mit den Rheinorten war durch die ständigen Überschwemmungen erschwert und die Bewohner litten fast überall unter Fieberkrankheiten wie Malaria, Ruhr und Typhus.<a href="#_ftn6"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-6' id='fnref-916-6'>6</a></sup></a> Versumpfungen und  Überflutungen hatten also neben wirtschaftlichen, hygienischen auch ernste gesundheitliche Folgen, ausgelöst vor allem durch „Insektenplagen“.<a href="#_ftn7"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-7' id='fnref-916-7'>7</a></sup> </a>Selbst Johann Wolfgang von Goethe soll beim Anblick dieser Schnakenschwärme in den Rheinauen an der Gütigkeit und Weisheit Gottes gezweifelt haben.<a title="" href="#_ftn8"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-8' id='fnref-916-8'>8</a></sup></a></p>
<p>Die Menschen am Oberrhein kannten Hochwassersicherungs- und Landgewinnungsmaßnahmen schon vor dem 19. Jahrhundert.<a href="#_ftn9"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-9' id='fnref-916-9'>9</a></sup></a> Schon seit dem hohen Mittelalter befestigten sie Dämme mit Weidenfaschinen um Rheinaltarme abzuschnüren und Rheininseln zu verbinden und legten Deiche und Gräben zur Umleitung des Wassers an.<a href="#_ftn10"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-10' id='fnref-916-10'>10</a></sup></a> „<em>Auf großer Fläche konnte der Wildstrom jedoch nicht gezähmt werden“</em>.<a title="" href="#_ftn11"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-11' id='fnref-916-11'>11</a></sup></a> Der Fluss stellte seit Beginn des 18. Jahrhunderts eine mit herkömmlichen Mitteln kaum mehr abzuwendende Bedrohung dar.<a title="" href="#_ftn12"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-12' id='fnref-916-12'>12</a></sup></a> Eine Hauptursache hierfür war eine „Kleine Eiszeit“ zwischen 1550 und 1850.<a title="" href="#_ftn13"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-13' id='fnref-916-13'>13</a></sup></a> Die Ursache hierfür ist strittig, jedenfalls erlebte Mitteleuropa kältere Winter mit mehr Schneefall sowie niederschlagsreichere Sommer.<a title="" href="#_ftn14"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-14' id='fnref-916-14'>14</a></sup></a> In den Jahrzehnten nach 1735 führten größere Mengen der Schneeschmelze und schwere Regenfälle zu ungewöhnlich starken Hochwassern und zu einem Anstieg des Flusswasserpegels.<a title="" href="#_ftn15"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-15' id='fnref-916-15'>15</a></sup></a> Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts traten alle drei Jahre, zwischen 1799 und 1808 sogar jährlich, die Ufer über.<a title="" href="#_ftn16"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-16' id='fnref-916-16'>16</a></sup></a>  Gerade während die Bevölkerungszahlen im 18. Jahrhundert rapid stiegen, mussten oftmals ganze Dörfer umgesiedelt werden.<a title="" href="#_ftn17"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-17' id='fnref-916-17'>17</a></sup></a></p>
<p>Die großflächige Übernutzung der Auenwälder in Form zunehmenden Kahlschlags begünstigte weitere Hochwasserkatastrophen, weil die Fluten immer mehr Angriffsflächen fanden.<a title="" href="#_ftn18"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-18' id='fnref-916-18'>18</a></sup></a> Der Auenwald lieferte den Rheinbewohnern wichtige Bau- und Brennstoffe.<a title="" href="#_ftn19"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-19' id='fnref-916-19'>19</a></sup></a> Anfälliges Weide- und Ackerland verdrängte zunehmend wasserabsorbierende Waldgebiete und resistentes Unterholz.<a title="" href="#_ftn20"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-20' id='fnref-916-20'>20</a></sup></a>  Schon Forstwissenschaftler des 18. Jahrhunderts kritisierten die planlose Waldnutzung in Deutschland, die sich in Form gravierender Abholzungen und Umforstungen bemerkbar machte.<a title="" href="#_ftn21"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-21' id='fnref-916-21'>21</a></sup></a> Die Situation verschärfte sich noch als die jährlichen Hochwasser zu einer Anhebung des Flussbettes führten, da Sediment und Geschiebe vom Hochrhein flussaufwärts transportiert wurde und sich am Oberrhein ablagerten.<a title="" href="#_ftn22"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-22' id='fnref-916-22'>22</a></sup></a> Infolgedessen verbreiterten sich die überfluteten Gebiete immer mehr.<a title="" href="#_ftn23"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-23' id='fnref-916-23'>23</a></sup></a> Betrachtet man alle Faktoren ist es nicht verwunderlich, dass der Fluss in diesen Jahren 300 km² Auengebiete überschwemmte. <a title="" href="#_ftn24"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-24' id='fnref-916-24'>24</a></sup></a></p>
<p>Die Bewohner des Oberrheins versuchten dem Hochwasser zu begegnen indem sie ständig versuchten die Wälle zu erhöhen und neue Uferabschnitte einzudeichen um damit den Rhein in ein schmaleres Bett zu zwingen.<a title="" href="#_ftn25"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-25' id='fnref-916-25'>25</a></sup></a> Das erhöhte aber nur das Zerstörungspotenzial des Hochwassers, da das Wasser bei einem Deichbruch nicht mehr so schnell abfließen konnte.<a title="" href="#_ftn26"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-26' id='fnref-916-26'>26</a></sup></a> Allein in den Jahren 1801 und 1802 brachen zwischen Kehl und Philippsburg sechsundzwanzig Dämme.<a title="" href="#_ftn27"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-27' id='fnref-916-27'>27</a></sup></a> Von den Rheinanwohnern durchgeführte Durchstiche einzelner Flussschlingen,  die den Zweck hatten den Druck an einer Stelle zu verhindern, erhöhten nur die Hochwassergefahr an einer anderen Stelle.<a title="" href="#_ftn28"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-28' id='fnref-916-28'>28</a></sup></a> Beispielsweise unternahm die Gemeinde Hördt Mitte des 18. Jahrhunderts einen Durchstich, der bewirkte, dass die Felder des auf der anderen Rheinseite gelegenen Dorfes Dettenheim überflutet wurden und der folglich den Niedergang Dettenheims bedeutete.<a title="" href="#_ftn29"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-29' id='fnref-916-29'>29</a></sup></a> Blackbourn schließt sich Tullas zeitgenössischem Standpunkt an, dass die lokalen Bemühungen um die Zähmung des Flusses planlos, wirkungslos und oft kontraproduktiv waren.<a title="" href="#_ftn30"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-30' id='fnref-916-30'>30</a></sup></a></p>
<p>Die Lage war Anfang des 19. Jahrhunderts jedenfalls unhaltbar geworden, viele Landschaften versumpften und Ortschaften mussten aufgegeben und verlegt werden.<a title="" href="#_ftn31"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-31' id='fnref-916-31'>31</a></sup></a> Besonders in den Jahrzehnten nach 1740 geriet fast jedes Dorf in der Mäanderzone mindestens einmal in große Gefahr vom Hochwasser verschluckt zu werden.<a title="" href="#_ftn32"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-32' id='fnref-916-32'>32</a></sup></a> Die großen Überschwemmungen und Zerstörungen 1816 und 1817 beschleunigten sodann die Umsetzung der Arbeiten nach Tullas Plänen, die mit dem ersten Durchstich bei Neupfotz 1817 begannen.<a title="" href="#_ftn33"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-33' id='fnref-916-33'>33</a></sup></a> Nach Meinung Tümmers war die Stunde Tullas gekommen, weil man schlicht vor der Wahl stand, ob <em>„man entweder die Auen als Kulturlandschaft aufgab und sie wieder dem Rhein überließ, oder aber es musste eine tiefgreifende Verbesserung der Lage am Oberrhein eintreten“</em>.<a title="" href="#_ftn34"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-34' id='fnref-916-34'>34</a></sup></a></p>
<h2>Tullas großer Plan</h2>
<div class="mceTemp" style="text-align: center;">
<dl id="attachment_929" class="wp-caption alignleft" style="width: 212px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/Johann_Gottfried_TullaJS.jpg"><img class=" wp-image-929" title="Johann_Gottfried_TullaJS" src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/Johann_Gottfried_TullaJS-229x300.jpg" alt="" width="202" height="265" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Johann Gottfried Tulla</dd>
</dl>
</div>
<p>Ein 1822 formulierter Leitgedanke zeigt, wie Tulla sich den zukünftigen Wasserbau und die Gestalt der Flusslandschaften in Deutschland vorstellte: „<em>In der Regel sollten in kultivierten Ländern die Bäche, Flüsse und Ströme Kanäle sein und die Leitung der Gewässer in der Gewalt der Bewohner sein</em>.“<a title="" href="#_ftn35"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-35' id='fnref-916-35'>35</a></sup></a> Eine ungebändigte natürliche Flusslandschaft hatte nach den Vorstellungen Tullas im fortschrittsliebenden Deutschland des frühen 19. Jahrhunderts nichts mehr verloren, und die deutschen Gewässer sollten keinen Naturgewalten mehr unterworfen sein. In einem „Zwischenspiel“ in der Schweiz 1809 verstärkte er den Wunsch in großem Maßstab zudenken, und erarbeitete erstmals einen Entwurf einer durchgehenden „Rektifikation“ des ungebärdigen Rheins.<a title="" href="#_ftn36"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-36' id='fnref-916-36'>36</a></sup></a></p>
<p>Das technische Wissen der deutschen Wasserbauingenieure war zu diesem Zeitpunkt bereits auf einem sehr hohen Stand.<a title="" href="#_ftn37"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-37' id='fnref-916-37'>37</a></sup></a> Schon vor Tullas großen Plänen hatte man erfolgreich Flüsse der Norddeutschen Tiefebene, die Oder und Warte sowie Teile des Niederrheins mit seinen Nebenflüssen verkürzt, umgelenkt oder durch Schleusen unterbrochen.<a title="" href="#_ftn38"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-38' id='fnref-916-38'>38</a></sup></a> Ab dem 19. Jahrhundert konnten deutsche Fachleute ohne Hilfe holländischer Spezialisten diese Arbeiten verrichten, was sich beispielhaft an der Regulierung der Elbe unter der Mitwirkung Reinhard Woltmanns, den Tulla in Hamburg kennen lernte, zeigte.<a title="" href="#_ftn39"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-39' id='fnref-916-39'>39</a></sup></a> Norddeutschland war führend auf dem Gebiet des Wasserbaus, dennoch hatte man auch schon in Baden seit Jahrhunderten Deiche gebaut, Ufer befestigt und Durchstiche an Rhein und Murg vollzogen.<a title="" href="#_ftn40"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-40' id='fnref-916-40'>40</a></sup></a> <em>„Viele der Durchstiche in Tullas letztendlicher Rektifikation des Rheins waren (bereits) früher als Einzelmaßnahmen vorgeschlagen worden“</em>.<a title="" href="#_ftn41"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-41' id='fnref-916-41'>41</a></sup></a> Doch mit Tulla erstarkte das Bewusstsein das weitere und weitreichende Verbesserungen nötig waren und damit eine ganzheitliche Begradigung dieses Rheinabschnitts.<a href="#_ftn42"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-42' id='fnref-916-42'>42</a></sup></a> <em>„Es war (also) ihr Umfang und nicht diese oder jene besondere Neuerung die Tullas Pläne zu etwas Außergewöhnlichem, ja Aufsehen erregendem machte.“</em><a href="#_ftn43"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-43' id='fnref-916-43'>43</a></sup></a></p>
<div id="attachment_930" class="wp-caption alignleft" style="width: 109px"><a href="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/199px-Rheinkorrekturplan.png"><img class="size-medium wp-image-930" title="199px-Rheinkorrekturplan" src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/199px-Rheinkorrekturplan-99x300.png" alt="" width="99" height="300" /></a><p class="wp-caption-text">Skizze vom Plan der Rheinbegradigung im 19. Jhr.</p></div>
<p>Tulla verfasste 1812 eine Denkschrift, in der er generalsplanmäßig „<em>die Grundsätze nach welchen die Rheinbauarbeiten künftig zu führen seyn möchten</em>“  festlegte.<a href="#_ftn44"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-44' id='fnref-916-44'>44</a></sup></a> Die darin enthaltenen Ziele liefen auf eine völlige Neugestaltung des Flussverlaufes hinaus.<a href="#_ftn45"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-45' id='fnref-916-45'>45</a></sup></a> Tulla plante eine Korrektion des gesamten Oberrheins, der sich von Basel bis zur hessischen Grenze bei Worms auf 354 Kilometern erstreckt.<a href="#_ftn46"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-46' id='fnref-916-46'>46</a></sup> </a>Der Strom sollte nun in einem ungeteilten, zwischen 200 und 250 Metern gleichmäßig breiten Bett fließen.<a title="" href="#_ftn47"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-47' id='fnref-916-47'>47</a></sup></a> Das Flussbett würde mittels Durchstiche begradigt und durch Seitendämme derart eingeengt werden, so dass ein verkürzter und schneller fließender Strom sich selbst ein tieferes Bett graben würde.<a title="" href="#_ftn48"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-48' id='fnref-916-48'>48</a></sup></a> Die Tiefenerosion sollte den Grundwasserspiegel senken und somit die Oberrheinniederungen entwässern.<a title="" href="#_ftn49"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-49' id='fnref-916-49'>49</a></sup></a> Tullas Wunsch war es auf diese Weise die Rheinufergemeinden vor Überschwemmungen zu schützen, allgemein die Bewohnbarkeit des Rheintales zu sichern und zu verbessern und aus bisherigem Sumpfland wertvolles Kulturland zu gewinnen.<a title="" href="#_ftn50"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-50' id='fnref-916-50'>50</a></sup></a></p>
<p>Befürchtungen und Widerstände Preußens und der Niederlande, Länder mit großen Erfahrungen im Wasserbau, verwarf Tulla ebenso wie die Bedenken badischer Abgeordneter und anderer Fachleute.<a title="" href="#_ftn51"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-51' id='fnref-916-51'>51</a></sup></a> Ein zeitgenössischer Kritiker sprach von einem <em>„gewagten Plan“</em>, der <em>„Katastrophen herbeiführen“</em> werde, als er auf die Gefahr schwerer Überschwemmungen an Mittel- und Niederrhein als Folgeerscheinung der Oberrheinkorrektion hinwies.<a title="" href="#_ftn52"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-52' id='fnref-916-52'>52</a></sup></a></p>
<p>Tulla verteidigte seine Rektifikation als <em>„das einzige Rettungsmittel für die Rheinuferbewohner“</em>. <a title="" href="#_ftn53"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-53' id='fnref-916-53'>53</a></sup></a> Seine Kritiker waren <em>„nicht vom Fach“</em>, hatten <em>„beschränkte Ansichten“</em> und einer war darunter <em>„welcher vom Strombau nichts versteht“</em>. <a title="" href="#_ftn54"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-54' id='fnref-916-54'>54</a></sup></a> Einige Gemeinden am Rhein widersetzten sich dem Projekt in seinen Anfangsjahren, da sie befürchteten in Zeiten häufiger Missernten wertvolle Acker- und Waldflächen zu verlieren, so dass die Baumaßnahmen durch Soldaten geschützt werden mussten.<a title="" href="#_ftn55"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-55' id='fnref-916-55'>55</a></sup></a> Tulla warf den Verweigerern Ignoranz und engstirniges Eigeninteresse vor.<a title="" href="#_ftn56"><sup class='footnote'><a href='#fn-916-56' id='fnref-916-56'>56</a></sup></a></p>
<div>
<p><a href="http://jbshistoryblog.de/2012/03/wilde-flusslandschaft-oder-wertvolle-kulturlandschaft-uber-die-begradigung-des-oberrheins-iii/">Demnächst geht es weiter im Teil III  über die Begradigung des Rheins und ihre Auswirkungen im 19. Jahrhundert</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong></p>
<p>Dembek, Christoph (2012): Wilde Flusslandschaft oder wertvolle Kulturlandschaft? Über die Begradigung des Oberrheins (II). In: JBSHistoryBlog.de. URL: <a href="http://jbshistoryblog.de">http://jbshistoryblog.de</a> [Zugriff: DD:MM:YYYY]</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nachweis:</strong></p>
<p>Bildquelle: Johann Gottfried Tulla, in: Der Große Herder, Band 11, 1931 und auf <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Johann_Gottfried_TullaJS.jpg&amp;filetimestamp=20100405012612">Wikipedia</a></p>
<p>Bildquelle: Skizze vom Plan der Rheinbegradigung im 19. Jhr., auf <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Rheinkorrekturplan.png&amp;filetimestamp=20051212091528">Wikipedia</a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bibliographie:</strong></p>
<p>&nbsp;</p>
</div>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-916-1'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 102. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-2'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 102-103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-3'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 99-103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-4'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-5'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 99. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-6'>Tümmers, Horst Johannes: Der Rhein. Ein europäischer Fluss und seine Geschichte, München 1994. S. 140. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-7'>Vgl. Meurer, Rolf: Wasserbau und Wasserwirtschaft in Deutschland. Vergangenheit und Gegenwart, Berlin 2000, S. 76. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-8'>Vgl. Meurer, Rolf: Wasserbau und Wasserwirtschaft in Deutschland. Vergangenheit und Gegenwart, Berlin 2000, S. 76. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-9'>Vgl. Coch, Thomas: Einführung in den Naturraum. Zur Frage primärer Trockenstandorte in der Wildstromaue des südlichen Oberrheingebietes, in: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg, Ubstadt-Weiher 2000. S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-10'>Vgl. Coch, Thomas: Einführung in den Naturraum. Zur Frage primärer Trockenstandorte in der Wildstromaue des südlichen Oberrheingebietes, in: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg, Ubstadt-Weiher 2000. S. 23 ; Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-10'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-11'>Vgl. Coch: Einführung in den Naturraum, S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-11'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-12'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur., S. 103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-12'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-13'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur., S. 103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-13'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-14'>Ebd. S. 104. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-14'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-15'>Ebd. S. 104. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-15'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-16'>Ebd. S. 104. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-16'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-17'>Ebd. S. 99-103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-17'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-18'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 143. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-18'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-19'>Vgl. Geisthövel, Alexa: Restauration und Vormärz 1815-1847. Seminarbuch Geschichte, Paderborn 2008, S. 103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-19'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-20'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 104. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-20'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-21'>Vgl. Geisthövel: Restauration und Vormärz, S. 103. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-21'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-22'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 144. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-22'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-23'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 144. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-23'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-24'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 104. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-24'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-25'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 144. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-25'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-26'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 144. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-26'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-27'>Vgl. Hertweck, Georg: Die Geschichte des Rheinufers von den Anfängen bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs, in: Rheinhafen Karlsruhe hrsg. von Ernst Bräuche (Veröffentlichungen des Karlsruher Stadtarchivs Bd. 22), Karlsruhe 2001, S. 32. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-27'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-28'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 104. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-28'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-29'>Ebd. S. 104-105. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-29'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-30'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 104-105. Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 145. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-30'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-31'>Vgl. Hertweck: Die Geschichte des Rheinufers, S. 31-32. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-31'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-32'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 105. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-32'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-33'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 145. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-33'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-34'>Tümmers: Der Rhein, S. 144. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-34'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-35'>Siehe Tümmers: Der Rhein, S. 144. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-35'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-36'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 111. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-36'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-37'>Ebd. S. 111-112. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-37'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-38'>Ebd. S. 111. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-38'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-39'>Ebd. S. 112. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-39'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-40'>Ebd. S. 113. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-40'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-41'>Ebd. S. 113. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-41'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-42'>Ebd. S. 113. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-42'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-43'>Ebd. S. 113. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-43'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-44'>Ebd. S. 113. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-44'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-45'>Ebd. S. 114. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-45'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-46'>Ebd. S. 113. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-46'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-47'>Ebd. S. 113-114. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-47'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-48'>Vgl. Schwabe, Erich: Das große Werk der Rheinkorrektion, in: Die Auen am Oberrhein. Ausmaß und Perspektiven des Landschaftswandels am südlichen und mittleren Oberrhein seit 1800, hrsg. von Werner A. Galluser und Andre Schenker, Basel/ Boston/Berlin 1992, S. 50. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-48'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-49'>Vgl. Schwabe: Das große Werk der Rheinkorrektion, S. 50. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-49'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-50'>Vgl. Meurer: Wasserbau und Wasserwirtschaft, S. 76-77. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-50'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-51'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 147. Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 125-126. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-51'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-52'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 143. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-52'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-53'>Ebd. S. 125. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-53'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-54'>Ebd. S. 125. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-54'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-55'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 123-124. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-55'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-916-56'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 124. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-916-56'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Wilde Flusslandschaft oder wertvolle Kulturlandschaft? Über die Begradigung des Oberrheins (I)</title>
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		<pubDate>Thu, 02 Feb 2012 18:38:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Leben am Wasser]]></category>
		<category><![CDATA[Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Umwelt]]></category>
		<category><![CDATA[Begradigung]]></category>
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		<description><![CDATA[Dieser Artikel widmet sich der Frage, in welchem Maße menschliche Eingriffe in vormals natürliche Flusslandschaften positive Auswirkungen aber langfristig auch negative Begleiterscheinungen hervorgerufen haben. Schon im 18. und 19. Jahrhundert fochten deutsche Wasserbauingenieure ihren Kampf um die Umsetzung ihrer Großprojekte und schon zu ihren Lebzeiten hatten sie mit Widerständen zu rechnen. Die Kritik an solchen [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Dieser Artikel widmet sich der Frage, in welchem Maße menschliche Eingriffe in vormals natürliche Flusslandschaften positive Auswirkungen aber langfristig auch negative Begleiterscheinungen hervorgerufen haben. Schon im 18. und 19. Jahrhundert fochten deutsche Wasserbauingenieure ihren Kampf um die Umsetzung ihrer Großprojekte und schon zu ihren Lebzeiten hatten sie mit Widerständen zu rechnen. Die Kritik an solchen Baumaßnahmen ist kein ein modernes Phänomen.</strong></p>
<p><strong>So diskutieren Wissenschaftler unterschiedlichster Fachrichtungen auch noch heutzutage über die Vor- und Nachteile eines schon lange umgesetzten Wasserbauprojekts, der so genannten Oberrheinkorrektion, die im 19. Jahrhundert nach den Plänen und durch die Tatkraft des badischen Wasserbauingenieurs Johann Gottfried Tulla<a title="" href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-1' id='fnref-918-1'>1</a></sup></a> erfolgte und die den Flusslauf und damit auch die Oberrheinlandschaft nachhaltig veränderte. Der Wunsch aller Kritiker an diesem Großprojekt läuft auf eine Umkehrung der damals begonnen Prozesse hinaus. Horst Tümmers vermerkt hierzu in seinem Buch „Der Rhein. Ein europäischer Fluss und seine Geschichte“: „<em>Die Lage, die ‚vor Tulla’ bestand, die Tulla hatte bessern wollen, sucht den Oberrhein‚ nach Tulla’ wieder heim</em>.“<a title="" href="#_ftn2"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-2' id='fnref-918-2'>2</a></sup></a> Es ist das Ziel dieses Artikels zu überprüfen, ob und inwieweit diese Kritik gerechtfertigt ist.</strong><span id="more-918"></span></p>
<p>Erste Schritte einer „Renaturierung“ sind zwar bereits erfolgt, doch die Meinungen differieren bei den Fragen, inwieweit diese Korrektion wieder rückgängig gemacht und welche Folgeerscheinungen mit welchen Mitteln korrigiert werden sollten. Der Artikel beschäftigt sich dennoch nicht nur mit den zahlreichen Kritikpunkten am Werk Tullas, sondern auch mit den sich aus der Oberrheinbegradigung ergebenen Möglichkeiten und Errungenschaften. Sein Großprojekt soll vor dem Hintergrund weiterer Ausbaumaßnahmen und langfristiger Veränderungen der oberrheinischen Kulturlandschaft bewertet werden.</p>
<h2>Eine wertvolle Auenlandschaft oder unkultiviertes Sumpfgebiet?</h2>
<p>Ein Zitat Friedrich Schillers aus dem Jahre 1801 belegt, dass Deutsche schon in Zeiten vor Tullas Oberrheinkorrektion die Schönheit einer natürlichen Landschaft preisen, wohingegen eine gezähmte, der Natur entrissene Landschaft jedenfalls von Schiller als geistlos und trostlos beschrieben wird:</p>
<p><em> Wer verweilt nicht lieber bei der geistreichen Unordnung einer natürlichen Landschaft als bei der geistlosen Regelmäßigkeit eines französischen Gartens? Wer bestaunt nicht lieber den wunderbaren Kampf zwischen Fruchtbarkeit und Zerstörung in Siciliens Fluren, weidet sein Auge nicht lieber an Schottlands wilden Katarakten und Nebelgebirgen […] als dass er in dem schnurgerechten Holland den sauren Sieg der Geduld über das trotzigste der Elemente bewundert?</em><a title="" href="#_ftn3"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-3' id='fnref-918-3'>3</a></sup></a></p>
<p><em> </em>Besonders die Kultivierung der vormals „wildschönen“ holländischen Wasser- und Sumpflandschaften scheint Schiller gestört zu haben. Negative Bemerkungen über menschliche Eingriffe in ein natürliches Ökosystem  lassen sich also schon Jahrzehnte vor der Begradigung des südlichen Rheins feststellen. Aber die unberührte Schönheit ihrer Rheinniederungen kann nicht das Hauptanliegen der Oberrheinbewohner des 19. Jahrhunderts gewesen sein.</p>
<h3>Die Oberrheinniederungen vor der Flusskorrektion</h3>
<div class="mceTemp" style="text-align: center;">
<dl id="attachment_923" class="wp-caption alignleft" style="width: 223px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/427px-Rhein-Karte.png"><img class="size-medium wp-image-923" title="427px-Rhein-Karte" src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/427px-Rhein-Karte-213x300.png" alt="Der Rhein" width="213" height="300" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Der Rhein</dd>
</dl>
</div>
<p>Bis zur Bändigung durch Tulla floss der Oberrhein nicht durch ein einziges, festgelegtes Bett.<a title="" href="#_ftn4"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-4' id='fnref-918-4'>4</a></sup></a> Der südliche Teil der Oberrheinebene<em>, </em>der Abschnitt von Basel bis nach Straßburg, bildete aufgrund seiner mehrfachen Gabelung und des verästelten Flusslaufs eine Furkationszone.<a title="" href="#_ftn5"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-5' id='fnref-918-5'>5</a></sup></a> Ein Hauptarm des Flusses ist nicht zu erkennen.<a title="" href="#_ftn6"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-6' id='fnref-918-6'>6</a></sup></a>  Hier grub sich der Fluss unzählige Rinnen, die durch Kies- und Sandbänke voneinander abgetrennt waren. <a title="" href="#_ftn7"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-7' id='fnref-918-7'>7</a></sup></a> Ein Zyklus von Hoch- und Niedrigwasser schuf in Jahrtausenden ein Labyrinth von Wasserarmen und bewaldeten Inseln. <a title="" href="#_ftn8"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-8' id='fnref-918-8'>8</a></sup></a> Insgesamt befanden sich im heutigen badischen Rheinabschnitt 2200 Inseln, die große Mehrheit zwischen Basel und Straßburg.<a title="" href="#_ftn9"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-9' id='fnref-918-9'>9</a></sup></a> Der Rhein des frühen 19. Jahrhunderts erinnert Blackbourn beim Betrachten des zeitgenössischen Gemäldes von Peter Birmann „<em>Blick vom Isteiner Klotz rheinaufwärts gegen Basel</em>“ an <em>„eine Serie von Lagunen, eine ausgedehnte, verwirrende Wasserlandschaft“</em>.<a href="#_ftn10"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-10' id='fnref-918-10'>10</a></sup></a></p>
<p>Zwischen Straßburg und Karlsruhe ging die Furkationszone des Oberrheins langsam in eine Mäanderzone über, in der der Fluss sich in großen Schlingen und Schleifen gemächlich durch seine Ebene wand.<a title="" href="#_ftn11"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-11' id='fnref-918-11'>11</a></sup></a> <em>„Er floss hier (zwischen Karlsruhe und Speyer) wie ein einziger Strom, doch immer noch nicht in einem einzigen Bett.“</em><a title="" href="#_ftn12"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-12' id='fnref-918-12'>12</a></sup></a>  Sein Hauptbett wurde von beiden Seiten von den Windungen früherer Hauptrinnen flankiert, den so genannten Altwassern oder Altrheinarmen.<a title="" href="#_ftn13"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-13' id='fnref-918-13'>13</a></sup></a> Blackbourn erinnert dieses Panorama an das <em>„wilde Haupt der Medusa“</em>.<a title="" href="#_ftn14"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-14' id='fnref-918-14'>14</a></sup></a> An manchen Stellen und zu manchen Zeiten erstreckte sich das Flusstal in einer Breite von bis zu 40 Kilometern.<a title="" href="#_ftn15"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-15' id='fnref-918-15'>15</a></sup></a></p>
<p>Das Oberrheingebiet war vor den Eingriffen im 19. Jahrhundert in seinen Flussniederungen eine feuchte Auenlandschaft. <a title="" href="#_ftn16"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-16' id='fnref-918-16'>16</a></sup></a>  Diese Auen wurden periodisch überschwemmt, waren aber erfüllt von einer Vielfalt an Pflanzen- und Tierarten. <a title="" href="#_ftn17"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-17' id='fnref-918-17'>17</a></sup></a> Die Auen wiesen Wasser-, Wald- und Sumpfgebiete auf, in denen üppig wuchernde Schlinggewächse, etliche Baumsorten, eine reiche Vogelwelt und großer Fischreichtum das Bild bestimmten.<a title="" href="#_ftn18"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-18' id='fnref-918-18'>18</a></sup></a> <em>„Zur Besiedelung taugte das Gebiert der Rheinniederungen, der periodischen, weiträumigen Überschwemmungen wegen, (eigentlich) wenig.“</em><a title="" href="#_ftn19"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-19' id='fnref-918-19'>19</a></sup></a>Tümmers führt kritisch an, dass der Mensch den Lebensbedingungen an den Flussniederungen eigentlich nicht gewachsen ist und trockene Standorte besiedeln sollte.<a title="" href="#_ftn20"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-20' id='fnref-918-20'>20</a></sup></a> <em>„Solange er sich diesen Gesetzen fügte (bis zur Verwirklichung von Tullas Rheinkorrektion), blieb die Natur im Gleichgewicht und beschenkte ihn mit ihrem Reichtum“</em>.<a title="" href="#_ftn21">[21.Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 155-156.]</a> Aber der vom Rheinschlick bedeckte Boden ist sehr fruchtbar, und sein Fischreichtum und sein reiches Schwemmland verlockte Menschen immer wieder dazu diesen Landstreifen zu besiedeln.<a title="" href="#_ftn22"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-21' id='fnref-918-21'>21</a></sup></a> Besonders im Hochmittelalter kam es zu einer zunehmenden Besiedlung der  Rheinauen.<a title="" href="#_ftn23"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-22' id='fnref-918-22'>22</a></sup></a> Die Bevölkerungszahlen stiegen, die Siedlungsdichte nahm zu und Rodungen verschafften zusätzliches Kulturland.<a title="" href="#_ftn24"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-23' id='fnref-918-23'>23</a></sup></a> Aus kleineren Hauen- und Straßendörfern entwickelten sich Mittel- und Kleinstädte wie Breisach und Neuenburg, die sich in unmittelbarer Nähe zum Fluss befanden.<a title="" href="#_ftn25"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-24' id='fnref-918-24'>24</a></sup></a> Bedeutende mittelalterliche Städte wie Basel, Straßburg, Speyer, Worms oder Mainz liegen  am Oberrhein.<a title="" href="#_ftn26"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-25' id='fnref-918-25'>25</a></sup></a> Das oberrheinische Tiefland profitierte von seiner günstigen Lage inmitten der großen Handelsströme des Hoch- und Spätmittelalters.<a title="" href="#_ftn27"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-26' id='fnref-918-26'>26</a></sup></a> Rheinschiffer, Fuhrleute sowie die aufstrebenden Handelsstädte waren die großen Gewinner dieser Entwicklungen.<a title="" href="#_ftn28"><sup class='footnote'><a href='#fn-918-27' id='fnref-918-27'>27</a></sup></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><a href="http://jbshistoryblog.de/2012/02/wilde-flusslandschaft-oder-wertvolle-kulturlandschaft-uber-die-begradigung-des-oberrheins-ii/">weiter gehts zu Teil II</a></p>
<div>
<p><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong></p>
<p>Dembek, Christoph (2012): Wilde Flusslandschaft oder wertvolle Kulturlandschaft? Über die Begradigung des Oberrheins (I). In: JBSHistoryBlog.de. URL: <a href="http://jbshistoryblog.de">http://jbshistoryblog.de</a> [Zugriff: DD:MM:YYYY]</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Nachweis:</strong></p>
<p>Bildquelle: Die Karte wurde erstellt von <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/User:Threedots">Daniel Ullrich</a> (Threedots) und ist auf <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Rhein-Karte.png&amp;filetimestamp=20110421092940">Wikipedia</a> zu finden.</p>
<p><strong>Bibliographie:</strong></p>
</div>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-918-1'>Geboren 1770 in der kleinen Markgrafschaft Baden- Durlach. Studierte Mathematik, Trigonometrie und Geometrie in Karlsruhe mit praktischen Grundlagen in Mechanik, „Feldmesskunst“ und Zeichnen von Baurissen. Studierte auch Wasserbau und Hydrologie. Reiste viel, u.a nach Hamburg und Skandinavien um sich im Auftrage Badens Wissen über Wasserbauprojekte (Schleusen, Uferbefestigungen, Pumpenanlagen) anzueignen. Zudem war er noch im „Mekka aller künftiger Wasserbauingenieure“, der Niederlande. 1797 wurde er zum markgräflichen Ingenieur ernannt, zuständig für Wasserbauten am Rhein. Ab 1803 Oberingenieur; ein Jahr später war er für den gesamten Flussbau in Baden zuständig. „Bändiger des wilden Rheins“. Gestorben 1828 in Paris. Siehe hierzu: Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006, S. 105-115. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-2'>Tümmers, Horst Johannes: Der Rhein. Ein europäischer Fluss und seine Geschichte, München 1994, S. 158. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-3'>Schiller, Friedrich: Kleinere prosaische Schriften von Schiller. Aus mehreren Zeitschriften vom Verfasser selbst gesammelt und verbessert, 3. Teil, Leipzig 1801, S. 27. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-4'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-5'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-6'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-7'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-8'>Vgl. Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-9'>Vgl. Coch, Thomas: Einführung in den Naturraum. Zur Frage primärer Trockenstandorte in der Wildstromaue des südlichen Oberrheingebietes, in: Vom Wildstrom zur Trockenaue. Natur und Geschichte der Flusslandschaft am südlichen Oberrhein, hrsg. von der Landesanstalt für Umweltschutz Baden Württemberg, Ubstadt-Weiher 2000, S. 26. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-10'>Siehe Blackbourn, David: Die Eroberung der Natur. Eine Geschichte der deutschen Landschaft, München 2006. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-10'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-11'>Vgl. Schenker; Andre: Naturraum und Auenökologie: Naturräumliche Gegebenheiten am Oberrhein, in: Die Auen am Oberrhein. Ausmaß und Perspektiven des Landschaftswandels am südlichen und mittleren Oberrhein seit 1800, hrsg. von Werner A. Galluser und Andre Schenker, Basel/ Boston/Berlin 1992, S. 5. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-11'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-12'>Siehe Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-12'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-13'>Vgl. Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 100-101. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-13'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-14'>Siehe Blackbourn: Die Eroberung der Natur, S. 100-101. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-14'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-15'>Ebd. S. 101. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-15'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-16'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 140. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-16'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-17'>Ebd. S. 140-141. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-17'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-18'>Ebd. S. 141. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-18'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-19'>Ebd. S. 139. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-19'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-20'>Vgl. Tümmers: Der Rhein, S. 155-156. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-20'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-21'>Ebd. S. 139-141. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-21'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-22'>Vgl. Schwabe, Erich: Mensch und Oberrhein. Besiedlungsgeschichte, in: Die Auen am Oberrhein. Ausmaß und Perspektiven des Landschaftswandels am südlichen und mittleren Oberrhein seit 1800, hrsg. von Werner A. Galluser und Andre Schenker, Basel/ Boston/Berlin 1992, S. 43. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-22'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-23'>Vgl. Schwabe: Mensch und Oberrhein. Besiedlungsgeschichte, S. 43. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-23'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-24'>Ebd. S. 43 u. S. 46. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-24'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-25'>Ebd. S. 43. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-25'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-26'>Ebd. S. 46. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-26'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-918-27'>Ebd. S. 46. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-918-27'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Die Wahrnehmung der „Anderen“ in den europäischen Reiseberichten des späten Mittelalters (II)</title>
		<link>http://jbshistoryblog.de/2012/01/die-wahrnehmung-der-%e2%80%9eanderen-in-den-europaischen-reiseberichten-des-spaten-mittelalters-ii/</link>
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		<pubDate>Mon, 09 Jan 2012 16:14:09 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europäische Reisen]]></category>
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		<description><![CDATA[In der Artikelreihe: „Die Wahrnehmung der „Anderen“ in den europäischen Reiseberichten des späten Mittelalters“ werden europäische Reiseberichte von Balthasar Springer, Duarte Barbosa und Niccoló de Conti nach wertenden Aussagen gegenüber den indigenen Bevölkerungen untersucht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Im späten Mittelalter bereisten Europäer aus den unterschiedlichsten Gründen die Regionen Süd- und Südostasiens und berichteten nach ihrer Rückkehr von ihren Erlebnissen.<a title="" href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-1' id='fnref-854-1'>1</a></sup></a> Unter ihnen war der venezianische Kaufmann Niccoló de Conti, der zahlreiche Orte der indischen und südostasiatischen Welt zu Beginn des 15. Jahrhunderts besuchte.<a title="" href="#_ftn2"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-2' id='fnref-854-2'>2</a></sup></a> Sein Reisebericht zeichnete der päpstliche Privatsekretär und Humanist Poggio Braccolini auf.<a title="" href="#_ftn3"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-3' id='fnref-854-3'>3</a></sup></a> Der Tiroler Kaufmann Balthasar Springer unternahm Anfang des 16. Jahrhunderts im Auftrag der Welser eine Indienfahrt.<a title="" href="#_ftn4"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-4' id='fnref-854-4'>4</a></sup></a> Nach seiner Heimkehr fertigte er selbst einen Bericht seiner Reise an.<a title="" href="#_ftn5"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-5' id='fnref-854-5'>5</a></sup></a> Duarte Barbosa war ein portugiesischer Seefahrer der im Auftrag Spaniens Anfang des 16. Jahrhunderts zu Entdeckungsreisen in den indischen und südostasiatischen Raum aufbrach.<a title="" href="#_ftn6"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-6' id='fnref-854-6'>6</a></sup></a> Von seinen Länderbeschreibungen existieren einige Übersetzungen und spätere Ausgaben. <a title="" href="#_ftn7"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-7' id='fnref-854-7'>7</a></sup></a> Der portugiesische Originalbericht scheint Barbosa zeitnah zu seiner Reise selbst verfasst zu haben.<a title="" href="#_ftn8"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-8' id='fnref-854-8'>8</a></sup></a></strong></p>
<p style="text-align: justify;"><strong> In der Artikelreihe: <em>„Die Wahrnehmung der „Anderen“ in den europäischen Reiseberichten des späten Mittelalters“</em> werden in zwei Teilen <a href="http://jbshistoryblog.de/2011/12/828/">(Siehe Teil I)</a> diese Quellen nach wertenden und subjektiven Aussagen ihrer Autoren gegenüber den indigenen Bevölkerungen untersucht.</strong><span id="more-854"></span></p>
<h2 style="text-align: justify;"></h2>
<h2 style="text-align: justify;">II. Die Menschen Ostasiens in den Reiseberichten</h2>
<h3 style="text-align: justify;"></h3>
<p>&nbsp;</p>
<h3 style="text-align: justify;">II.I Im Bericht Contis</h3>
<p style="text-align: justify;">In der Niederschrift Bracciolinis<a title="" href="#_ftn9"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-9' id='fnref-854-9'>9</a></sup></a> schwärmt Conti vom Wesen und den Gewohnheiten der Bewohner „<em>aller Gebiete jenseits des Ganges</em>“, also Ostasiens. <a href="#_ftn10"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-10' id='fnref-854-10'>10</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Conti bescheinigt diesen Menschen, dass sie <em>„[…] ein sehr kultiviertes Leben, entfernt von aller Barbarei und Derbheit, [führen]</em>“.<a title="" href="#_ftn11"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-11' id='fnref-854-11'>11</a></sup></a> Ihm zufolge sind die dort lebenden Männer auch „<em>außergewöhnlich menschenfreundlich</em>.“<a title="" href="#_ftn12"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-12' id='fnref-854-12'>12</a></sup></a> Conti betont in seinem Bericht auch, dass die Gebiete östlich des Ganges die anderen Teile Asiens <em> „[…] in Reichtum, Höflichkeit und Pracht, [übertrifft] und [..] unserem Land [Italien] in seiner Lebensweise und Zivilisation [ähnelt].“</em><a title="" href="#_ftn13"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-13' id='fnref-854-13'>13</a></sup></a>  Nach Conti unterscheiden sich dort lebenden Völker wesentlich von den anderen asiatischen Völkern durch ihre „kultivierten“ Essgewohnheiten. Nur die Bewohner dieses Teil Asiens benutzen ihm zufolge Tische zum Speisen wie die Europäer, während alle anderen hingegen ihr Essen verteilt auf Teppichen zu sich nehmen.<a title="" href="#_ftn14"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-14' id='fnref-854-14'>14</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Besonders lobend hebt Conti die Männer der Stadt Nemptai in der Provinz Cathay, also in Nordchina<a title="" href="#_ftn15"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-15' id='fnref-854-15'>15</a></sup></a>, hervor. <a title="" href="#_ftn16"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-16' id='fnref-854-16'>16</a></sup></a> Er beschreibt sie als „<em>liebenswürdig, taktvoll und weise“</em>.<a title="" href="#_ftn17"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-17' id='fnref-854-17'>17</a></sup></a> Zusätzlich betont er den unglaublichen Reichtum der Chinesen und vergleicht wohlwollend deren Häuser und Paläste mit den Bauten in Italien.<a title="" href="#_ftn18"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-18' id='fnref-854-18'>18</a></sup></a> Conti berichtet noch interessiert, dass alle männlichen und weiblichen Bewohner von Siam<a title="" href="#_ftn19"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-19' id='fnref-854-19'>19</a></sup></a> ihre Körper tätowieren.<a title="" href="#_ftn20"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-20' id='fnref-854-20'>20</a></sup></a> Er beschreibt diesen Vorgang in eigenen anderen Worten, da dieses Mittel der Körperverzierung dem europäischen Menschen des Mittelalters noch fremd sein muss. Wichtig erscheint ihm bei der Darstellung dieser Menschen noch ihre monogame Lebensweise. <a title="" href="#_ftn21"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-21' id='fnref-854-21'>21</a></sup></a> Zudem berichtet Conti aufmerksam, dass sie zwar Götzenbildern huldigen, jedoch aber auch jeden Morgen den Schutz des dreifaltigen Gottes erbitten.<a title="" href="#_ftn22"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-22' id='fnref-854-22'>22</a></sup></a></p>
<h3 style="text-align: justify;">II.II Im Bericht Barbosas</h3>
<p style="text-align: justify;">In Barbosas Reisebericht finden sich Parallelen zu Contis Bericht hinsichtlich der Beurteilung der chinesischen Bevölkerung. Barbosa vertritt gegenüber den Chinesen eine ähnliche gute Meinung wie Conti. Er beschreibt die männliche „heidnische“ Einwohnerschaft des Königreichs China als „<em>weiße Männer, groß, gut gebaut und [als] Ehrenmänner, und das gleiche gilt auch für die Frauen</em>.“<a href="#_ftn23"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-23' id='fnref-854-23'>23</a></sup> </a>Barbosa schätzt zudem nochmals die Chinesen als „<em>Männer der Wahrheit und wahre Ehrenmänner</em>“ ein. <a title="" href="#_ftn24"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-24' id='fnref-854-24'>24</a></sup></a> Sie sind ihm zufolge darüber hinaus großartige Kaufleute, Kunsthandwerker und Seefahrer.<a title="" href="#_ftn25"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-25' id='fnref-854-25'>25</a></sup></a> Zudem sind sie sehr gut gekleidet und sie pflegen gesittete Essmanieren.<a title="" href="#_ftn26"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-26' id='fnref-854-26'>26</a></sup></a> Nach Barbosas Urteil haben sie nur den einen Fehler <em>„[…], dass ihre Augen sehr schmal sind […]</em>.<em>“</em><a title="" href="#_ftn27"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-27' id='fnref-854-27'>27</a></sup></a><em> </em>Barbosa meint auch zu wissen, dass die Trachten und die Sprache der Chinesen denen der Deutschen ähneln.<a title="" href="#_ftn28"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-28' id='fnref-854-28'>28</a></sup></a> Der Vergleich an dieser Stelle lässt sich schwerlich wertenden Gesichtspunkten zuordnen.</p>
<p style="text-align: justify;">In Barbosas Reisebericht finden sich noch weitere wertende Beschreibungen von ostasiatischen Völkern. So leben auf den Lequeos<a href="#_ftn29"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-29' id='fnref-854-29'>29</a></sup> </a>Inseln, gegenüber von China, bedeutende und wohlhabende weiße Kaufleute.<a href="#_ftn30"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-30' id='fnref-854-30'>30</a></sup></a> Barbosa erfährt aus zweiter Hand, dass diese Inselbewohner „<em>bessere Männer, […] und besser angezogen und geschmückt, und ehrenhafter [..] als die Chinesen</em>“ sind. <a href="#_ftn31"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-31' id='fnref-854-31'>31</a></sup></a> Er selbst scheint diese Menschen nie getroffen zu haben, <em>„[…] da sie nicht mehr nach Indien kommen, seitdem es dem König von Portugal gehört</em>“.<a href="#_ftn32"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-32' id='fnref-854-32'>32</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Im Königreich von Ansyam, südöstlich von Berma<a title="" href="#_ftn33"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-33' id='fnref-854-33'>33</a></sup></a>,<strong> </strong>leben dem Bericht Barbosas zufolge, großartige Jäger und Sportler. <a href="#_ftn34"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-34' id='fnref-854-34'>34</a></sup> </a> Allerdings scheint Barbosa auch etwas entsetzt, dass diese Menschen für gewöhnlich ihre Toten geröstet verspeisen.<a href="#_ftn35"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-35' id='fnref-854-35'>35</a></sup></a></p>
<h2 style="text-align: justify;"></h2>
<p>&nbsp;</p>
<h2 style="text-align: justify;">III. Die Menschen Südostasiens in den Reiseberichten</h2>
<h3 style="text-align: justify;"></h3>
<p>&nbsp;</p>
<h3 style="text-align: justify;">III.I Im Bericht Contis</h3>
<p style="text-align: justify;"><strong></strong>In den Reiseberichten Contis und Barbosas finden sich viele wertende Äußerungen über die Menschen im südostasiatischen Raum. Beide Autoren informieren ihre Leser ausführlich über den angeblichen Charakter und die Gewohnheiten der Bewohner Indonesiens, Malaysias und der Inseln im Indischen Ozean.</p>
<p style="text-align: justify;">So verurteilt Conti die Menschen auf den Goldinseln Andamania, den heutigen Andamanen<a href="#_ftn36"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-36' id='fnref-854-36'>36</a></sup></a>, aufs Schärfste.<a title="" href="#_ftn37"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-37' id='fnref-854-37'>37</a></sup></a> Er bezeichnet sie als „<em>grausame Wilde“</em>, die dem Kannibalismus frönen.<a href="#_ftn38"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-38' id='fnref-854-38'>38</a></sup></a> Alle Reisende, welche aufgrund schlechten Wetters auf dieser Insel zu Landung gezwungen sind, werden von diesen Menschen angeblich in Stücke zerrissen und verschlungen.<a href="#_ftn39"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-39' id='fnref-854-39'>39</a></sup></a> Die Menschenfresserei scheint Conti so verschreckt zu haben, dass er seine ansonsten so, von Folker Reichert festgestellte, nüchterne Erzählweise an dieser Stelle ablegt, und seine persönliche Meinung in den Vordergrund tritt.<a href="#_ftn40"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-40' id='fnref-854-40'>40</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;" title="">Die Bewohner anderer südostasiatischen Inseln scheint er ebenfalls nicht in sein Herz geschlossen haben. So berichtet er ebenfalls entsetzt von kannibalischen Gewohnheiten in einem Gebiet auf Sumatra<a title="" href="#_ftn41"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-41' id='fnref-854-41'>41</a></sup></a>. Zugleich sind die Menschen dort ständig im Krieg mit ihren Nachbarn.<a title="" href="#_ftn43"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-42' id='fnref-854-42'>42</a></sup></a> Abgeschlagene Menschenschädel gelten dort als Zahlungsmittel und als Zeichen des Wohlstands.<a href="#_ftn44"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-43' id='fnref-854-43'>43</a></sup></a> An einer anderen Textstelle schildert er die männlichen Bewohner der Insel Sciamuthera, dem heutigen Sumatra <a href="#_ftn45"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-44' id='fnref-854-44'>44</a></sup></a>, als „<em>grausam und deren Bräuche brutal“</em>.<a href="#_ftn46"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-45' id='fnref-854-45'>45</a></sup> </a>Der italienische Kaufmann fügt außerdem hinzu, dass die Ohren der Männer und Frauen dieser Insel sehr groß sind.<a href="#_ftn47"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-46' id='fnref-854-46'>46</a></sup></a> Für primitive Wilde hält Conti sie zwar nicht, gesteht er ihnen immerhin zu, reich verzierte und mit kostbaren Steinen besetzte Ohrringe sowie gewöhnliche Kleidung aus Leinen und Seide zu tragen.<a title="" href="#_ftn48"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-47' id='fnref-854-47'>47</a></sup></a> Er erwähnt, Bracciolinis Niederschrift folgend, allerdings an gleicher Stelle auch deren Vielweiberei und betitelt die Inselbewohner als Götzendiener.<a title="" href="#_ftn49"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-48' id='fnref-854-48'>48</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Conti beschäftigt sich auch ausführlich mit den Menschen zweier weiterer Inseln in diesem geographischen Raum, die er beide Java<a title="" href="#_ftn50"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-49' id='fnref-854-49'>49</a></sup></a> nennt, aber vermutlich Sumatra und Java meint. Er verteufelt die Menschen dieses Archipels regelrecht: „<em>Diese Inselbewohner</em> <em>übertreffen [Conti zufolge] alle anderen Menschen an Grausamkeit</em>.“<a title="" href="#_ftn51"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-50' id='fnref-854-50'>50</a></sup></a> Sie sind der Meinung Contis nach nicht nur „<em>unmenschlicher und furchtbarer als jede andere Nation</em>“, sondern sie zeichnen sie auch dadurch aus, dass sie „<em>Mäuse, Hunde, Katzen und alle anderen Arten von unreinen Tieren verspeisen</em>“.<a title="" href="#_ftn52"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-51' id='fnref-854-51'>51</a></sup></a> Die Erwähnung des wohl für europäische Gaumen verstörenden Verzehrs von bestimmten Tierarten an gleicher Stelle wie ihre angeblich bösartigen Charaktereigenschaften, lässt darauf schließen, dass sich die befremdliche Speisegewohnheit sehr negativ auf die Bewertung dieser Menschen auswirkte. Es ist somit auch nicht ganz überraschend, dass Conti noch wahre Horrorgeschichten von den Gewohnheiten der Menschen auf den größten indonesischen Inseln erzählt. <em>„[So betrachten] die Inselbewohner [..] das Töten als reines Vergnügen.“</em><a title="" href="#_ftn53"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-52' id='fnref-854-52'>52</a></sup></a> Bei mehreren Anlässen ereignen sich angeblich willkürliche Tötungsorgien durch einzelne Personen, welche von den Augenzeugen akzeptiert und sogar gepriesen werden.<a title="" href="#_ftn54"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-53' id='fnref-854-53'>53</a></sup></a> Eine Bestrafung solcher Taten findet nach Aussagen Contis nicht statt.<a title="" href="#_ftn55"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-54' id='fnref-854-54'>54</a></sup></a>  Der Amok bei den  Indonesiern scheint ihn sehr zu verstören.<a title="" href="#_ftn56"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-55' id='fnref-854-55'>55</a></sup></a> Die sachliche Berichterstattung, die gewisse Nüchternheit und sogar Unvoreingenommenheit, die seinen Bericht nach Knefelkamp und Reichert sonst auszeichnen, gehen an dieser Stelle vollständig verloren. <a title="" href="#_ftn57"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-56' id='fnref-854-56'>56</a></sup></a> Dass zudem die Vielweiberei unter diesen Menschen weit verbreitet ist, scheint Contis Bild von diesen Menschen nicht verbessert haben.<a title="" href="#_ftn58"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-57' id='fnref-854-57'>57</a></sup></a></p>
<h3 style="text-align: justify;"></h3>
<h3 style="text-align: justify;">III.II Im  Bericht Barbosas</h3>
<p style="text-align: justify;"><strong></strong>Barbosa nennt die Andamenen-Inseln in der vorliegenden Ausgabe seines Reiseberichtes Dandon Inseln.<a title="" href="#_ftn59"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-58' id='fnref-854-58'>58</a></sup></a> Ihm zufolge hausen dort jedoch keine Menschenfresser wie bei Conti, sondern brutale heidnische Seeräuber, die ihre Gefangenen oftmals ermorden oder nach Lösegeld gieren.<a title="" href="#_ftn60"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-59' id='fnref-854-59'>59</a></sup></a> Barbosas Urteil über die Inselbewohner von Celebes, dem heutigen Sulawesi,<a title="" href="#_ftn61"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-60' id='fnref-854-60'>60</a></sup></a>  gleicht allerdings der schlechten Meinung Contis von den Bewohnern der Andamanen. Auch ihn erbost die Anthropophagie der dort lebenden Menschen. „<em>Diese Leute essen Menschenfleisch</em>“, <em>[…] und betteln […] [nach dem Körper eines zum Tode Verurteilten],</em> <em>als ob man nach einem Schwein fragt</em> <em>[...]</em>.“<a title="" href="#_ftn62"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-61' id='fnref-854-61'>61</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Barbosa zeichnet auch ein ebenso negatives Bild von den Bewohnern Sumatras wie Conti. Die maurische Einwohnerschaft von Sumatra<a title="" href="#_ftn63"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-62' id='fnref-854-62'>62</a></sup></a> hält er für „<em>sehr treulos“</em>, da sie sich des Öfteren gegen ihre eigenen Könige wenden.<a title="" href="#_ftn64"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-63' id='fnref-854-63'>63</a></sup></a> Die Heiden in einem indonesischen Königreich im Inselinneren „<em>essen [angeblich] gnadenlos das Fleisch jedes Menschen, den sie einfangen können</em>.“ <a title="" href="#_ftn65"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-64' id='fnref-854-64'>64</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Barbosa pflegt zudem ein ebenso schlechtes Bild von den Menschen Javas in seinem Reisebericht. Selbst die im Ausland wohnenden Javaner werden bei ihm verunglimpft. So wohnen in der Stadt Malaca, auf der malaysischen Halbinsel, viele Mauren aus Java, welche Barbosa als „<em>kleine, robuste Männer, deren Brüste und Gesichter lang und übel geformt sind</em>“ beschreibt.<a title="" href="#_ftn66"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-65' id='fnref-854-65'>65</a></sup></a> Die Javaner in Malaca sind zwar „<em>geschickt und erfindungsreich in all ihrer Arbeit, und</em> <em>[zugleich aber auch]</em> <em>hinterlistig, heimtückisch und wenig ehrlich, tollkühn bei allem [ihrem] Unfug und [das]</em> <em>bis zum Tod</em>.“<a title="" href="#_ftn67"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-66' id='fnref-854-66'>66</a></sup></a> Manche töten unter gewissen Umständen willkürlich und „<em>wie tollwütige Hunde</em>“ so viele Männer, Frauen und Kinder wie sie in ihrem Blutrausch antreffen, bis sie selbst getötet werden.<a title="" href="#_ftn68"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-67' id='fnref-854-67'>67</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Die in ihrer Heimat lebenden Javaner trifft es in den Schilderungen Barbosas nicht viel besser. Er macht hierbei keinerlei Unterschiede zwischen den maurischen und heidnischen Bewohner der Insel Java Major. „<em>Seine Einwohner sind [nach Meinung Barbosas] klein und stämmig in ihrer Körperstatur, mit breiten Gesichtern.</em>“<a title="" href="#_ftn69"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-68' id='fnref-854-68'>68</a></sup></a> Sie sind einerseits sehr begabte Handwerker, gute Seeleute sowie großartige Sportler und Jäger, andererseits aber auch „<em>sehr stolze Männer, Lügner und Betrüger</em>“.<a title="" href="#_ftn70"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-69' id='fnref-854-69'>69</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Von den Frauen auf Java spricht Barbosa allerdings gerade zu in höchsten Tönen.  „<em>Die Damen sind weiß und haben sehr schöne Körper und ansprechende Antlitze, jedoch eher [mit zu] lang[en] [Gesichtern]; sie singen gut, sie haben glänzende Manieren und sind sehr fleißige Arbeiterinnen</em>.“<a title="" href="#_ftn71"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-70' id='fnref-854-70'>70</a></sup></a> Die von Barbosa vermutete Einstellung der Javaner gegenüber seinem Landesherrn erklärt vielleicht dessen zwiespältiges Verhältnis zu diesen Menschen: „<em>Manche</em> <em>[Mauren] […]</em> <em>wünschen dem portugiesischen König zu dienen und andere sind ihm böse gesinnt</em>.“<a title="" href="#_ftn72"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-71' id='fnref-854-71'>71</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Die indigenen Mauren der Stadt Malaca im gleichnamigen malaiischen Königreich beurteilt Barbosa jedoch ausnahmslos positiv. „<em>Diese Mauren, Malayos genannt, sind [Barbosa zufolge] sehr gesittete Leute und Ehrenmänner, musikalisch, galant und gut proportioniert</em>.“<a title="" href="#_ftn73"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-72' id='fnref-854-72'>72</a></sup></a> Sie sind, seinen Schilderungen nach zu urteilen, vorwiegend reiche Kaufleute.<a title="" href="#_ftn74"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-73' id='fnref-854-73'>73</a></sup></a> Die Frauen tragen viel Schmuck und haben „<em>langes wunderschönes Haar“</em>.<a title="" href="#_ftn75"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-74' id='fnref-854-74'>74</a></sup></a> Die dort geborenen braunhäutigen Männer und Frauen befindet er insgesamt für sehr gut geraten.<a title="" href="#_ftn76"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-75' id='fnref-854-75'>75</a></sup></a> Dort lebende heidnische Kaufleute aus Südostindien<a title="" href="#_ftn77"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-76' id='fnref-854-76'>76</a></sup></a> beschreibt er hingegen als „<em>meistens robust und korpulent“</em>. <a title="" href="#_ftn78"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-77' id='fnref-854-77'>77</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Die Menschen auf den Inseln unweit des indischen Festlandes werden im Reisbericht Barbosas sehr unterschiedlich wahrgenommen. Auf den Palandiva Inseln, gegenüber dem südwestindischen Festland, leben arme Mauren mit brauner Hautfarbe.<a title="" href="#_ftn79"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-78' id='fnref-854-78'>78</a></sup></a> Sie sind zwar einerseits „<em>sehr erfinderisch und charmant</em>“, anderseits sind sie „<em>von kleinem Wuchs, […] haben unförmige Körper, und sind schwach […]</em>.“<a title="" href="#_ftn80"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-79' id='fnref-854-79'>79</a></sup></a> Auf der Insel Ceylam, dem heutigen<strong> </strong>Ceylon, hingegen leben „<em>gut aussehende Männer“</em>.<a title="" href="#_ftn81"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-80' id='fnref-854-80'>80</a></sup></a> Die Mauren und Heiden dort sind „<em>fast weiß, und meistens korpulent, mit großen Mägen, und [leben aber angeblich] verschwenderisch</em>.“<a title="" href="#_ftn82"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-81' id='fnref-854-81'>81</a></sup></a> Die Bewohner sind zudem friedfertige Händler, die nur einen guten Lebensstandard erstreben.<a title="" href="#_ftn83"><sup class='footnote'><a href='#fn-854-82' id='fnref-854-82'>82</a></sup></a></p>
<h1 style="text-align: justify;"></h1>
<p>&nbsp;</p>
<h1 style="text-align: justify;">Fazit</h1>
<p style="text-align: justify;"><strong></strong>In dem Reisebericht Niccolo de Contis und vor allem in den Schilderungen Duarte Barbosas tauchen sehr viele wertende Äußerungen über die Menschen des asiatischen Kontinents auf. Balthasar Springers Bericht ist hingegen sehr arm an Standpunkten gegenüber der indigenen Bevölkerung.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Textstellen in Contis und Barbosas Reportagen zeugen von jedoch von einem nicht ganz urteilsfreien Menschenbild der christlichen Europäer gegenüber fremden Gesellschaften. Die Meinungen der Reisenden variieren aber durchaus, je nachdem von welchen Ländern und Gesellschaftsschichten sie gerade berichten. Sie unterliegen Tendenzen und Muster und die Intensität der wertenden Urteile schwankt stark.</p>
<p style="text-align: justify;">Niccoló de Contis Reisebericht übermittelt ein verhältnismäßig positives Bild von den Menschen des indischen Subkontinents. Conti gesteht ihnen durchaus leichte Verfehlungen zu. Die Menschen „Zentralindiens“ führen seiner Meinung nach zwar ein ausschweifendes Sexualleben, dafür leben sie aber nach europäischen Vorstellungen von Recht und Gesetz. Die indigene Schicht der Brahmanen wird in Contis Text ausführlich mit Worten geadelt. Sein Bericht beschreibt allerdings im Großen und Ganzen sehr sachlich den Charakter und das Aussehen der dort lebenden Menschen. Duarte Barbosas Länderbeschreibungen werfen ein sehr differenziertes Licht auf die Menschen auf dem Subkontinent. Er unterschiedet auch, anders als Conti, genauer zwischen den „Heiden“ und „Mauren“ Indiens.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Mauren, also Muslime, Nordindiens gelten in Barbosas pauschalen Ausführungen meistens als verschwendungs- und vergnügungssüchtig. Zudem schinden sie angeblich die indigene heidnische, also hinduistische, Bevölkerung. An den maurischen Frauen Indiens scheint der Christ aus Europa allerdings großen Gefallen zu finden. Barbosa lobt auch „Mauren“ in manchen Gegenden und Städten als angesehene Ehrenmänner. Von den „Heiden“ pflegt Barbosa ein überaus differenziertes Bild. Er unterscheidet bei ihrer Beurteilung vielmehr in Gesellschaftsschichten. Er pauschalisiert hierbei auffällig stark, indem er einer ganzen sozialen Einheit die gleichen Charaktereigenschaften und ein gleiches äußeres Erscheinungsbild zuschreibt. Manchen Schichten huldigt er geradezu mit warmen Worten. Andere, vor allem niedere, Gesellschaftsklassen stellt er in ein sehr schlechtes Licht oder bewertet lediglich, meistens jedoch positiv, deren Aussehen. Von den heidnischen Frauen zeigt er sich jedoch im Allgemeinen sehr angetan.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Menschen Ostasien gelten in Contis Bericht als die perfekten Menschen. Sie übertreffen alle anderen Menschen Asiens durch ihre brillanten Umgangsformen und ihre überlegene Zivilisation. Die Menschen in China werden als sehr freundliche und weise Zeitgenossen gezeichnet. An dieser Stelle geht Contis Bericht weit über die ansonsten sachliche Berichterstattung hinaus. Andere ostasiatische Völker werden in Contis Reisebericht jedoch trotz ihres „eigenartigen“ Äußeren sachlich dargestellt. Lediglich die Schilderung ihrer monogamen Lebensweise und ihres Glauben an einen dreifaltigen Gottes kann als Hinweis auf gewisse Sympathiebekundungen dienen. In Barbosas Schilderungen gelten die Menschen im chinesischen Raum ebenfalls als sehr ehrenwerte Personen.</p>
<p style="text-align: justify;">Der Text Contis wirft ein sehr schlechtes Licht auf die Menschen Südostasiens. Immer wieder kehrendes Muster stellt die angebliche unmenschliche Grausamkeit und unreinliche Lebensweise der Menschen dieses Raumes dar. Von einer nüchternen Erzählweise oder Unvoreingenommenheit in den Schilderungen Contis kann spätestens bei diesen Textstellen nicht mehr gesprochen. Der Befund Reicherts und Knefelkamps sollte an dieser Stelle neu überdacht werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Barbosas Bericht ähnelt Contis Erzählungen dadurch, dass auch hier manchen südostasiatischen Völkern Kannibalismus und angeblich üble Charaktereigenschaften, wie Heimtücke und Grausamkeit, vorgeworfen werden. Diese Zuschreibungen gehen oft einher mit der angeblichen physischen Hässlichkeit der männlichen Bewohner. Die Frauen empfindet Barbosa ausnahmslos hübsch. Barbosa unterscheidet dennoch mehr als Conti zwischen den Völkern Südostasiens. Manche indigenen Gesellschaften in diesem Raum gelten charakterlich wie in ihrem Körperlichen als gut geraten, während andere Völker entweder als hässlich aber mit guten Geisteseigenschaften oder, genau andersherum, als hübsch aber mit charakterlichen Verfehlungen beschrieben werden.</p>
<p style="text-align: justify;">Die Reiseberichte Contis und Barbosas pauschalisieren immerzu stark. Sie schreiben einem ganzen Volk, einer gesellschaftlichen Schicht oder einer soziale Gruppe allzeit die einzig gleichen Charaktereigenschaften und ein einheitliches äußeres Erscheinungsbild zu.</p>
<p style="text-align: justify;">Alle hier untersuchten Berichte lassen sehr wenig Raum für differenzierte Betrachtungen oder Einzelpersonenbeschreibungen. Die Berichte Contis und Barbosas  tendieren dazu, ostasiatische Völker sehr positiv, indische Gesellschaften differenziert und die südostasiatische Bevölkerungen vorwiegend negativ zu beschreiben.</p>
<p style="text-align: justify;">Das physische Erscheinungsbild der bereisten Gesellschaften korreliert jedoch in beiden Reiseberichten nicht immer mit den charakterlichen Zuweisungen. Allerdings zeichnet vor allem Barbosas Bericht ein weitaus besseres Gesamtbild von den weiblichen als von den männlichen Bewohnern Asiens.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong></p>
<p>Dembek, Christoph (2011): Die Wahrnehmung der &#8220;Anderen&#8221; in den europäischen Reiseberichten des späten Mittelalters (II). In: JBSHistoryBlog.de. URL: <a href="http://jbshistoryblog.de">http://jbshistoryblog.de</a> [Zugriff: DD:MM:YYYY]</p>
<p>Die Artikel werden mit ausdrücklicher Genehmigung des Verfassers veröffentlicht. Es handelt sich daher um keine Spiegelung der Inhalte von folgender Website <a href="http://www1.uni-hamburg.de/spaetmittelalter/Europaeische%20Reiseberichte%20um%201500/index.html">www1.uni-hamburg.de/spaetmittelalter/Europaeische Reiseberichte um 1500/index.html</a> .</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong> Bibliographie:</strong></p>
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<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-854-1'>Vgl. Knefelkamp, Ulrich: Europäisches Weltbild und Geschichtsschreibung über außereuropäische Kulturen, in: Weltbild und Realität. Einführung in die mittelalterliche Geschichtsschreibung, hrsg. von Ulrich Knefelkamp, Pfaffenweiler 1992, S. 149-156. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-2'>Vgl. Knefelkamp, Ulrich: Das Indienbild in Reiseberichten des Spätmittelalters, in: Die Begegnung des Westens mit dem Osten. Kongressakten des 4. Symposiums des Mediävistenverbandes in Köln 1991 aus Anlass des 1000. Todestages der Kaiserin Theophanu, hrsg. von Odilo Engels u. Peter Schreiner, Sigmaringen 1993, S. 109. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-3'>Vgl. Reichert, Folker: Erfahrung der Welt. Reisen und Kulturbegegnung im späten Mittelalter, Stuttgart 2001, S. 171. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-4'>Vgl. Reichert, Erfahrung der Welt, S. 176. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-5'>Ebd. S. 177. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-6'>Vgl. Stanley, Henry E. J.: Translators Preface, zitiert aus: A Description of the Coasts  of East Africa and Malabar in the Beginning of the Sixteenth Century, by Duarte Barbosa, A Portuguese, hrsg. von Henry E. J. Stanley (Hakluyt Society), London 1866, S. 5-9. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-7'>Vgl. Stanley, Translators Preface, S. 1-7. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-8'>Ebd. S. 1-7. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-9'>Der Humanist Bracciolini bringt oftmals eigene, antike Vorstellungen, wie die Dreiteilung „Indiens“,  in den Text ein, vgl. Knefelkamp: Das Indienbild in Reiseberichten, S. 110. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-10'>Übers. aus dem Original von Paggio Bracciolini: The Travels of Nicolò Conti in the East in the Early Part of the Fifteenth Century, übers. aus dem Original von Poggio Bracciolini mit Anmerkungen von J. Winter Jones, in: India in the Fifteenth Century, being a Collection of Narratives of Voyages to India the Century Preceding the Portuguese Discovery of the Cape of Good Hope, hrsg. von R. H. Major (Hakluyt Society), London 1857, S. 161-195. Im Folgenden ins Deutsche übertragen und im Folgenden zitiert: Conti, die Reisen des Nicolò Conti. S. 21 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-10'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-11'>Ebd. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-11'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-12'>Ebd. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-12'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-13'>Ebd. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-13'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-14'>Vgl. Conti, die Reisen des Nicolò Conti, S. 21-22. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-14'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-15'>Anmerkung des Übersetzers, siehe Conti, S. 15. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-15'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-16'>Vgl. Conti, S. 15. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-16'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-17'>Ebd. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-17'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-18'>Ebd. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-18'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-19'>Conti nennt es ‚Macinus’. Anmerkung des Übersetzers, siehe Conti, S. 11. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-19'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-20'>Vgl. Conti S. 13. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-20'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-21'>Vgl. Conti S. 13. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-21'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-22'>Vgl. Conti S. 13. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-22'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-23'>Übers. aus einem frühen spanischen Manuskript aus der Bibliothek von Barcelona: A Description of the Coasts of East Africa and Malabar in the Beginning of the Sixteenth Century, by Duarte Barbosa, A Portuguese, übers. aus einem frühen spanischen Manuskript aus der Bibliothek von Barcelona mit Anmerkungen und einem Vorwort von Henry E. J. Stanley (Hakluyt Society), London 1866. Im Folgenden ins Deutsche übertragen und im Folgenden zitiert als: Barbosa, (eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste). S. 205. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-23'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-24'>Vgl. Barbosa, S. 205. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-24'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-25'>Ebd. S. 205-206. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-25'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-26'>Ebd. S. 205. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-26'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-27'>Ebd. S. 205. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-27'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-28'>Ebd. S. 205. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-28'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-29'>Die LiuKiu oder RiuKiu Inseln, Anmerkung des Übersetzers, siehe: Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste. S. 207. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-29'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-30'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste. S. 207. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-30'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-31'>Siehe Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste. S. 207. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-31'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-32'>Siehe Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste. S. 207. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-32'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-33'>Vermutlich Burma. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-33'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-34'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste. S. 188 <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-34'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-35'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste. S.  <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-35'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-36'>Anmerkung des Übersetzers, Inseln zwischen Indien und Burma/Thailand, siehe Conti, die Reisen des Nicolò Conti, S. 154-160. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-36'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-37'>Vgl. Conti, S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-37'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-38'>Vgl. Conti, die Reisen des Nicolò Conti. S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-38'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-39'>Vgl. Conti, die Reisen des Nicolò Conti. S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-39'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-40'>Vgl. Reichert, Volker: Fernhandel und Entdeckungen, in: WBG Weltgeschichte. Eine globale Geschichte von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert 4, hrsg. von Walter Demel, Darmstadt 2010. S. 171-172. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-40'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-41'>Anm.: Conti berichtet von einer Insel namens „Batech“. Anmerkung des Übersetzers, siehe Conti. S. 9. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-41'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-42'>Vgl. Conti. S. 9. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-42'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-43'>Vgl. Conti. S. 9. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-43'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-44'>Siehe Conti. S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-44'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-45'>Siehe Conti. S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-45'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-46'>Vgl. Conti. S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-46'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-47'></a><a title="" href="#_ftn46">Vgl. Conti. S. 8</a><a title="" href="#_ftn46">.</a><a title="" href="#_ftn48"> <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-47'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-48'>Ebd. S. 8-9. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-48'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-49'>Anm.: Vermutlich Sumatra und Java. Anmerkung des Übersetzers, siehe Conti, S. 15-16. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-49'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-50'>Siehe Conti, S. 16. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-50'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-51'>Vgl. Conti, S. 16. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-51'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-52'>Siehe  Conti, S. 16. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-52'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-53'>Vgl. Conti, S. 16. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-53'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-54'>Vgl. Conti, S. 16. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-54'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-55'>Vgl. Reichert, Erfahrung der Welt, S.172. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-55'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-56'>Vgl. Reichert, Erfahrung der Welt, S.171, u. vgl. Knefelkamp, Europäisches Weltbild, S. 155. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-56'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-57'>Vgl. Conti, S. 16. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-57'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-58'>Anm.: In der Lissabonner Ausgabe des Barbosa Werkes heißen sie ‚Andam Inseln’. Anmerkung der Übersetzer, siehe Barbosa, S. 200. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-58'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-59'>Vgl. Barbosa, S. 200. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-59'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-60'>Anm.: Im Westen der Molukken. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-60'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-61'>Siehe Barbosa, S. 202-203. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-61'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-62'>Anm.: ‚Samatra’ in Barbosas Text. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-62'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-63'>Vgl. Barbosa, S. 196. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-63'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-64'>Siehe Barbosa, S. 196. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-64'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-65'>Siehe Barbosa, S. 196. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-65'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-66'>Siehe Barbosa, S. 194. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-66'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-67'>Vgl. Barbosa, S. 194. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-67'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-68'>Siehe Barbosa, S. 197. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-68'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-69'>Vgl. Barbosa, S. 198. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-69'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-70'>Siehe Barbosa, S. 198. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-70'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-71'>Ebd. S. 197. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-71'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-72'>Ebd. S. 193. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-72'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-73'>Vgl. Barbosa, S. 191. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-73'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-74'>Ebd. S. 193. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-74'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-75'>Ebd. S. 193. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-75'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-76'>Anm.: Aus der Provinz ‚Cholmendel’, die Koromandelküste. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-76'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-77'>Vgl. Barbosa, S. 193. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-77'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-78'>Ebd. S. 83 u. 164. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-78'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-79'>Ebd S. 164. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-79'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-80'>Ebd. S. 166. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-80'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-81'>Ebd. S. 166-167. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-81'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-854-82'>Ebd. S. 167. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-854-82'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
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		<title>Die Wahrnehmung der „Anderen“ in den europäischen Reiseberichten des späten Mittelalters (I)</title>
		<link>http://jbshistoryblog.de/2011/12/828/</link>
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		<pubDate>Mon, 05 Dec 2011 20:42:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Europäische Reisen]]></category>
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		<description><![CDATA[In der Artikelreihe: „Die Wahrnehmung der „Anderen“ in den europäischen Reiseberichten des späten Mittelalters“ werden europäische Reiseberichte von Balthasar Springer, Duarte Barbosa und Niccoló de Conti nach wertenden Aussagen gegenüber den indigenen Bevölkerungen untersucht.]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Im späten Mittelalter bereisten Europäer aus den unterschiedlichsten Gründen die Regionen Süd- und Südostasiens und berichteten nach ihrer Rückkehr von ihren Erlebnissen.<a title="" href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-1' id='fnref-828-1'>1</a></sup></a></strong></p>
<p><strong>Unter ihnen war der venezianische Kaufmann Niccoló de Conti, der zahlreiche Orte der indischen und südostasiatischen Welt zu Beginn des 15. Jahrhunderts besuchte.<a title="" href="#_ftn2"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-2' id='fnref-828-2'>2</a></sup></a> Seinen Reisebericht zeichnete der päpstliche Privatsekretär und Humanist Poggio Braccolini auf.<a title="" href="#_ftn3"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-3' id='fnref-828-3'>3</a></sup></a> Der Tiroler Kaufmann Balthasar Springer unternahm Anfang des 16. Jahrhunderts im Auftrag der Welser eine Indienfahrt.<a title="" href="#_ftn4"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-4' id='fnref-828-4'>4</a></sup></a> Nach seiner Heimkehr fertigte er selbst einen Bericht seiner Reise an.<a title="" href="#_ftn5"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-5' id='fnref-828-5'>5</a></sup></a> Duarte Barbosa war ein portugiesischer Seefahrer der im Auftrag Spaniens Anfang des 16. Jahrhunderts zu Entdeckungsreisen in den indischen und südostasiatischen Raum aufbrach.<a title="" href="#_ftn6"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-6' id='fnref-828-6'>6</a></sup></a> Von seinen Länderbeschreibungen existieren einige Übersetzungen und spätere Ausgaben. <a title="" href="#_ftn7"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-7' id='fnref-828-7'>7</a></sup></a> Der portugiesische Originalbericht scheint Barbosa zeitnah zu seiner Reise selbst verfasst zu haben.<a title="" href="#_ftn8"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-8' id='fnref-828-8'>8</a></sup><span id="more-828"></span></a></strong></p>
<p>Ihre Reiseberichte stellen nicht nur wichtige Quellen zur mittelalterlichen Welt dieser Regionen dar, sondern lassen auch gute Rückschlüsse auf ihre eigenen Vorstellungswelten und auf ihr Bild von den „Anderen“ zu. Die fremden Völker und Gesellschaftsschichten erzeugten bei den Reisenden Zuneigungen aber ebenso auch Aversionen gegenüber jenen. Die mittelalterliche Quellengattung der Reiseberichte ist geprägt durch ein hohes Maß an Subjektivität und persönlicher Empfindung.<a title="" href="#_ftn9"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-9' id='fnref-828-9'>9</a></sup></a></p>
<p>In der Artikelreihe: <em>„Die Wahrnehmung der „Anderen“ in den europäischen Reiseberichten des späten Mittelalters“</em> werden diese Quellen nach wertenden und subjektiven Aussagen ihrer Autoren gegenüber den indigenen Bevölkerungen untersucht. Um Mutmaßungen soweit wie möglich ausschließen zu können, werden nur Textstellen in Betracht gezogen, die relativ eindeutige Rückschlüsse auf die Meinungen der Reisenden über die dort lebenden Menschen zulassen. Die Einstellung gegenüber den verschiedenen Völkern und Gesellschaftsschichten lässt sich besonders gut an den ihnen zugeschriebenen Charaktereigenschaften und dem äußeren Erscheinungsbild feststellen. Das äußere Erscheinungsbild des Menschen verweist im Spätmittelalter auf seine soziale, geistig- seelische und sittliche Zugehörigkeit.<a title="" href="#_ftn10"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-10' id='fnref-828-10'>10</a></sup></a> Diese Auffassung war damals allgemein verbreitet.<a title="" href="#_ftn11"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-11' id='fnref-828-11'>11</a></sup></a> Physische Hässlichkeit, wie zum Beispiel ein deformierter Körper, steht im Europa des Spätmittelalters sinnbildlich für moralische Verwerflichkeit und seelische Verderbtheit oder kann als gefährlich gelten.<a title="" href="#_ftn12"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-12' id='fnref-828-12'>12</a></sup></a> Das Schönheitsideal des Spätmittelalters<a title="" href="#_ftn13"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-13' id='fnref-828-13'>13</a></sup></a> weicht zudem von modernen Vorstellungen durchaus ab.</p>
<p>Eine historische Quellenkritik steht in den Untersuchungen nicht im Vordergrund.<a title="" href="#_ftn14"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-14' id='fnref-828-14'>14</a></sup></a> Es soll eben nicht untersucht werden, ob die Autoren Wirklichkeiten wiedergaben oder ob ihre soziale Herkunft und ihr christlich- kultureller Hintergrund ihren Blick auf die Einheimischen verstellten. Es wird daher nicht gefragt, ob die Reisenden diese Erfahrungen selbst gemacht haben oder sich nur von antiken Schriften<a title="" href="#_ftn15"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-15' id='fnref-828-15'>15</a></sup></a> leiten ließen. Auch soll nicht analysiert werden, ob die Informationen in den Reiseberichten tatsächlich von den Autoren selbst stammen.<a title="" href="#_ftn16"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-16' id='fnref-828-16'>16</a></sup></a></p>
<p>Diese Untersuchung stellt überwiegend eine reine Quellenanalyse der Reiseberichte dar. Sie soll aufzeigen, welche subjektiven Vorstellungen diese Überlieferungen von den vielfältigen Einwohnerschaften Asiens tradieren. Das von den Reiseberichten an seine Leser übermittelte Bild oder Zerrbild von den unterschiedlichen Völker und Gesellschaftsschichten in diesem Raum steht also im Fokus dieser Untersuchungen. Außerdem wird die zentrale Frage behandelt: Welche Muster und Tendenzen machen sich in den wertenden Äußerungen bemerkbar? Die Ergebnisse dieser Untersuchungen stellen damit einen kleinen Beitrag zur Geschichte des mittelalterlichen Reisens sowie zu mittelalterlichen-europäischen Vorstellungswelten von den „Anderen“ dar. Die Artikelreihe: <em>„Die subjektive Wahrnehmung der „Anderen“ in den europäischen Reiseberichten des späten Mittelalters“ </em>ist gegliedert in die verschiedenen „besuchten“ Regionen des asiatischen Raumes, um Muster und Tendenzen der Meinungsbilder deutlich herauszuarbeiten.</p>
<p><strong> </strong></p>
<h2>I. Die Menschen des indischen Subkontinent in den Reiseberichten</h2>
<h3></h3>
<h3>I.I Im Bericht Contis</h3>
<div class="mceTemp" style="text-align: center;">
<dl id="attachment_834" class="wp-caption alignleft" style="width: 157px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/20110414092214Gianfrancesco_Poggio_Bracciolini.jpg"><img class=" wp-image-834 " style="border: 1px solid black;" title="20110414092214!Gianfrancesco_Poggio_Bracciolini" src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/20110414092214Gianfrancesco_Poggio_Bracciolini-245x300.jpg" alt="Gianfrancesco Poggio Bracciolini" width="147" height="180" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Gianfrancesco Poggio Bracciolini</dd>
</dl>
</div>
<p>In Bracciolinis Aufzeichnung<a title="" href="#_ftn17"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-17' id='fnref-828-17'>17</a></sup></a> von Contis Reiseeindrücken finden sich nur wenige Passagen, in denen sich wertende Äußerungen über die Menschen auf dem indischen Subkontinent feststellen lassen. Ulrich Knefelkamp beschreibt Contis Reisebericht daher als einen sachlichen Bericht, der <em>„mehr aus der Position des Beobachters als des wertenden christlichen Europäers“</em> erzählt.<a title="" href="#_ftn18"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-18' id='fnref-828-18'>18</a></sup></a> Dennoch macht sich auch in Contis Schilderungen das nicht ganz urteilsfreie Weltbild des „Europäers“ durchaus bemerkbar.</p>
<p>Conti vergleicht wohlwollend die indigene Bevölkerung zwischen Indus und Ganges mit der europäischen Population. <em>„Sie haben [Conti zufolge] Barbiere wie unsereins. Die Männer gleichen Europäern in ihrer Statur und Lebensdauer</em>.“<a title="" href="#_ftn19"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-19' id='fnref-828-19'>19</a></sup></a> Conti vermerkt zudem, dass Teile ihrer Kleidung dem Bekleidungsstil griechischer Statuen ähneln.<a title="" href="#_ftn20"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-20' id='fnref-828-20'>20</a></sup></a> Der schlichte Vergleich des Fremden mit Vertrautem ist ein sehr häufiges Mittel in den Reiseberichten des späten Mittelalters.<a title="" href="#_ftn21"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-21' id='fnref-828-21'>21</a></sup></a> Das Vertraute wird dabei als Bezugspunkt herangezogen um die fremde Wirklichkeit besser einordnen zu können.<a title="" href="#_ftn22"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-22' id='fnref-828-22'>22</a></sup></a> Es bleibt dem Reisenden dabei überlassen, die Fremden mit den ihm vertrauten Begriffen zu fassen.<a title="" href="#_ftn23"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-23' id='fnref-828-23'>23</a></sup></a> Was dem Reisenden vertraut erscheint, erweckt in ihm jedoch meistens ein Gefühl der Nähe und Verbundenheit.</p>
<p>Der italienische Kaufmann scheint auch beeindruckt von den reich verzierten Sandalen und dem prachtvollen Schmuck der dortigen Frauen zu sein.<a title="" href="#_ftn24"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-24' id='fnref-828-24'>24</a></sup></a> Die Menschen „Zentralindiens“ sind allerdings nicht nur der Jagd und dem Vogelstellen, sondern zusätzlich auch der sexuellen Zügellosigkeit verfallen. <a title="" href="#_ftn25"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-25' id='fnref-828-25'>25</a></sup></a>  Diese Bemerkung Contis rührt vermutlich aus seinen Beobachtungen, dass die Männer dieses Indiens allzu oft den Schmeicheleien und der Schönheit der Prostituierten in den vielen städtischen Bordellen erliegen.<a title="" href="#_ftn26"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-26' id='fnref-828-26'>26</a></sup></a> Diese „<em>locken die Männer mit süßen Düften und Salben, durch ihre Schmeicheleien, und mit ihrer Schönheit und Jugend.“</em><a title="" href="#_ftn27"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-27' id='fnref-828-27'>27</a></sup></a> Die Liebesdamen, die in „<em>allen Städten und Stadtvierteln</em>“ Indiens zu finden sind, <a title="" href="#_ftn28"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-28' id='fnref-828-28'>28</a></sup></a> erinnern ihn vielleicht an die Prostituierten in den unzähligen europäischen Badehäusern, von denen viele zugleich Bordelle sind, und in denen die Damen, die in Europa als unehrbare Frauen gelten, ihre Dienste verrichten.<a title="" href="#_ftn29"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-29' id='fnref-828-29'>29</a></sup></a> Conti verurteilt, der Niederschrift Bracciolinis folgend, die indischen  Prostituierten keineswegs, sondern erwähnt lediglich den allgemeinen Hang zur sexuellen Zügellosigkeit der Inder dieses Raumes.<a title="" href="#_ftn30"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-30' id='fnref-828-30'>30</a></sup></a> Er schwächt diese leichten Verfehlungen allerdings dadurch ab, indem er zusätzlich erwähnt, dass die Menschen in diesem Gebiet dafür „<em>aber keine unnatürliche Kriminalität kennen</em>“.<a title="" href="#_ftn31"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-31' id='fnref-828-31'>31</a></sup></a> Des Weiteren führen die dort lebenden Menschen nur monogame Ehen, während in den anderen Teilen Asiens<a title="" href="#_ftn32"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-32' id='fnref-828-32'>32</a></sup></a> die Vielweiberei überwiegt.<a title="" href="#_ftn33"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-33' id='fnref-828-33'>33</a></sup></a></p>
<p>Conti spricht zudem hochachtungsvoll von der indigenen Gesellschaftsschicht der Brahmanen<em>, „der Klasse von Philosophen, die überall in Indien aufzufinden</em> <em>sind“</em>.<a title="" href="#_ftn34"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-34' id='fnref-828-34'>34</a></sup></a> „<em>Sie sind Männer von überlegener Aufzucht</em><a title="" href="#_ftn35"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-35' id='fnref-828-35'>35</a></sup></a> <em>und zeichnen sich durch eine größere Lebensheiligkeit und heilige Verhaltensweisen aus.“</em><a title="" href="#_ftn36"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-36' id='fnref-828-36'>36</a></sup></a> Conti versichert in Bracciolinis Niederschrift auch, dass sie zukünftige Ereignisse vorhersagen, Stürme beeinflussen und ein methusalisches Alter erreichen können.<a title="" href="#_ftn37"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-37' id='fnref-828-37'>37</a></sup></a> In seinem Reisebericht adelt Conti die „<em>Rasse der Brahmanen“ </em>auf der Insel Ceylon<a title="" href="#_ftn38"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-38' id='fnref-828-38'>38</a></sup></a>, als „<em>große Philosophen</em>“. <a title="" href="#_ftn39"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-39' id='fnref-828-39'>39</a></sup></a> Sie „<em>widmen ihr ganzes Leben astrologischen Studien und entwickeln Tugenden und Verfeinerungen des Lebens“</em>.<a title="" href="#_ftn40"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-40' id='fnref-828-40'>40</a></sup></a> Conti merkt an dieser Stelle an, dass die Brahmanen bekannt dafür sind, „<em>weiser zu sein als andere Menschen</em>“.<a title="" href="#_ftn41"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-41' id='fnref-828-41'>41</a></sup></a></p>
<h3>I.II Im Bericht Barbosas</h3>
<p>Duarte Barbosa beschäftigt sich in seinem Reisebericht<a title="" href="#_ftn42"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-42' id='fnref-828-42'>42</a></sup></a>  sehr ausführlich mit den Menschen auf dem indischen Subkontinent. Er unterscheidet jedoch, anders als Conti, zwischen den so genannten „maurischen“, also muslimischen, und „heidnischen“, also hinduistischen, Volksgruppen auf dem indischen Subkontinent. Er vertritt allerdings gegenüber den so genannten „Mauren“ im indischen Raum eine durchaus differenzierte Meinung.</p>
<p>Die maurische Herrscher- und Oberschicht im nordwestindischen Königreich Guzarat verurteilt er weitestgehend. Er führt unterem an, dass jene die indigene heidnische Bevölkerung schindet und belästigt.<a title="" href="#_ftn43"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-43' id='fnref-828-43'>43</a></sup></a> Die dortigen Mauren nutzen auch die weit verbreitete Verehrung alles Lebenden unter den Heiden aus, um diese zu erpressen oder Almosen zu ergaunern.<a title="" href="#_ftn44"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-44' id='fnref-828-44'>44</a></sup></a> Die Herkunftsländer dieser Mauren wirken sich sicherlich auch auf die Beurteilung dieser Menschen aus. Conti berichtet, dass es vor allem Türken, Mamelucken, Araber, Perser sind, die das reiche Land anlockt.<a title="" href="#_ftn45"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-45' id='fnref-828-45'>45</a></sup></a> Conti bezeichnet sie als „<em>verschwenderische Leute“</em>, die viel Geld für ihren aufwendigen Lebensstil und vor allem für schöne und wertvolle Kleidung ausgeben.<a title="" href="#_ftn46"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-46' id='fnref-828-46'>46</a></sup></a> Die männlichen Mauren charakterisiert er gar als „<em>sehr eifersüchtige Männer“</em>, welche die ehelichen Bindungen, wie ihre Frauen auch, jederzeit lösen können.<a title="" href="#_ftn47"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-47' id='fnref-828-47'>47</a></sup></a> Sie dürfen Conti zufolge auch so viele Frauen heiraten wie sie wünschen und sie sich leisten können<em>. </em><a title="" href="#_ftn48"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-48' id='fnref-828-48'>48</a></sup></a> Die maurischen Frauen scheinen ihm allerdings zu gefallen. Er beschreibt sie als <em>„sehr weiß und hübsch, und auch sehr reich herausgeschmückt.“</em><a title="" href="#_ftn49"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-49' id='fnref-828-49'>49</a></sup></a> In der Königsstadt Cambay in Guzerat begegnet er den  „<em>Leuten von außerhalb“ </em>nochmals. <a title="" href="#_ftn50"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-50' id='fnref-828-50'>50</a></sup></a> <em> </em>Er beschreibt sie hier als<em>  „sehr weiß und gut angezogen“</em>, welche <em>eine „luxuriöse Lebensweise, sich sehr den Freuden und dem Vergnügen hingebend, pflegen</em>.“<a title="" href="#_ftn51"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-51' id='fnref-828-51'>51</a></sup></a> Er lobt jedoch auch ausführlich ihre handwerklichen Kunstfertigkeiten.<a title="" href="#_ftn52"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-52' id='fnref-828-52'>52</a></sup></a></p>
<p>Die Mauren der maurischen Stadt Bengala in Nordostindien bezeichnet Barbosa als „<em>weiße, und gut gebaute Männer“</em>.<a title="" href="#_ftn53"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-53' id='fnref-828-53'>53</a></sup></a> Die Angehörigen der maurischen Oberschichten führen nach Meinung Barbosas jedoch ebenfalls ein verschwenderisches Leben, sie trinken und essen in großen Mengen, „<em>und haben andere schlechte Angewohnheiten</em>.“ <a title="" href="#_ftn54"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-54' id='fnref-828-54'>54</a></sup></a> Ihre Frauen sind versessen nach Wein und sehr daran gewöhnt.<a title="" href="#_ftn55"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-55' id='fnref-828-55'>55</a></sup></a> Der Vorwurf der Verschwendungs- und Vergnügungssucht gegenüber der maurischen Bevölkerung zieht sich also wie ein roter Faden durch Barbosas Reisebericht. In diesem Fall wirft er den maurischen Kaufleuten der Stadt aber noch vor, dass sie Heidenkinder kaufen, sie kastrieren und an die Perser verkaufen.<a title="" href="#_ftn56"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-56' id='fnref-828-56'>56</a></sup></a></p>
<p>Die Mauren der Stadt Ravel in Nordwestindien beschreibt er als weiße, sehr reiche und gut angezogene Menschen. <a title="" href="#_ftn57"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-57' id='fnref-828-57'>57</a></sup></a> Zudem schwärmt er abermals von der großen Schönheit und erstmals von der emanzipierten, und aus Europa vertrauten, Lebensweise der maurischen Ehefrauen.<a title="" href="#_ftn58"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-58' id='fnref-828-58'>58</a></sup></a> Er schätzt an ihnen, dass „<em>diese Frauen [..] nicht so zurückgezogen wie die der anderen Mauren und an anderen Orten [leben], sondern [..] auch tagsüber, mit unverhülltem Gesicht wie es in unseren Ländern üblich ist, in die Stadt [gehen] um ihre Geschäfte zu erledigen</em>.“<a title="" href="#_ftn59"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-59' id='fnref-828-59'>59</a></sup></a></p>
<p>Die maurischen Soldaten im Königreich von Decani<strong> </strong>an der mittleren Westküste Indiens, beschreibt Barbosa recht positiv als <em>„Leute, mit guten Figuren</em>“. <a title="" href="#_ftn60"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-60' id='fnref-828-60'>60</a></sup></a> In der Stadt Dabul in Decani leben ihm zufolge „<em>sehr angesehene Mauren und Heiden“</em>.<a title="" href="#_ftn61"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-61' id='fnref-828-61'>61</a></sup></a> Barbosa erwähnt auch anerkennend ihren mutigen- allerdings vergeblichen- Widerstandskampf gegen die portugiesische Eroberung ihrer Stadt.<a title="" href="#_ftn62"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-62' id='fnref-828-62'>62</a></sup></a> Die Mauren, welche in der Stadt Goa<strong> </strong>an der südlichen Westküste Indiens bis zur Eroberung durch die Portugiesen lebten, nennt Barbosa ebenfalls „<em> angesehene Männer</em> <em>[…] von denen einige sehr gute Ehrenmänner sind</em>.“<a title="" href="#_ftn63"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-63' id='fnref-828-63'>63</a></sup></a> Arabische und persische Mauren im Königreich Calicut beschreibt er als weiße Männer, die „<em>sehr vornehm“ </em>und von „<em>guter äußerer Erscheinung“</em> sind.<a title="" href="#_ftn64"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-64' id='fnref-828-64'>64</a></sup></a> Allerdings hält er ihnen auch vor, dass sie sehr verschwenderisch leben.<a title="" href="#_ftn65"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-65' id='fnref-828-65'>65</a></sup></a></p>
<p>Das Urteil Barbosas über die heidnische Bevölkerung Indiens scheint noch differenzierter zu sein. Die Heiden des Königreichs Decani beschreibt er als „<em>schwarz, gut gebaut und sehr mutig“.</em><a title="" href="#_ftn66"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-66' id='fnref-828-66'>66</a></sup></a> Barbosas gutes Bild von ihnen scheint nicht zu trüben, dass sie Götzenverehrung betreiben. <a title="" href="#_ftn67"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-67' id='fnref-828-67'>67</a></sup></a> Die Einwohner der überwiegend heidnischen Stadt Baticala<strong> </strong>an der südlichen Westküste Indiens, die Malabarküste, bezeichnet er als „<em>sehr Gewinn orientierte Menschen</em>“.<a title="" href="#_ftn68"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-68' id='fnref-828-68'>68</a></sup></a><strong> </strong></p>
<p>In manchen Königreichen klassifiziert Barbosa die hinduistisch- indigene Bevölkerung sogar in Wertigkeiten, und pflegt somit eine überaus differenzierte Meinung von den „Heiden“. Die Heiden im Königreich Guzerat, in Nordostindien, unterteilt er in drei „Güteklassen“.<a title="" href="#_ftn69"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-69' id='fnref-828-69'>69</a></sup></a> Eine Klasse stellen die Razbuten, ehemalige Ritter und Statthalter, die auch ohne die Führung eines Königs tapfer gegen die Mauren kämpfen.<a title="" href="#_ftn70"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-70' id='fnref-828-70'>70</a></sup></a> Neben diesen gibt es noch die Banianen, Händler und Kaufleute, die sehr friedfertig leben, aber von den Mauren sehr schlecht behandelt werden.<a title="" href="#_ftn71"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-71' id='fnref-828-71'>71</a></sup></a> Barbosa zufolge sind die Banianen jedoch auch „<em>große Wucherer, und Maß und- Gewichts- Handel, und Münzenfälscher, sowie Lügner und Betrüger“</em>.<a title="" href="#_ftn72"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-72' id='fnref-828-72'>72</a></sup></a> Diese heidnischen Männer sind aber auch „<em>braune Leute, gut gebaut und mit guten Körperproportionen, klug in der Wahl ihrer Kleider, die erlesen und dennoch maßvoll Essen“</em>.<a title="" href="#_ftn73"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-73' id='fnref-828-73'>73</a></sup></a> Barbosa erwähnt zusätzlich die intensive Körperpflege mit Duftstoffen und die aufwendige Haarpracht der heidnischen Männer, deren Frisuren ihn an spanische Frauen erinnern. <a title="" href="#_ftn74"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-74' id='fnref-828-74'>74</a></sup></a> Zudem nennt er die ständige Verliebtheit der männlichen Heiden.<a title="" href="#_ftn75"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-75' id='fnref-828-75'>75</a></sup></a> Alles in allem, scheint Barbosa diese Männer als etwas unmännlich zu begreifen.</p>
<p>Er schwärmt jedoch regelrecht von den makellosen und sittlichen Banian- Frauen. Sie haben „<em>sehr hübsche, feine Gesichter, und schön geformte Körper, [und sind] ein bisschen dunkel“</em>.<a title="" href="#_ftn76"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-76' id='fnref-828-76'>76</a></sup></a> „<em>Sie sind anständige Frauen, und wenn sie außer Haus gehen, bedecken sie ihren Kopf mit ihren Umhängetüchern</em>.“<a title="" href="#_ftn77"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-77' id='fnref-828-77'>77</a></sup></a></p>
<p>Eine dritte Klasse innerhalb der heidnischen Bevölkerung stellen die Bramahnen, die Priester, Verwalter und Leiter des „Götzendienstes“ zugleich sind.<a title="" href="#_ftn78"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-78' id='fnref-828-78'>78</a></sup></a> Barbosa hegt eine ähnlich positive Sichtweise wie Conti von diesen Menschen. Er scheint entzückt, dass sie einen heiligen dreifaltigen Gott,<em> „von welchem sie glauben, dass er der wahre Gott, der Urheber und Schöpfer aller Dinge ist“, </em>anbeten.<a title="" href="#_ftn79"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-79' id='fnref-828-79'>79</a></sup></a>  Zudem schätzt er an den Brahmanen, dass sie willig in die christlichen Kirchen eintreten, „<em>unsere Abbilder</em>“ verehren, und ein großes und scheinbar fundiertes Wissen von der „<em>Heiligen Maria, unserer [Jung]frau“ </em>haben. <a title="" href="#_ftn80"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-80' id='fnref-828-80'>80</a></sup></a> Barbosa schreibt auch sicherlich erfreut, dass die Brahmanen <em>„[…]keine großen Unterschiede zwischen denen [Brahmanen] und uns [christlichen Europäern][..]“ </em>sehen<em>.</em><a title="" href="#_ftn81"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-81' id='fnref-828-81'>81</a></sup></a>  Die angeblich geistige Seelenverwandtschaft der Brahmanen scheint den europäischen Christen schwer beeindruckt zu haben. Barbosas positive Sicht auf die Brahmanen wird vermutlich dadurch verstärkt, dass sie das Töten ablehnen, und sich an einen einzigen Lebenspartner bis zum gemeinsamen Tode binden.<a title="" href="#_ftn82"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-82' id='fnref-828-82'>82</a></sup></a> Die große Verehrung der Bramahnen durch ihre heidnischen Landsleute intensiviert sicherlich Barbosas hohe Meinung von diesen Leuten.<a title="" href="#_ftn83"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-83' id='fnref-828-83'>83</a></sup></a></p>
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<dl id="attachment_839" class="wp-caption alignleft" style="width: 432px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/800px-Calicut_1572.jpg"><img class=" wp-image-839   " style="border: 1px solid black;" title="800px-Calicut_1572" src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/800px-Calicut_1572-300x123.jpg" alt="Das Königreich Kalikut um 1572" width="422" height="174" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Das Königreich Kalikut um 1572</dd>
</dl>
</div>
<p>Duarte Barbosa bewertet auch die vielen Gesellschaftsschichten innerhalb des heidnischen Volkes im Königreich Calicut, an der Malabarküste, sehr unterschiedlich.<a title="" href="#_ftn84"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-84' id='fnref-828-84'>84</a></sup></a> Seine Einteilung erfolgt nach Abstammung- und Berufskriterien. <a title="" href="#_ftn85"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-85' id='fnref-828-85'>85</a></sup></a> Barbosa urteilt allerdings nur über einige dieser Schichten in deutlichen Worten. Ein Teil der Oberschicht bilden die Nair<strong>,</strong> eine Art Kriegerkaste, deren männliche Angehörige Barbosa als „<em>sehr klug“</em> und „<em>geschickt</em>“ und deren Frauen als „<em>sehr sauber</em>“ und gut angezogen, beschreibt.<a title="" href="#_ftn86"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-86' id='fnref-828-86'>86</a></sup></a> Die Nair-Männer zeichnen sich zudem durch an hohes Maß an Ehrerbietung gegenüber ihren Müttern und Schwestern aus.<a title="" href="#_ftn87"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-87' id='fnref-828-87'>87</a></sup></a> Die Nair-Frauen treten vor allem dadurch in Erscheinung, dass sie ihre Männer gerne sexuell beglücken.<a title="" href="#_ftn88"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-88' id='fnref-828-88'>88</a></sup></a> Die niedere Kaste der Fischer und Seeleute<strong> </strong>beschimpft Barbosa hingegen als „<em>große Diebe, und schamlos[e] [Menschen]“</em>.<a title="" href="#_ftn89"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-89' id='fnref-828-89'>89</a></sup></a> Die weiblichen Angehörigen dieser Schicht schlafen Barbosa zufolge ohne jegliche Gewissenbisse mit jedem der ihnen beliebt.<a title="" href="#_ftn90"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-90' id='fnref-828-90'>90</a></sup></a></p>
<p>Die Angehörigen einer unteren sozialen Schicht, die wie Ausgestoßene leben,<a title="" href="#_ftn91"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-91' id='fnref-828-91'>91</a></sup></a> bezeichnet er sogar als „<em>große Charmeure, Diebe und sehr abscheuliche Leute</em>“.<a title="" href="#_ftn92"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-92' id='fnref-828-92'>92</a></sup></a></p>
<p>Ausländer von der Koromandelküste, der Südostküste Indiens, welche in Calicut zumeist als Händler und Geldwechsler arbeiten, schildert er als braune Männer, und als groß und kräftig gebaut.<a title="" href="#_ftn93"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-93' id='fnref-828-93'>93</a></sup></a> „<em>Sie sind [Barbosa zufolge] reich und respektiert, und leben sehr anständig […]“.</em><a title="" href="#_ftn94"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-94' id='fnref-828-94'>94</a></sup></a> Er bezeichnet sie aber auch als <em>„[…] große Wucherer“, welche selbst ihren Brüdern keinen Real [Geldstück] ohne Zinsertrag leihen.“</em> <a title="" href="#_ftn95"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-95' id='fnref-828-95'>95</a></sup></a> Er würdigt dennoch auch, dass sie ordentlich Buch- und Haushalten und schlau ihre Geschäfte führen.<a title="" href="#_ftn96"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-96' id='fnref-828-96'>96</a></sup></a></p>
<p>Andere Schichten bewertet Barbosa nur nach ästhetischen Merkmalen. Die Schicht der Weber zeichnet sich zum Beispiel durch schöne Körper aus.<a title="" href="#_ftn97"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-97' id='fnref-828-97'>97</a></sup></a>  Trotz ihres niederen Ranges innerhalb der Gesellschaft, bezeichnet Barbosa die Frauen der Moguer, der Lastenschlepper, als „<em>sehr hübsche Frauen“</em>, die sehr weiß sind, da sie Töchter von weißen Ausländern sind.<a title="" href="#_ftn98"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-98' id='fnref-828-98'>98</a></sup></a></p>
<p>Duarte Barbosa berichtet des Weiteren eingehend von einer Schicht heidnischer „Aussteiger“, die ihre Heimat, das Königreich Delhi, verlassen haben.<a title="" href="#_ftn99"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-99' id='fnref-828-99'>99</a></sup></a> Auch Heiden aus anderen Landesteilen Indiens verlassen ihre Heimat in großen Zahlen und treten eine lebenslange Wanderschaft an.<a title="" href="#_ftn100"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-100' id='fnref-828-100'>100</a></sup></a> Diese „Wandersleute“ ziehen bettelnd durch das ganze Land Indien und bezeichnen sich, den Worten Barbosas folgend, selbst als „Gottesdiener“.<a title="" href="#_ftn101"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-101' id='fnref-828-101'>101</a></sup></a> Barbosa vergleicht diese Gruppenwanderung mit dem Wanderungsverhalten europäischer „Zigeuner“.<a title="" href="#_ftn102"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-102' id='fnref-828-102'>102</a></sup></a> Er verweist auch darauf, dass diese Menschen vormals „<em>Adlige und angesehene Leute</em>“ waren.<a title="" href="#_ftn103"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-103' id='fnref-828-103'>103</a></sup></a> Barbosa beschreibt sie in warmen Worten als „<em>braun, sehr gut gebaut und wohl proportioniert, mit schönen Gesichtern“</em>.<a title="" href="#_ftn104"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-104' id='fnref-828-104'>104</a></sup></a> Barbosa scheint auch ihre gottergebene Lebensweise und ihre demütige Haltung zu bewundern.<a title="" href="#_ftn105"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-105' id='fnref-828-105'>105</a></sup></a> Die „Wandersleute“ verzichten, nach eigenen Aussagen, aus Scham auf jeglichen Besitz, da sie ihre Ländereien und ihre Häuser, „<em>in denen Gott sie großzog</em>“,  an „<em>solch</em> <em>böse Menschen wie die Mauren</em>“ verloren haben.<a title="" href="#_ftn106"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-106' id='fnref-828-106'>106</a></sup></a> Sie leben Barbosa Urteil nach auch bußfertig, da sie schwere Ketten zur Selbstkasteiung um ihre Körper tragen, damit sie permanent an diese Sünde und Schande erinnert werden.<a title="" href="#_ftn107"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-107' id='fnref-828-107'>107</a></sup></a> Ihre Körper sind mit Asche eingerieben, um sie an ihre Sterblichkeit zu erinnern.<a title="" href="#_ftn108"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-108' id='fnref-828-108'>108</a></sup></a> Zudem scheint Barbosa erfreut hervorzuheben, dass sie keine Götzenverehrung betreiben, sich unter alle Menschenarten mischen und von den Menschen Indiens in hohem Maße verehrt werden.<a title="" href="#_ftn109"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-109' id='fnref-828-109'>109</a></sup></a></p>
<p>Barbosa lobt darüber hinaus ausdrücklich die tolerante Haltung der sehr reichen Einwohnerschaft der heidnischen Königsstadt Bijanaguer im Königreich Narsinga, im südlichen Binnenland Indiens.<a title="" href="#_ftn110"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-110' id='fnref-828-110'>110</a></sup></a> In dieser Stadt dürfen Menschen aller Nationen und Glaubensbekenntnisse sich niederlassen, Handel treiben, und sehr frei und in Sicherheit leben.<a title="" href="#_ftn111"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-111' id='fnref-828-111'>111</a></sup></a> Die Heiden belästigen niemanden, und sie fragen nicht nach dem Herkunftsland und dem Glauben.<a title="" href="#_ftn112"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-112' id='fnref-828-112'>112</a></sup></a> Die Gouverneure des Landes sorgen für die Einhaltung der Glaubensfreiheit und für eiserne Gerechtigkeit.<a title="" href="#_ftn113"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-113' id='fnref-828-113'>113</a></sup></a> Die Bewohner dieser Stadt sind „<em>Heiden, farbige Männer und beinahe weiß, mit langen und sehr geschmeidigem schwarzem Haarwuchs; sie sind in ihren Körpermerkmalen… [und Gesichtszügen</em><a title="" href="#_ftn114"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-114' id='fnref-828-114'>114</a></sup></a><em> ] wohl-proportionierte Männer, ähnlich unserer eigenen [äußeren Erscheinung], und ebenso sind es die Frauen</em>.“<a title="" href="#_ftn115"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-115' id='fnref-828-115'>115</a></sup></a></p>
<p>Barbosa gefällt also nicht nur der tolerante und ehrliche Charakter, sondern auch das äußere Erscheinungsbild dieser Menschen. Diese Beurteilungen stehen vermutlich in einer positiven Wechselwirkung miteinander.</p>
<p>Im heidnischen Königreich Narsinga begegnet Barbosa auch zahlreichen „<em>bezaubernden Single-Frauen</em>“, die im Kriegslager des Königs leben.<a title="" href="#_ftn116"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-116' id='fnref-828-116'>116</a></sup></a> Er scheint beeindruckt davon zu, dass die Liebesdienste dieser Damen nicht nur viele Krieger an den Hof des Königs binden, sondern auch ebenso viele Kämpfer aus dem Ausland anziehen.<a title="" href="#_ftn117"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-117' id='fnref-828-117'>117</a></sup></a> Er verweist darauf, dass <em>„[…] unter ihnen [..] viele sehr ehrbare Frauen“ [sind] […], die aus guten Häusern kommen und sehr reich sind</em>.<em>“</em><a title="" href="#_ftn118"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-118' id='fnref-828-118'>118</a></sup></a><strong><br />
</strong></p>
<h3>I.III Im Bericht Springers</h3>
<p>In Balthasar Springers Reisebericht<a title="" href="#_ftn119"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-119' id='fnref-828-119'>119</a></sup></a> findet sich nur eine wertende Äußerung über die indigenen Völker. Wie Barbosa Jahre nach ihm, scheint er eine gute Meinung von den Menschen in Narsinga<a title="" href="#_ftn120"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-120' id='fnref-828-120'>120</a></sup></a> zu vertreten. Springer beschreibt die Einwohner in diesem „<em>großmächtigen“ </em>Königreich als ein „<em>höfliches Volk“</em>.<a title="" href="#_ftn121"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-121' id='fnref-828-121'>121</a></sup></a> Sein Urteil ist wahrscheinlich positiver Natur, unter anderem, weil es „<em>Christus,</em> <em>unseren Erlöser</em>“, anbetet.<a title="" href="#_ftn122"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-122' id='fnref-828-122'>122</a></sup></a> <em>„Der Text [Springers] […] gibt der Beschreibung Indiens [und seiner Menschen ansonsten aber] wenig Raum.“</em><a title="" href="#_ftn123"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-123' id='fnref-828-123'>123</a></sup></a> Er hatte wohl seltener die Gelegenheit mit den Einheimischen in Kontakt zu treten.<a title="" href="#_ftn124"><sup class='footnote'><a href='#fn-828-124' id='fnref-828-124'>124</a></sup></a> Urteile über andere Völker oder Gesellschaftsschichten lassen sich im Text Springers nicht finden.</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Der nächste Artikel wird die Reiseberichte Contis und Barbosas über Ostasien und Südostasien behandeln. Ihre Wahrnehmungen über die indigenen Einwohner sollen in diesen Berichten  näher untersucht werden.</p>
<p>&nbsp;</p>
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<p><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong></p>
<p>Dembek, Christoph (2011): Die Wahrnehmung der &#8220;Anderen&#8221; in den europäischen Reiseberichten des späten Mittelalters (I). In: JBSHistoryBlog.de. URL: <a href="http://jbshistoryblog.de">http://jbshistoryblog.de</a> [Zugriff: DD:MM:YYYY]</p>
<p>Die Artikel werden mit ausdrücklicher Genehmigung des Verfassers veröffentlicht. Es handelt sich daher um keine Spiegelung der Inhalte von folgender Website <a href="http://www1.uni-hamburg.de/spaetmittelalter/Europaeische%20Reiseberichte%20um%201500/index.html">www1.uni-hamburg.de/spaetmittelalter/Europaeische Reiseberichte um 1500/index.html</a> .</p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Bild:</strong> Gianfrancesco Poggio Bracciolini auf <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Gianfrancesco_Poggio_Bracciolini.JPG&amp;filetimestamp=20060521230750">Wikipedia</a> [Zugriff: 13.12.2011]</p>
<p><strong>Bild:</strong> Das Königreich Kalikut um 1572 auf <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Calicut_1572.jpg&amp;filetimestamp=20111209204012">Wikipedia</a> [Zugriff: 13.12.2011]</p>
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<p><strong> </strong></p>
<div><strong>Bibliographie:</strong></div>
<div></div>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-828-1'>Vgl. Knefelkamp, Ulrich: Europäisches Weltbild und Geschichtsschreibung über außereuropäische Kulturen, in: Weltbild und Realität. Einführung in die mittelalterliche Geschichtsschreibung, hrsg. von Ulrich Knefelkamp, Pfaffenweiler 1992, S. 149-156. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-2'>Vgl. Knefelkamp, Ulrich: Das Indienbild in Reiseberichten des Spätmittelalters, in: Die Begegnung des Westens mit dem Osten. Kongressakten des 4. Symposiums des Mediävistenverbandes in Köln 1991 aus Anlass des 1000. Todestages der Kaiserin Theophanu, hrsg. von Odilo Engels u. Peter Schreiner, Sigmaringen 1993, S. 109. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-3'>Vgl. Reichert, Folker: Erfahrung der Welt. Reisen und Kulturbegegnung im späten Mittelalter, Stuttgart 2001, S. 171. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-4'>Vgl. Reichert, Erfahrung der Welt, S. 176. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-5'>Ebd. S. 177. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-6'>Vgl. Stanley, Henry E. J.: Translators Preface, zitiert aus: A Description of the Coasts  of East Africa and Malabar in the Beginning of the Sixteenth Century, by Duarte Barbosa, A Portuguese, hrsg. von Henry E. J. Stanley (Hakluyt Society), London 1866, S. 5-9. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-7'>Vgl. Stanley, Translators Preface, S. 1-7. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-8'>Ebd. S. 1-7. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-9'>Vgl. Reichert, Erfahrung der Welt, S. 17. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-10'>Vgl. Grabmayer, Johannes: Europa im späten Mittelalter 1250-1500. Eine Kultur- und Mentalitätsgeschichte, Darmstadt 2004, S. 70. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-10'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-11'>Vgl. Grabmayer: Europa im späten Mittelalter, S. 70. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-11'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-12'>Ebd. S. 66. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-12'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-13'>Vgl. hierzu: Grabmayer: Europa im späten Mittelalter, S. 66-71. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-13'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-14'>Zur historischen Quellenkritik siehe: Reichert, Erfahrung der Welt,  S. 18. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-14'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-15'>Das Indien- und Asienbild des Mittelalters war stark geprägt von den antiken Autoren, vgl. Reichert: Erfahrung der Welt, S. 158-163. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-15'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-16'>Die Anteile des Erzählers sind oftmals schwer von denen des Schreibers und Redaktors zu trennen, vgl. Reichert: Erfahrung der Welt, S. 171. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-16'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-17'>Übers. aus dem Original von Paggio Bracciolini: The Travels of Nicolò Conti in the East in the Early Part of the Fifteenth Century, übers. aus dem Original von Poggio Bracciolini mit Anmerkungen von J. Winter Jones, in: India in the Fifteenth Century, being a Collection of Narratives of Voyages to India the Century Preceding the Portuguese Discovery of the Cape of Good Hope, hrsg. von R. H. Major (Hakluyt Society), London 1857, S. 161-195. Im Folgenden ins Deutsche übertragen und im Folgenden zitiert: Conti, die Reisen des Nicolò Conti. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-17'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-18'>Knefelkamp: Europäisches Weltbild, S. 155. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-18'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-19'>Conti, die Reisen des Nicolò Conti, S. 22. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-19'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-20'>Vgl.Conti, S. 22. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-20'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-21'>Vgl. Esch, Arnold: Anschauung und Begriff. Die Bewältigung fremder Wirklichkeit durch den Vergleich in den Reiseberichten des späten Mittelalters, in: Historische Zeitschrift 253, hrsg. von Lothar Gall, München 1991, S. 281-283. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-21'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-22'>Vgl. Esch: Anschauung und Begriff, S. 287. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-22'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-23'>Vgl. Reichert, Volker: Fernhandel und Entdeckungen, in: WBG Weltgeschichte. Eine globale Geschichte von den Anfängen bis ins 21. Jahrhundert 4, hrsg. von Walter Demel, Darmstadt 2010, S. 101. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-23'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-24'>Conti, S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-24'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-25'>Vgl. Conti, die Reisen des Nicolò Conti, S. 22-23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-25'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-26'>Ebd. S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-26'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-27'>Conti, S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-27'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-28'>Vgl. Conti, S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-28'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-29'>Vgl. Grabmayer: Europa im späten Mittelalter, S. 80. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-29'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-30'>Vgl. Conti, S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-30'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-31'>Vgl. Conti, S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-31'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-32'>Conti (oder Bracciolini) nennt alle damals bekannten Teile Asiens „Indien“. Conti unterteilt Bracciolini zufolge „Indien“ an dieser Stelle in drei Bereiche. Vgl. Conti, S. 21. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-32'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-33'>Vgl. Conti, S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-33'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-34'>Conti, S. 25. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-34'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-35'>Cultivation’(botanische Zucht) in der engl. Übersetzung, Anm. des Verfassers. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-35'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-36'>Conti, S. 25. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-36'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-37'>Vgl. Conti, S. 25-26. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-37'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-38'>Conti nennt die Insel ‚Zeilam’. Vermutlich Ceylon, Anmerkung des Übersetzers, siehe: Conti, S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-38'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-39'>Vgl. Conti, S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-39'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-40'>Conti, S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-40'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-41'>Vgl. Conti, S. 8. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-41'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-42'>Übers. aus einem frühen spanischen Manuskript aus der Bibliothek von Barcelona: A Description of the Coasts of East Africa and Malabar in the Beginning of the Sixteenth Century, by Duarte Barbosa, A Portuguese, übers. aus einem frühen spanischen Manuskript aus der Bibliothek von Barcelona mit Anmerkungen und einem Vorwort von Henry E. J. Stanley (Hakluyt Society), London 1866. Im Folgenden ins Deutsche übertragen und im Folgenden zitiert als: Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-42'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-43'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 50. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-43'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-44'>Vgl. Barbosa, S. 51. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-44'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-45'>Ebd. S. 56. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-45'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-46'>Ebd. S. 56. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-46'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-47'>Ebd. S. 56. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-47'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-48'>Ebd. S. 56. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-48'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-49'>Ebd. S. 56. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-49'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-50'>Ebd. S. 65. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-50'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-51'>Ebd. S. 65. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-51'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-52'>Ebd. S. 66. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-52'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-53'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 179. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-53'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-54'>Ebd. S. 180-181. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-54'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-55'>Ebd. S. 181. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-55'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-56'>Ebd. S. 180. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-56'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-57'>Ebd. S. 67. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-57'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-58'>Ebd. S. 67. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-58'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-59'>Ebd. S. 67. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-59'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-60'>Ebd. S. 77. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-60'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-61'>Ebd. S. 72. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-61'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-62'>Ebd. S. 72. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-62'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-63'>Ebd. S. 75. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-63'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-64'>Ebd. S. 146-148. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-64'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-65'>Ebd. S. 148. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-65'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-66'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 78. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-66'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-67'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 78. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-67'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-68'>Ebd. S. 79. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-68'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-69'>Ebd. S. 50. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-69'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-70'>Ebd. S. 50. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-70'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-71'>Ebd. S. 50. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-71'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-72'>Ebd. S. 52. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-72'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-73'>Barbosa, S. 52. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-73'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-74'>Vgl. Barbosa, S. 52. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-74'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-75'>Vgl. Barbosa, S. 52. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-75'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-76'>Barbosa, S. 52. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-76'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-77'>Barbosa, S. 53. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-77'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-78'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 53. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-78'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-79'>Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 53. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-79'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-80'>Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 53. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-80'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-81'>Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 53. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-81'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-82'></a><a title="" href="#_ftn81">Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste,</a><a title="" href="#_ftn82">S. 54. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-82'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-83'>Ebd. S. 94. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-83'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-84'>Ebd. S. 124-148. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-84'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-85'>Ebd. S. 124-148. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-85'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-86'>Ebd. S. 124-133. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-86'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-87'>Ebd. S. 131. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-87'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-88'>Ebd. S. 133. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-88'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-89'>Ebd. S. 140. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-89'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-90'>Ebd. S. 140. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-90'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-91'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 142. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-91'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-92'>Ebd. S. 143. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-92'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-93'>Barbosa, S. 144. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-93'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-94'>Barbosa, S. 144. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-94'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-95'>Ebd. S. 145. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-95'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-96'>Ebd. S. 145. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-96'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-97'>Ebd. S. 136. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-97'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-98'>Ebd. S. 138. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-98'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-99'>Ebd. S. 99-100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-99'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-100'>Ebd. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-100'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-101'>Ebd. S. 99. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-101'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-102'>Ebd. S. 99. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-102'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-103'>Ebd. S. 99. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-103'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-104'>Ebd. S. 99. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-104'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-105'>Ebd. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-105'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-106'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-106'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-107'>Vgl. Barbosa, eine Beschreibung der Küsten Ostafrikas und der Malabarküste, S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-107'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-108'>Ebd. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-108'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-109'>Ebd. S. 100. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-109'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-110'>Ebd. S. 85-86. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-110'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-111'>Ebd. S. 85-86. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-111'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-112'>Ebd. S. 86. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-112'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-113'>Ebd. S. 86. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-113'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-114'>Anmerkung des Übersetzers, siehe: Barbosa, S. 87. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-114'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-115'>Barbosa, S. 87. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-115'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-116'>Vgl. Barbosa, S. 97. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-116'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-117'>Ebd. S. 97-98. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-117'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-118'>Ebd. S. 97. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-118'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-119'>Ausgabe und Übers.: Andreas Erhard u. Eva Ramminger (Hg.): Die Meerfahrt Balthasar Springers Reise zur Pfefferküste. Mit einem Faksimile des Buches von 1509,  Innsbruck 1998, S. 39-53. Im Folgenden zitiert als: Springer, die Meerfahrt Balthasar Springers. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-119'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-120'>Springer nennt es ‚Arsinien’. Anmerkung der Herausgeber, zitiert aus: Andreas Erhard und Eva Ramminger (Hg.): Die Meerfahrt Balthasars Springers, S. 51. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-120'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-121'>Vgl. Springer, die Meerfahrt Balthasars Springers, S. 51. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-121'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-122'>Vgl. Springer, die Meerfahrt Balthasars Springers, S. 51. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-122'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-123'>Reichert, Erfahrung der Welt, S. 177. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-123'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-828-124'>Vgl. Reichert, Erfahrung der Welt, S. 177. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-828-124'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
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		<title>Ein Überblick über die städtebaulichen Entwicklungsprozesse Tarracos</title>
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		<pubDate>Fri, 25 Nov 2011 15:03:18 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
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		<description><![CDATA[In diesem Artikel sollen die städtebaulichen Entwicklungsprozesse der römischen Stadt Tarraco, gelegen in der römischen Provinz Hispania Citerior, von der Gründungsphase bis in die Spätantike,  überblicksartig skizziert werden.1 Die Stadt Tarraco2 (heute: Tarragona), die „an der Ostküste der iberischen Halbinsel, zwischen der Mündung des Iberus und den Höhen der Pyrenäen“3 gelegen war, kennzeichnete die Lage [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>In diesem Artikel sollen die städtebaulichen Entwicklungsprozesse der römischen Stadt Tarraco, gelegen in der römischen Provinz Hispania Citerior, von der Gründungsphase bis in die Spätantike,  überblicksartig skizziert werden.</strong><a title="" href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-1' id='fnref-804-1'>1</a></sup></a></p>
<p>Die Stadt Tarraco<a title="" href="#_ftn2"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-2' id='fnref-804-2'>2</a></sup></a> (heute: Tarragona), die <em>„an der Ostküste der iberischen Halbinsel, zwischen der Mündung des Iberus und den Höhen der Pyrenäen“</em><a title="" href="#_ftn3"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-3' id='fnref-804-3'>3</a></sup></a> gelegen war, kennzeichnete die Lage auf einem Kalksteinfelsen, der umringt war von der fruchtbaren Ebene des Campo, die für „<em>Oliven-, Wein- und Obstanbau geeignet“</em><a title="" href="#_ftn4"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-4' id='fnref-804-4'>4</a></sup></a> war. Auf der westlichen Seite stieg der Felsen in terrassenförmigen Ebenen zu den Hafenanlagen und zum Mittelmeer hinab, während er auf allen anderen Seiten steil abfiel. Westlich des Stadthügels befand sich der Tulcis-Fluss (heute: Francolí-Fluss), der in das Mittelmeer mündete.<span id="more-804"></span></p>
<p>Tarraco wurde aufgrund seiner wirtschaftlichen und politischen Bedeutsamkeit um 45 v. Chr. von Caesar zur <em>colonia Iulia Urbs Triumphalis Tarraco</em> erhoben<a title="" href="#_ftn5"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-5' id='fnref-804-5'>5</a></sup></a> und seit dem 2. Jhr. v. Chr. aber spätestens 27 v. Chr. unter Augustus offiziell zur Hauptstadt und damit auch zum Verwaltungszentrum der Provinz <em>Hispania citerior</em> (deren inoffizieller kaiserzeitlicher Name Hispania Tarraconensis war).<a title="" href="#_ftn6"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-6' id='fnref-804-6'>6</a></sup></a> Zwar deuten archäologische Funde auf die Existenz einer vorrömischen iberischen Besiedlung in der Gegend von Tarraco hin, doch wurde Tarraco als größere Besiedlung mit der Errichtung der Stadtmauer erst zu Beginn des 2. Punischen Krieges um 218 n. Chr. angelegt und in den Kriegen gegen die Keltiberer im 2. Jhr. v. Chr. zu einem wichtigen römischen Stützpunkt.<a title="" href="#_ftn7"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-7' id='fnref-804-7'>7</a></sup></a> Die Zeit Tarracos unter römischer Vorherrschaft dauerte bis 476 n. Chr. an, bis Tarraco in das Westgotenreich eingliedert wurde. Ab 716 n. Chr. wurde Tarraco schließlich von den Mauren eingenommen.<a title="" href="#_ftn8"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-8' id='fnref-804-8'>8</a></sup></a></p>
<div class="mceTemp" style="text-align: center;">
<dl id="attachment_808" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/800px-TarracoImperial-9090.jpg"><img class="size-medium wp-image-808    " title="Rekonstruktionsmodell von Tarraco zu kaiserzeitlicher Zeit" src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/800px-TarracoImperial-9090-300x199.jpg" alt="Rekonstruktionsmodell von Tarraco zu kaiserzeitlicher Zeit" width="300" height="199" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Rekonstruktionsmodell von Tarraco zu kaiserzeitlicher Zeit</dd>
</dl>
</div>
<p>Die jeweiligen Stadtbilder römischer Zeit sind den archäologischen Funden zufolge &#8211; die mit Beginn der ersten systematischen Ausgrabungen unter Juan Serra Vilaró von 1928-1935<a title="" href="#_ftn9"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-9' id='fnref-804-9'>9</a></sup></a> bis zu den Ausgrabungen in neuster Zeit unter Jordi López Vilar zu Tage gefördert wurden – folgendermaßen zu beschreiben: Die Besiedlung in der republikanischen Zeit konzentrierte sich auf das Hafengebiet. Ein Stadtforum wurde nahe der Stadtmauern mit Türmen an der westlichen Ecke errichtet, in deren Nähe in der <em>suburbia</em> Grabsteine sowie Denkmäler angelegt wurden.<a title="" href="#_ftn10"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-10' id='fnref-804-10'>10</a></sup></a> In der augusteischen Zeit und insbesondere zur Zeit des Aufenthalts des Augustus erhielt Tarraco als Hauptstadt und Verwaltungszentrum der <em>Hispania citerior</em> gesteigerte politische Bedeutung, was auch am Ausbau der <em>Via Augusta</em> erkennbar war.<a title="" href="#_ftn11"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-11' id='fnref-804-11'>11</a></sup></a> In der Kaiserzeit wurde auf den beiden höchsten Ebenen des Stadthügels das Provinzialforum der <em>Hispania citerior</em> errichtet. Auf der ersten Ebene<em> </em>befanden sich die Sakralbauten des Jupiter- und Augustustempels sowie der Altar des Augustus. Auf der zweiten Ebene befand sich ein Repräsentationsforum, das vermutlich zur Zeit des Nero oder des Vespasian ausgebaut wurde.<a title="" href="#_ftn12"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-12' id='fnref-804-12'>12</a></sup></a> Die eigentliche kaiserzeitliche Stadt umfasste ein Gebiet vom Circus auf der dritten Ebene bis zum Hafengebiet und enthielt neben den <em>insulae</em> auch öffentliche Bauten wie z.B. Tempelanlagen oder das Stadtforum der Kolonie, das noch unter Augustus mit einer Basilika ausgebaut wurde.<a title="" href="#_ftn13"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-13' id='fnref-804-13'>13</a></sup></a></p>
<p>Für das spätantike Tarraco, das bis Mitte des 5. Jhr. n. Chr. seine frühere urbane Struktur beibehielt und dessen Bevölkerungszahl im späten 5. und 6. Jhr. n. Chr. schwand<a title="" href="#_ftn14"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-14' id='fnref-804-14'>14</a></sup></a>, ist durch archäologische Funde folgendes Stadtbild überliefert: Dem Stadtbild und der Wirtschaft des spätantiken Tarraco wurden durch den Einfall der Franken um 260 n. Chr. erheblicher Schaden zugefügt. Aus diesem Grunde wurden zwischen 286 n. Chr. und 293 n. Chr. Restaurierungsarbeiten an der <em>„porticus Ioviae [basilicae?]“</em> (RIT 91) sowie am Ende des 3. Jhr. n. Chr. bzw. am Anfang des 4. Jhr. n. Chr. an den <em>„Thermae Montanae“</em> (RIT 155) durchgeführt.<a title="" href="#_ftn15"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-15' id='fnref-804-15'>15</a></sup></a> Das Stadtforum der Kolonie behielt bis in die 360er Jahre n. Chr. seine Funktion, wobei die Basilika durch ein Feuer zerstört wurde und der Bau eines <em>praetoriums</em> vermutet werden kann.<a title="" href="#_ftn16"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-16' id='fnref-804-16'>16</a></sup></a></p>
<div class="mceTemp" style="text-align: center;">
<dl id="attachment_814" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/800px-Roman_circus_of_Tarraco_01.jpg"><img class="size-medium wp-image-814 " style="border: 1px solid black;" title="Der Circus von Tarraco im Jahr 2011" src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/800px-Roman_circus_of_Tarraco_01-300x224.jpg" alt="Der Circus von Tarraco im Jahr 2011" width="300" height="224" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Der Circus von Tarraco im Jahr 2011</dd>
</dl>
</div>
<p>Das Provinzialforum und der Circus behielten ihre Funktion hingegen bis ins 5. Jhr. n. Chr., bis am Provinzialforum ein Mülldepot entstand. Ab 440 n. Chr. wurden Pflastersteine, Säulen und weitere Bauwerkfragmente vom Provinzialforum abgetragen, die vermutlich für Wohnbauten auf dem Forum wiederverwendet wurden. Ein nordöstlicher Bezirk des Provinzialforums funktionierte noch als Marktplatz bis in die 440er Jahre n. Chr.. Um 450 n. Chr. entstand an der heutigen Plaça d&#8217;En Rovellat, zwischen der republikanischen und der östlichen Mauer des Provinzialforums ein Kirchenkomplex.<a title="" href="#_ftn17"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-17' id='fnref-804-17'>17</a></sup></a> Um 473 n. Chr wurde Tarraco von den Westgoten unter den Befehlshabern des Königs Eurich eingenommen. Dies geschah, laut Bischof Isidor von Hispalis, gegen den Widerstand des provinzialen Adels. Konkrete Formen und Auswirkungen dieses Widerstands sind nicht überliefert.<a title="" href="#_ftn18"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-18' id='fnref-804-18'>18</a></sup></a> Negative Auswirkungen auf das Stadtbild Tarracos hatte wahrscheinlich die Verlagerung des Hauptstadtsitzes nach Toledo sowie die Steuerpflicht an Barcino als fiskalischem Zentrum des nordöstlichen Hispaniens. Tarraco blieb aber als Metropolitanbistumssitz religiös bedeutsam, was auch im Stadtbild deutlich erkennbar wurde.<a title="" href="#_ftn19"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-19' id='fnref-804-19'>19</a></sup></a> Das Provinzialforum wurde in der Spätantike in ein bischöfliches Zentrum umgewandelt: Hier wurde zwischen 475-525 n. Chr. am <em>apex</em>, nämlich im Sakralbezirk des Provinzialforums, eine Bischofsresidenz (<em>episcopium</em>) errichtet. In der Nähe, auf der Fläche des ehemaligen Augustustempels, wurde vermutlich die westgotische Kathedrale Sancta-Jerusalem errichtet, in der Gräber aus dem 5./6. Jhr. n. Chr. gefunden wurden.<a title="" href="#_ftn20"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-20' id='fnref-804-20'>20</a></sup></a> Die Besiedlung in westgotischer Zeit konzentrierte sich auf das Hafengebiet und das Gebiet des ehemaligen Provinzialforums.<a title="" href="#_ftn21"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-21' id='fnref-804-21'>21</a></sup></a></p>
<div class="mceTemp" style="text-align: center;">
<dl id="attachment_806" class="wp-caption alignleft" style="width: 310px;">
<dt class="wp-caption-dt"><a href="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/800px-Amphitheatre_of_Tarragona_01.jpg"><img class="size-medium wp-image-806   " style="border: 1px solid black;" title="Das Amphitheater Tarracos" src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/uploads/800px-Amphitheatre_of_Tarragona_01-300x189.jpg" alt="Das Amphitheater Tarracos" width="300" height="189" /></a></dt>
<dd class="wp-caption-dd">Das Amphitheater Tarracos</dd>
</dl>
</div>
<p>Was die Topographie der <em>suburbia</em> anbelangt, so scheint es, dass das Christentum dort eine bestimmende Rolle spielte, denn sieht man von dem Theater, gelegen an der heutigen Carrer dels Caputxins, den römischen Gräberfeldern im Norden (Mas Rimbau) und den Gräberfeldern aus republikanischer Zeit am heutigen Plaza de Toros sowie den in der Nähe gelegenen Villen und Gräbern aus kaiserzeitlicher Zeit ab, so ist ein umfangreiches christliches Areal mit Beginn der Spätantike <em>extra muros </em>auszumachen.<a title="" href="#_ftn22"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-22' id='fnref-804-22'>22</a></sup></a> Deutlich erkennbar wird am Beispiel des Theaters, das vermutlich in der Kaiserzeit errichtet, im 2. Jhr n. Chr. aufgegeben und später überbaut wurde, der in der Spätantike gängige Funktionsverlust von öffentlichen römischen Bauten.<a title="" href="#_ftn23"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-23' id='fnref-804-23'>23</a></sup></a> Direkt in der Nähe, an der heutigen Calle de Pere Martell, wurden in den Nekropolen frühchristliche Gräber (Bsp. RIT 997) mit zahlreichen Inschriften aus dem 3./4. Jhr. n. Chr. entdeckt. Die Flächen dieser Nekropolen wurden in der Kaiserzeit noch für Villen-, Gräber und Gartenanlagen genutzt.<a title="" href="#_ftn24"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-24' id='fnref-804-24'>24</a></sup></a> Zudem wurden öffentliche römische Bauten für christliche Kulte „umfunktioniert“ bzw. nutzbar gemacht. Zwischen der Via Augusta und der Passeig Maritim de Rafael de Casanova wurde um 100 bzw. 130 n. Chr. auf der Fläche eines römischen Gräberfeldes das Amphitheater errichtet<a title="" href="#_ftn25"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-25' id='fnref-804-25'>25</a></sup></a>, in dem die Hinrichtung des Bischofs Fructuosus und seiner Diakone Augurius und Eulogius um 259 n. Chr., zur Zeit der Decischen Christenverfolgungen, stattfand.<a title="" href="#_ftn26"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-26' id='fnref-804-26'>26</a></sup></a> Bei Ausgrabungen zwischen 1948 und 1955 stieß man hier auf eine dreischiffige christliche Märtyrerbasilika aus dem 6. Jhr. bzw. frühen 7. Jhr. n. Chr., die als <em>memoria</em> für die drei Märtyrer errichtet wurde. Südlich dieser Basilika wurde eine Nekropole <em>ad sanctos </em>mit Funden von Grabsteinen, Sarkophagen und Mausoleen freigelegt.<a title="" href="#_ftn27"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-27' id='fnref-804-27'>27</a></sup></a></p>
<p>Auch wurde eine  christliche Francolí-Basilika, die umgeben war von einer großen Nekropole um 400 n. Chr. am Ostufer des Francolí-Flusses errichtet. Diese dreischiffige Basilika wurde für den Märtyrerkult und Begräbnisse genutzt. Am Anfang des 5. Jhr. wurde eine weitere christliche Basilika im Norden der Nekropole (Parc Central Church) errichtet. Diese Basilika wurde wie die Francolí-Basilika zwar auch für Begräbnisse genutzt, aber nicht für die Ausübung des Märtyrerkultes, sondern sie war klösterlich mit einem Atrium ausgestattet und war in ihrer Nutzungsweise mit einer anliegenden<em> villa</em> verbunden.<a title="" href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-804-28' id='fnref-804-28'>28</a></sup></a></p>
<p>&nbsp;</p>
<p><strong>Empfohlene Zitierweise:</strong></p>
<p>Blümel, Jonathan (2011): Ein Überblick über die städtebaulichen Entwicklungsprozesse Tarracos. In: JBSHistoryBlog.de. URL: <a href="http://jbshistoryblog.de">http://jbshistoryblog.de</a> [Zugriff: DD:MM:YYYY]</p>
<p>&nbsp;</p>
<p>Bild: Rekonstruktionsmodell von Tarraco zu kaiserzeitlicher Zeit, von Amadalvarez auf <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:TarracoImperial-9090.jpg">Wikipedia</a> [Zugriff: 25.11.2011]</p>
<p>Bild: Der Circus von Tarraco im Jahre 2011, von Bernard Gagnon auf <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Roman_circus_of_Tarraco_01.jpg">Wikipedia</a> [Zugriff: 25.11.2011]</p>
<p>Bild: Das Amphitheater Tarracos, von Bernard Gagnon auf <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Amphitheatre_of_Tarragona_01.jpg&amp;filetimestamp=20091202010707">Wikipedia</a> [Zugriff: 25.11.2011]</p>
<p><strong> </strong></p>
<div><strong>Bibliographie:</strong></div>
<div>
<hr align="left" size="1" width="33%" />
</div>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-804-1'>Anm.: Der Forschungsstand dieses Artikels beläuft sich auf August 2011. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-2'>Anm.: Einem iberischen Münzfund aus dem 3. Jhr. v. Chr. zufolge hieß die Stadt auch „Tarakon“, in der lateinischen Literatur finden sich auch die Namen „Tarracon“, „Tarracona“ und „Terracona“, bis sich der Name Tarrcaco ab der Verleihung des Kolonialranges durchsetzte. Vgl. Alföldy, G.: s.v. Tarraco, in: RE Suppl. 15 (1978). S. 578 u. 593. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-3'>Siehe Panzram, S.: Stadtbild und Elite. Tarraco, Corduba und Augusta Emerita zwischen Republik und Spätantike. Stuttgart 2002. S. 23. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-4'>Vgl. Alföldy in: RE Suppl. 15 (1978). S. 580. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-5'>Ebenda S. 593. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-6'>Vgl. Panzram 2002. S. 26-33. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-6'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-7'>Vgl. López Vilar, J. / Prevosti, M.: El poblament rural del Camp de Tarragona en època tardorepublicana (seglesII-I aC) in: Laboratori d’Arqueologia i Prehistòria. Institut de Recerca Històric (Ed.): Època de canvis. Als inicis de la romanització (Estudis sobre el món rural d’ Època Romana, Bd. 5). Girona 2010. S. 111f. ; Ferrer, M. A.: Història de Tarragona. Una ciutat mediterrània. Tarragona 2006. S. 65ff. ; Alföldy 1978. S. 581-589. ; Panzram 2002. S. 27ff.. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-7'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-8'>Vgl. Ferrer 2006. S. 85 ; Panzram 2002. S. 120. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-8'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-9'>Vgl. Serra Vilaró, J.: Excavaciones en la necropolis romano-christiana de Tarragona. Madrid 1928-1935. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-9'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-10'>Vgl. Alföldy in: RE Suppl. 15 (1978). S. 588-590 ; Kulikowski 2004. S. 57-63 ; López Vilar, J.: El poblament rural del Camp de Tarragona en època romana: assaig de síntesi. (Butlletí Arqueològic, 28, Reial Societat Arqueològica Tarraconense). Tarragona 2006. S. 100f. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-10'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-11'>Vgl. Alföldy in: RE Suppl. 15 (1978). S. 596-597. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-11'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-12'>Vgl. Panzram 2002. S.35-39 ; Kulikowski, M.: Late Roman Spain and Its Cities. Baltimore. S. 57-62. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-12'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-13'>Vgl. Panzram 2002. S. 45-50 ; Kulikowski , M.: Cities and Government in Late Antique Hispania: Recent Advances and Future Research, in: Bowes, K. / Kulikowski, M. (Eds.): Hispania in late Antiquity. Current perspectives. Brill 2005. S. 62-63 ; Hauschild, T.: Tarragona Romana. Tarragona 1993. S. 137-140. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-13'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-14'>Vgl. Kulikowski 2004. S. 296. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-14'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-15'>Siehe López Vilar, J.: El poblament rural del Camp de Tarragona en època romana, assaig de síntesi. (Butlletí Arqueològic, 28, Reial Societat Arqueològica Tarraconense). Tarragona 2006. S.117 ; vgl. Alföldy 1978. S. 598. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-15'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-16'>Vgl. Keay S.: Tarraco in Late Antiquity, in: Christie, N. ; Loseby, St. (Eds.): Towns in Transition. Urban Evolution in Late Antiquity and the Early Middle Ages. Aldershot 1996. S. 30 ; Panzram 2002. S. 108 ; López Vilar, J.: El poblament rural del Camp de Tarragona en època romana, assaig de síntesi. (Butlletí Arqueològic, 28, Reial Societat Arqueològica Tarraconense). Tarragona 2006. S. 117. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-16'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-17'>Vgl. Kulikowski 2004. S. 113-114 ; Panzram 2002. S. 110. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-17'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-18'>Vgl. Panzram 2002. S. 108. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-18'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-19'>Vgl. Keay in: Christie / Loseby 1996. S. 34-35. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-19'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-20'>Vgl. Kulikowski in: Bowes / Kulikowski 2005. S. 64; Arbeiter, A.: Die spätantike Stadt auf der Iberischen Halbinsel, in: Brands, G. / Severin, H.-G. (Eds.): Die spätantike Stadt und ihre Christianisierung. Symposion vom 14. bis 16. Februar 2000 in Halle/Saale. Wiesbaden 2003. S. 38. ; Panzram 2002. S.109-110 ; Keay in: Christie / Loseby 1996. S. 37. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-20'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-21'>Vgl. López Vilar, J.: El poblament rural del Camp de Tarragona en època romana, assaig de síntesi. (Butlletí Arqueològic, 28, Reial Societat Arqueològica Tarraconense). Tarragona 2006. S. 125. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-21'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-22'>Vgl. Alföldy in: RE Suppl. 15 (1978). S. 606- 609 ; Niquet, H.: Christians at late Roman Tarraco: a reappraisal of the evidence, in: Mayer i Olivé, M.: Acta. XII Congressus Internationalis Epigraphiae Graecae et Latine ; Provinciae Imperii Romani Inscriptionibus Descriptae ; Barcelona, 3 &#8211; 8 septembris 2002. (Monografies de la Secció Històrico-Arqueològica, 10). Barcelona 2007. S. 1023. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-22'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-23'>Vgl. Oepen, A.: Die Nutzung kaiserzeitlicher Theaterbauten in Hispanien während der Spätantike und der Westgotenzeit, in: Brands, G. / Severin, H.-G. (Eds.): Die spätantike Stadt und ihre Christianisierung. Symposion vom 14. bis 16. Februar 2000 in Halle/Saale. Wiesbaden 2003. S. 214 ; Panzram 2002. S. 91. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-23'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-24'>Vgl. Alföldy in: RE Suppl. 15 (1978). S. 606-609. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-24'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-25'>Vgl. Kulikowski 2004 S. 95 ; Kulikowski in: Bowes / Kulikowski 2005. S. 58. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-25'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-26'>Vgl. Prud. Perist 6, in: Prudentius: The poems of Prudentius.  Übers. H.J. Thomson. London 1961 ; Aug. serm. 273, in: PL 38. Turnhout 1965. S. 1247-1249 ; Passio Sanctorum Martyrum Fructuosi Episcopi, Auguri et Eulogi Diacononorum, in: The acts of the Christian martyrs. Übers. H. Musurillo. Oxford 1972. S. 176-185. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-26'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-27'>Vgl. Oepen in: Brands / Severin 2003. S. 214-215 ; Alföldy in: RE Suppl. 15 (1978). S. 597 ; Arbeiter in: Brands / Severin 2003. S. 36. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-27'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-804-28'>Vgl. Kulikowski 2004. S. 222ff. ; Bowes in: Bowes / Kulikowski 2005. S. 200f. ;  López Vilar, J.: Les basíliques paleocristianes del suburbi occidental de Tarraco. El temple septentrional I el complex martirial de Sant Fructuós. (Bd. 1). Tarragona 2006. S. 296. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-804-28'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fjbshistoryblog.de%2F2011%2F11%2Fein-uberblick-uber-die-stadtebaulichen-entwicklungsprozesse-tarracos%2F&amp;title=Ein%20%C3%9Cberblick%20%C3%BCber%20die%20st%C3%A4dtebaulichen%20Entwicklungsprozesse%20Tarracos" id="wpa2a_12"><img src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Toletum-Workshop vom 21.-22. Oktober 2011 in Hamburg</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Sep 2011 17:52:53 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
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		<category><![CDATA[iberische Halbinsel]]></category>
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		<description><![CDATA[Bereits zum zweiten Mal veranstaltet das TOLETUM &#8211; Netzwerk zur Erforschung der Iberischen Halbinsel in der Antike vom 21. bis zum 22. Oktober 2011 einen interdisziplinären Workshop in Hamburg, bei dem neueste Forschungsergebnisse von Historikern, Klassischen und Provinzialrömischen Archäologen sowie Bauforschern und Klassischen Philologen im Warburg-Haus zusammengetragen und ausgiebig diskutiert werden. Das diesjährige Programm kann auf [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Bereits zum zweiten Mal veranstaltet das TOLETUM &#8211; Netzwerk zur Erforschung der Iberischen Halbinsel in der Antike vom 21. bis zum 22. Oktober 2011 einen interdisziplinären Workshop in Hamburg, bei dem neueste Forschungsergebnisse von Historikern, Klassischen und Provinzialrömischen Archäologen sowie Bauforschern und Klassischen Philologen im Warburg-Haus zusammengetragen und ausgiebig diskutiert werden.</p>
<p>Das diesjährige Programm kann auf der TOLETUM Website unter <a href="http://www.toletum-network.com/index.htm">www.toletum-network.com</a> bzw. direkt <a href="http://www.toletum-network.com/blog/wp-content/uploads/2011/09/flyer.pdf">unter diesem Deeplink</a> eingesehen werden. Dem Workshop geht am Donnerstag, den 20. Oktober 2011 ein Festvortrag von Prof. Dr. Rosa Sanz Serrano (Universidad Complutense Madrid) mit dem Titel: “Hydatius und der Einfall der Barbaren in Hispanien” voraus. Der Vortrag findet am Archäologischen Institut der Universität Hamburg statt und bildet den Eröffungsauftakt der neuen Ausstellung: „Tempus Barbaricum. El Imperio y las Hispanias al final de la Antigüedad“ / „Das Imperium Romanum, die Iberische Halbinsel und das Ende der Antike“.</p>
<p>Weitere Infomationen unter <a href="http://www.toletum-network.com/blog/?p=329">www.toletum-network.com/blog</a></p>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fjbshistoryblog.de%2F2011%2F09%2Ftoletum-workshop-vom-20-22-oktober-2011-in-hamburg%2F&amp;title=Toletum-Workshop%20vom%2021.-22.%20Oktober%202011%20in%20Hamburg" id="wpa2a_14"><img src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Ein Altländer Streit um die Bewirtschaftung eines Deichstücks (Teil I)</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Aug 2011 14:15:01 +0000</pubDate>
		<dc:creator>JBluemel</dc:creator>
				<category><![CDATA[Hamburg]]></category>
		<category><![CDATA[Neuzeit]]></category>
		<category><![CDATA[Benedix von Düring]]></category>
		<category><![CDATA[Christoffer von Zesterfleth]]></category>
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		<category><![CDATA[Deichbewirtschaftung]]></category>
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		<category><![CDATA[Joachim Dietrich von Zesterfleth]]></category>
		<category><![CDATA[Quellenuntersuchung]]></category>
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		<category><![CDATA[Zesterfleth]]></category>

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		<description><![CDATA[Deiche und ihre Erhaltung und Bewirtschaftung stellen seit jeher eine konfliktreiche Angelegenheit dar. Aus dem repräsentativen Beispiel, der Ortschaft Twielenfleth, gelegen in der Ersten Meile des Alten Landes, kennen wir solche Streitigkeiten um die Zuständigkeiten der Deichbewirtschaftung aus dem späten 17. Jahrhundert. Die in Auszügen vorliegenden Akten aus dem Niedersächsischen Staatsarchiv Stade, Repositur 5 a [...]]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: justify;"><strong>Deiche und ihre Erhaltung und Bewirtschaftung stellen seit jeher eine konfliktreiche Angelegenheit dar. Aus dem repräsentativen Beispiel, der Ortschaft Twielenfleth, gelegen in der Ersten Meile des Alten Landes, kennen wir solche Streitigkeiten um die Zuständigkeiten der Deichbewirtschaftung aus dem späten 17. Jahrhundert. Die in Auszügen vorliegenden Akten aus dem Niedersächsischen Staatsarchiv Stade, Repositur 5 a Fach 270, Nr.68, Schwedisches Archiv 1646-1763 wurden in den Jahren 1685 bis 1687 in der Ersten Meile des Alten Landes in Twielenfleth im Zusammenhang mit einem Rechtsstreit um die Bewirtschaftung eines Deiches verfasst.<span id="more-755"></span></strong></p>
<p style="text-align: justify;">Im Folgenden soll eine ausführliche Quellenuntersuchung vorgenommen werden und folgende Fragen bearbeitet werden: Welches Konfliktpotential – vor allem im rechtlichen Bereich &#8211; barg die Kabeldeichung im Alten Land am Ende des 17. Jahrhunderts, bei der jeder Altländer Bewohner für die Instandhaltung eines von den Deichbeamten zugewiesenen Deichabschnitts (Deichkabel) zuständig war?</p>
<p style="text-align: justify;"><strong>Themenbezogene Inhaltsangabe </strong></p>
<p style="text-align: justify;">Im Folgenden sollen Inhalt und Sachverhalt der ausgewählten Auszüge aus behördlichen Akten in einer themenbezogenen Inhaltsangabe überblicksartig und interpretierend erschlossen werden. Ausgehend von der eingangs formulierten Fragestellung soll der Gedankengang der Quellenberichte Q1 bis Q 8<a title="" href="#_ftn1"><sup class='footnote'><a href='#fn-755-1' id='fnref-755-1'>1</a></sup></a> thematisch strukturiert und erfasst werden.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Akte Q1 vom 02.06.1685 beklagen <em>„Grefen, Bürgermeister und Hauptleute des Alten Landes […] wegen des Zesterflethschen Deiches“</em>, dass der Deich in Twielenfleth in der Ersten Meile im März  1685 <em>„in solchem Schaden geraten ist, daß dadurch die ganze Meile in Gefahr war“</em>. Bei der Ermittlung des zuständigen Deichinteressenten wurden die Verfasser vom Adligen Leutnant Joachim Dietrich von Zesterfleth an seinen Verwandten Herrn Christoffer von Zesterfleth verwiesen. Dieser verwies wiederum wiederholt auf die Witwe des Benedix von Düring, der er das Deichstück in einem Tauschgeschäft übergeben hatte. Die Witwe verneint aber, dass der Tauschhandel der beiden schon vollständig vollzogen sei und deswegen seien beide für die Instandhaltung des Deiches zuständig. Wegen der Gefahr im Verzug ermahnten die Verfasser die Witwe den Deich instandzusetzen und als diese nicht reagierte, pfändeten sie eine Tonne Bier und ein Pferd. Obwohl <em>“die Deichrichter und Geschworenen die Frau von Düring fast täglich daran erinnerten, die Pfänder einzulösen, hat sie doch nichts am Deich machen lassen.“</em> Die Witwe von Düring ließ daraufhin ihr Pferd <em>„zu nächtlicher Zeit aus des Voigtes verriegelten Hause“</em> holen, woraufhin die Deichrichter und Geschworenen es zurückholen wollten, aber es bei der Witwe mit <em>„doppelten Schlössern an den Beinen geschlossen“</em>, vorfanden und <em>„der Voigt sich auch dasselbe verabfolgen zu lassen geweigert.“ </em><a title="" href="#_ftn2"><sup class='footnote'><a href='#fn-755-2' id='fnref-755-2'>2</a></sup></a></p>
<p style="text-align: justify;">Als direkte Antwort auf das Aktenschreiben Q2, in der die Rückgabe des Pferdes bei 50 Goldfl. Strafe befohlen wird, schreibt die Witwe von Düring am 15.06.1685 in Q3 davon, wie sie sich geweigert hat, ihr gepfändetes Pferd wieder einzulösen und nicht gestatten könne <em>„daß in der Francöper freien Gerichte dergelichen executiones sollen bewerkstelligt werden.“</em> Zudem habe ihr Junge, ohne vorausgehenden Auftrag, das Pferd <em>„ohne die geringste Gewalttätigkeit losgemacht.“</em> Sie begründete ihr Vorgehen weiterhin mit der Unwissenheit darüber, dass Deichbeamte und Deichrichter solche Befehle erlassen dürften. Weiterhin glaubte sie, dass das <em>„Francoper Junkerngericht“</em> von den <em>„Herren Grefen und anderem Gerichtszwang […]befreiet sei“</em>. Sie habe aber schließlich verfügt, dass das Pferd zurückgebracht und ihr Anteil des Deiches in Zesterfleth von 5 Morgen und 40 Ruten <em>„in untadelhaftem Stand“</em> gebracht würde. Sie bat weiterhin um Verzeihung für ihr Vorgehen und verwies die <em>„Grefen und Deichrichter“</em><a title="" href="#_ftn3"><sup class='footnote'><a href='#fn-755-3' id='fnref-755-3'>3</a></sup></a> für die Instandsetzung der anderen Deichstücke auf die Zesterfleths. Schon am 15.6.1686 wurde das Pferd zurück an die Witwe von Düring gegeben.</p>
<p style="text-align: justify;">In der Akte Q4 berichten die „<em>Grefen Höpken und Heino zum Felde“</em> am 10.11.1686 davon, dass die Witwe einige <em>„in Hollerner Kirchspiele liegende Ländereien durch einen Tausch von denen von Zesterfleth an sich gebracht“</em> hat und für diese nicht nur Kontributionen abführen muss, sondern auch für das bei Twielenfleth liegende Deichstück <em>„ungeachtet sie mit dessen refection den Anfang hiebevor gemacht, zur Perfection und zum Stande zu bringen“</em><a title="" href="#_ftn4"><sup class='footnote'><a href='#fn-755-4' id='fnref-755-4'>4</a></sup></a> die Kontribution abführen muss. Dem Befehl vom 13.12.1686 in Q5, die Instandhaltung des Deichstückes bei 50 Fl. Strafe fortzusetzen, entgegnet die Witwe von Düring in dem Schreiben Q6<a title="" href="#_ftn5"><sup class='footnote'><a href='#fn-755-5' id='fnref-755-5'>5</a></sup></a> vom 10.01.1687, dass ihr Ehemann vor seinem Tod <em>„in trunkenem Mute</em> <em>und durch des anderen Teils Verleitung“</em> die Ländereien mit den Zesterfleths getauscht habe. Sie habe von alldem nichts gewusst und aber trotzdem <em>„die Kontribution bezahlt und den Deich reparieren lassen.“</em> Durch die für die Witwe unerträglich hohe Deichlast und die Kontributionen bewegt, wollte die Witwe den Tauschhandel der Ländereien mit den Zesterfleths rückgängig machen. Als diese sich trotz eines gerichtlichen Verfahrens dem Rücktausch verweigerten, wollte die Witwe die Ländereien den Zesterfleths ohne Gegenwert überlassen und die Anwendung des Spatenrechtes gewähren, welches sie ernsthaft in Erwägung zieht <em>„als unter der Kontributions- und Deichlast zu sitzen und zu schwitzen.“</em></p>
<p style="text-align: justify;">In der Akte Q7<a title="" href="#_ftn6"><sup class='footnote'><a href='#fn-755-6' id='fnref-755-6'>6</a></sup></a><em> </em>vom 02.03.1687<em> </em>fordern vermutlich die Landesherren die <em>„Grefen“ </em>auf, weiter über den Vorfall zu berichten und verlangen, dass die Kinder der Witwe verschont werden, wenn diese die geforderten Arbeiten <em>„bis nächstkünftigem Hofgerichte“</em> ohne Schädigung des dadurch sprechenden öffentlichen Interesses verrichtet haben. Als letzten Hinweis auf den Ausgang des Vorfalls liegt der Bericht in Q8 vor, in dem die <em>„Grefen“</em> am 03.03.1687 davon berichten, dass die <em>„auf ihren Hof geschickten Exekutoren mit Prügeln“ </em>vertrieben wurden.</p>
<p style="text-align: justify;"><a href="http://jbshistoryblog.de/2011/08/ein-altlander-streit-um-die-bewirtschaftung-eines-deichstucks-teil-ii-2/">weiter zu Teil II</a></p>
<div><strong>Bibliographie:</strong></div>
<div class='footnotes'>
<div class='footnotedivider'></div>
<ol>
<li id='fn-755-1'>Vgl. StA, Rep.5 a, Fach 270, Nr.68, auszugsweise exzerpiert durch Michael Ehrhardt. Es handelt sich hierbei um 8 einzelne Korrespondenzen, die im Fließtext und/oder in den Fußnoten mit den Kürzeln Q1-Q8 angegeben werden. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-755-1'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-755-2'>Für alle Zitate dieses Absatzes. Siehe Q1. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-755-2'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-755-3'>Für alle Zitate dieses Absatzes. Siehe Q3. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-755-3'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-755-4'>Für alle bisherigen Zitate dieses Absatzes. Siehe Q4. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-755-4'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-755-5'>Alle folgenden Zitate dieses Absatzes. Siehe Q6. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-755-5'>&#8617;</a></span></li>
<li id='fn-755-6'>Für alle Zitate dieses Absatzes. Siehe Q7. <span class='footnotereverse'><a href='#fnref-755-6'>&#8617;</a></span></li>
</ol>
</div>
<p><a class="a2a_dd a2a_target addtoany_share_save" href="http://www.addtoany.com/share_save#url=http%3A%2F%2Fjbshistoryblog.de%2F2011%2F08%2Fein-altlander-streit-um-die-bewirtschaftung-eines-deichstucks-in-twielenfleth-teil-i%2F&amp;title=Ein%20Altl%C3%A4nder%20Streit%20um%20die%20Bewirtschaftung%20eines%20Deichst%C3%BCcks%20%28Teil%20I%29" id="wpa2a_16"><img src="http://www.jbshistoryblog.de/wordpress/wp-content/plugins/add-to-any/share_save_171_16.png" width="171" height="16" alt="Share"/></a></p>]]></content:encoded>
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